Aachen: Alemannias Sportetat wird um 20 Prozent erhöht

Aachen: Alemannias Sportetat wird um 20 Prozent erhöht

Die neue Zeitrechnung beim Fußball-Regionalligisten beginnt an einem Sonntag um 9 Uhr. Am 1. Juli überträgt der Insolvenzverwalter die Spiel- und Markenrechte, die Betriebs- und die Geschäftsaustattung an den Mutterverein — für ein paar Stunden. Alle Mannschaften und Spielrechte werden dort geparkt, der nächste Neuanfang nach der aktuellen Insolvenz ist sekundengenau terminiert.

Für Insolvenzverwalter Christoph Niering ist das Mandat damit später beendet als geplant, es gab juristische Motive.

In den vergangenen Monaten wurde ein geeignetes Lizenzverfahren mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ermittelt, der Dachverband betritt mit Alemannia Neuland. Die ursprüngliche Idee, alle Rechte von der insolventen in die neue, unbefleckte Gesellschaft zu übertragen, scheiterte an den Statuten, sagt Aufsichtsrat Dirk Kall.

Der frühere Vorstandsvorsitzende von Fortuna Düsseldorf ermöglichte die Lösung in monatelanger Detailarbeit mit dem DFB. Die sieht so aus: Niering parkt für einen symbolischen Euro alle Rechte für einige Stunden beim Mutterverein. Der gemeinnützige Verein reicht sie dann für einen Euro plus Verwaltungsaufwand — die Kaution musste zum Beispiel bereits hinterlegt werden — weiter. Die neu gegründete, schuldenfreie „TSV Alemannia Aachen GmbH“ nimmt die Arbeit auf.

Der Insolvenzverwalter wird dann nur noch die alte gescheiterte GmbH betreuen, Forderungen zum Beispiel gegenüber dem ehemaligen Hauptsponsor Alexander Goy geltend machen. Das düstere Kapitel ist beendet, Alemannias Gremien sind „entfesselt“ von den Zwängen eines Insolvenzverfahrens.

Sportetat wird erhöht

Die gute Nachricht des Tages: „Wir können unseren Sportetat um 20 Prozent erhöhen“, sagt Präsident Martin Fröhlich. Kaderplaner Fuat Kilic stehen für die kommende Spielzeit nun 1,2 Millionen Euro (Gesamtetat: drei Millionen) zur Verfügung, davon gehen etwa 350.000 Euro für Beiträge zur Sozialversicherung und Berufsgenossenschaft ab. Der Etat geht unverändert von einem Zuschauerschnitt von 4800 Zuschauern aus.

Das Team könnte den Rahmen durch einen Sieg im Mittlelrheinpokalfinale am Pfingstmontag noch einmal um 115.000 Euro aufstocken, die Alemannia würde dann in die erste Runde des DFB-Pokals einziehen. Im Etat verankert ist die Summe nicht. „Wir sind angetreten, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen“, sagt Fröhlich. Ein unkalkulierrbares Risiko wird auch nicht in der kommenden Saison eingegangen, wenn der West-Meister der Regionalliga durch einen direkten Aufstieg entkommt.

Die Etat-Erhöhung ist durch viele Initiativen möglich geworden. „So ein herausragendes Beispiel wie die Öcher Investörchen habe ich noch nie erlebt“, lobt der weitgereiste Kall die Initiative, die bereits knapp 35.000 Euro gesammelt hat. Viele Sponsoren und Fans sind auch in finsteren Zeiten an Bord geblieben, erinnert Aufsichtsrat Johannes Delheid. Der Jurist hat in den ersten acht Monaten seiner Amtszeit viele Firmen abgeklappert. Bei kleinen und mittleren Unternehmen hat er regelmäßig Unterstützung erfahren. „Aber diese Region hat noch mehr drauf“, sagt Delheid. „Ich vermisse, dass noch größere Unternehmen den Verein unterstützen.“ Delheid appelliert: „Es muss ein Ruck durch die Region gehen. Alemannia muss zurück in die 3. Liga.“

(luk/pa)
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