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Aachen: Ania Fucz und Leo Zulic: Viel zu gewinnen und noch mehr zu verlieren

Aachen : Ania Fucz und Leo Zulic: Viel zu gewinnen und noch mehr zu verlieren

Wäre Otto Rehhagel nicht als altersweiser Fußballlehrer geboren worden, hätte er sich auch als Kampfsport-Trainer ganz gut gemacht. Rehhagel hat ja kürzlich die Ereignisse während eines Relegationsspiels mit denen im Zweiten Weltkrieg verglichen und damit bewiesen, dass er zumindest rhetorisch zum Kampfsport-Trainer taugt.

Denn wer diesen Job macht, muss wissen, wie man mit markigen Sprüchen, schrägen Vergleichen und zur Schau getragenem Selbstbewusstsein ein möglichst lautes mediales Echo erzeugt. Klappern gehört zum Handwerk, das gilt im Kampfsport noch ein bisschen mehr als anderswo.

Uwe Göbkes weiß das, und auch wenn er vielleicht nicht als Kampfsport-Trainer geboren wurde, so ist er schon ziemlich lange im Geschäft. Göbkes hat sie drauf, die markigen Sprüche vor den Kämpfen, die von den Medien so gern zitiert werden. Am Samstag, ab 18 Uhr, werden zwei seiner Schützlinge in der Aachener Eissporthalle antreten. Thai-Box-Weltmeisterin Ania Fucz möchte ihren Titel gegen die Schwedin Elna Nilsson verteidigen, Leo Zulic will dem Albaner Valdet Gashi den K1-Weltmeistertitel abnehmen. Fucz und Zulic kommen aus Würselen, beide trainieren in der Schule von Uwe Göbkes, Mujoken-ki-Dojo heißt sie.

Es geht um den Kopf des Trainers

Es könnte also sein, dass nach diesem Abend zwei Weltmeister in Würselen trainieren. Dann wäre es optimal gelaufen. Und wenn es richtig schlecht läuft, ist Mujoken-ki-Dojo erst einmal die Schule der Ex-Weltmeister. „Dann”, sagt Göbkes, „reißt man mir den Kopf ab.”

Natürlich wird das nicht geschehen, zumal man auch erst einmal jemanden finden müsste, der das schafft. Trainer Göbkes war selbst mehrfach Europa- und Weltmeister, und er ist nach wie vor ziemlich gut in Form. Was er sagen will und recht martialisch ausdrückt ist, dass es an diesem Abend in der Eissporthalle um sehr viel geht.

Fucz hat erst am 18. Mai in München gegen Kickbox-Weltmeisterin Dr. Christine Theiss gekämpft. Das Fernsehen übertrug live, Fucz zeigte eine tolle Leistung, verlor nur knapp nach Punkten. Nach dem Kampf legte die Würselenerin eine Trainingspause von genau drei Tagen ein, danach begann sie mit der Vorbereitung auf den Kampf am Samstag. Aber das Duell mit Theiss zu verlegen war nie eine Option: Hätte Fucz das Angebot für den 18. Mai nicht angenommen, hätte es den Kampf wohl nie gegeben.

Die Vorbereitung sei dennoch gut gelaufen, sagt Fucz, die weiß, dass sie es am Samstag mit einer unangenehmen Gegnerin zu tun bekommt. „Sie kämpft auch gern auf dem Boden”, sagt Fucz über die größere und schwerere Nilsson. Aber sie ist fest entschlossen, den späteren Hauptkampf als amtierende Weltmeisterin zu verfolgen.

In dem fordert Leo Zulic K1-Weltmeister Valdet Gashi heraus. Und der ist dem Würselener zumindest in punkto Erfahrung haushoch überlegen: Zulic hat bislang 59 Kämpfe bestritten, Gashi 123. Typisch für den Herausforderer ist, dass er von Beginn an den K.o. sucht. Diesmal möchte er das Ganze aber ein wenig bedachter angehen. „Aber ich werde trotzdem ein hohes Tempo vorlegen”, sagt Zulic.

Sollte es am Ende des Abends tatsächlich zwei Würselener Weltmeister geben, wäre das für Göbkes „Wahnsinn”. Und das ist dann nicht mal übertrieben.