Aachen: Alemannias Kaderplaner Fuat Kilic und seine ungemütliche Ausgangslage

Aachen : Alemannias Kaderplaner Fuat Kilic und seine ungemütliche Ausgangslage

Das nächste von insgesamt drei Auswärtsspielen in Serie steht an. Am Samstagnachmittag gastiert Fußball-Regionalligist Alemannia Aachen bei der Zweitbesetzung des 1. FC Köln. „Die Mannschaft gehört nicht in diese Tabellenregion“, warnt Fuat Kilic vor einem Gegner mit „einer sehr großen körperlichen Präsenz“. Kurzfristig muss der Trainer seine Mannschaft auf den nächsten Wettkampf vorbereiten.

Mittelfristig muss er das Team 2018/19 zusammenstellen. Kilic würde gerne die meisten Spieler halten, bis Mitte April will er eine Rückmeldung der Kandidaten haben.

Wie ist der Stand der Dinge: Gibt es Ab- oder Zusagen?

Kilic: Absagen gibt es bislang nicht. Bei einigen Kandidaten sprechen wir bereits über Details. Unsere Priorität ist es, mit Leistungsträgern zu verlängern. Wenn wir aber den Eindruck haben, dass auf Zeit gespielt wird, müssen wir reagieren. Deswegen haben wir alternative Spieler-Listen für solche Fälle. Ich will nicht wieder erst Ende Mai eine schlagkräftige Mannschaft aufstellen.

Sie sind darauf eingestellt, dass die im Sommer zusammengestellte Gruppe wieder größtenteils auseinandergeht?

Kilic: In diesem Bereich überrascht mich nichts mehr. Ich weiß, dass ich mich auf die Jungens verlassen kann. Auf die Gedanken der Berater habe ich keinen Einfluss, deswegen müssen wir als Verein vorbereitet sein auf mögliche Trennungen. Es gibt durchaus die Forderungen, dass man 300 bis 800 Euro mehr monatlich verdienen möchte. Dazu soll es dann Provisionszahlungen geben, auf die zuletzt verzichtet wurden. Das können wir nicht umsetzen, sonst könnten wir am Ende nur zwölf Spieler holen und müssten auf Co-, Athletik- und Torwarttrainer verzichten.

Fast alle Profis haben sich positiv entwickelt und wecken damit die Neugierde anderer Klubs. Tröstet Sie diese verkappte Anerkennung Ihrer Arbeit?

Kilic: Es ist schön, dass es in den Gesprächen auch viel Dankbarkeit gibt. Ich muss aber auch meine Spieler verstehen, die an anderen Orten manchmal 1000 Euro mehr oder doppelt so viel im Monat verdienen können, während sie bislang am Limit lebten.

Wird sich die Kaderkonzeption verändern?

Kilic: Wir wollen die Qualität bündeln und etwa 15, 16 Spieler mit einer ähnlichen Qualität im Kader haben. Dazu sollen dann junge Spieler zum Beispiel aus der A-Jugend-Bundesliga oder unserem Nachwuchs kommen, die uns gerne überraschen können.

Es mangelt nicht an Lob für die letzten Monate, gibt es auch positive Rückmeldungen oder Zusagen von Sponsoren?

Kilic: Es gibt ein, zwei Firmen, die konkret Spieler unterstützen wollen, wenn sie bleiben würden. Das sind aber nur vereinzelte Initiativen.

Wie mühsam ist der permanente Neuanfang? Oder ist man als Alemannia-Trainer darauf eingestellt?

Kilic: Ich bin nicht davon ausgegangen, dass wir in diesem Sommer eventuell wieder neu starten müssen. Wir haben gehofft, dass wir schon im Winter aus der Insolvenz herauskommen und im Sommer mehr Klarheit über die Unterstützung von Sponsoren haben. Ein höheres Budget wäre wünschenswert gewesen, das war die Planung. Aber es ist jetzt so. Ich bin zuversichtlich, dass wir den ein oder anderen Spieler halten können und eine schlagkräftige Mannschaft haben werden.

Ist Alemannia nicht auf Strecke ein Ausbildungsverein?

Kilic: Wenn es so weitergeht, befürchte ich das schon. Wir können nicht davon ausgehen, dass wir immer an der Spitze mitspielen. So wird die Gefahr größer, dass wir als eine Art U 23 wahrgenommen werden, die Spieler gut ausbildet, welche dann von anderen Klubs vom Hof geholt werden. Wir müssen wirklich aufpassen, dass die Schere nicht noch weiter auseinandergeht. Schließlich ist Alemannias Anspruch, möglichst schnell dieser Liga zu entkommen. Dazu gehört es dann auch, dass wir Top-Spieler halten können, auch wenn das immer schwierig sein wird, solange wir in dieser Liga spielen.

Die Zeit der Gerüchte hat begonnen: Etliche Spieler werden mit höherklassigen Klubs in Verbindung gebracht. Registrieren Sie das?

Kilic: Viele Spieler werden von höherklassigen Teams beobachtet, Vereine erkundigen sich bei uns über ihre mögliche Neuzugänge, aber es gibt noch keine Fakten. Wir sind auf Abgänge eingestellt, auch wenn mir das emotional durchaus schwer fallen würde.

Mögliche Aufstellung: Depta - Heinze, Hackenberg, Pluntke - Konate-Lueken, Pütz, Kühnel, Winter - Fejzullahu, Torunarigha, Azaouaghi

Schiedsrichter: Kevin Domnick (Duisburg)

Bilanz: 15 Spiele/9 Siege/1 Remis/ 5 Niederlagen/21:15 Tore

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