Aachen: Alemannia verabschiedet eine komplette Mannschaft

Aachen: Alemannia verabschiedet eine komplette Mannschaft

Wenn er wollte, könnte Fuat Kilic morgen gegen Westfalia Rhynern (14 Uhr) eine komplette Elf an Spielern aufbieten, die zum letzten Mal für Alemannia auflaufen: Nettekoven, Konate-Lueken, Pluntke, Kucharzik, Lippold, Buchta, Fejzullahu, Nebi, Mickels, Yesilova und Sahin werden verabschiedet.

Aachens Trainer wird ein anderes Team im letzten Meisterschaftsspiel der Fußball-Regionalliga aufbieten, und das nicht nur, weil er den gesperrten Mergim Fejzullahu nicht aufstellen darf. Es gibt noch tabellarische Anreize: Beim Zieleinlauf ist zwischen Platz drei und acht noch alles möglich. „Wir wollen die Saison mit einem positiven Erlebnis beenden“, sagt Kilic.

Vor dem Spiel gibt es Blumen zum Abschied, der fällt größer aus, als das gewünscht ist. Dabei sind nicht einmal alle Personalien geklärt: Kai Bösing, Marcel Damaschek, Meik Kühnel, Nils Winter und Tobias Mohr werden auf eigenem Wunsch hin nicht verabschiedet. „Es ist immer noch alles offen“, sagt Mohr, der ohnehin nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt ist. Vor dem Pokalfinale am Pfingstmontag werde es keine Entscheidung geben. „Alle Konzentration gilt diesem Spiel.“

Auch Winter ist noch unentschlossen. „Ich fühle mich pudelwohl in Aachen, aber es muss alles passen“, sagt der Kapitän. Ein bisschen hängen die Personalien zusammen: Eine Zusage würde ihm leichter fallen, sagt Winter, wenn so ein Qualitätsspieler wie Mohr am Tivoli bleiben würde. Kühnel hat Angebote aus der Regionalliga, ein Abschied fällt nach vielen Jahren schwer, sagt er. „Es ist ziemlich emotional.“ Der Mittelfeldspieler räumt selbst einen Leistungsabfall in den letzten Wochen ein, „es gehen einem viele Dinge durch den Kopf“.

Die Motive für den Weggang der Kollegen sind vielfältig. Einige haben sich so gut entwickelt, dass sie nun lukrativere oder sportlich reizvollere Möglichkeiten haben. Torjäger Fejzullahu spielt die bislang beste Saison seiner Karriere. Früh machte sein Berater deutlich, dass es den Angreifer in eine höhere Liga ziehe. Verhandeln aussichtslos. Maurice Pluntke hat schon vor Wochen bei Wacker Nordhausen zugesagt, Joy-Slayd Mickels wechselt zum SV Rödinghausen.

Andere Spieler setzten sich in den letzten 34 Spielen nicht durch, sie ziehen weiter. „Ich liebe alle diese Jungens“, sagt Kilic, „aber einige sind zuletzt von unserem Weg abgekommen. Und der eine oder andere hat sich kaputtgemacht, was er sich in den Monaten zuvor erarbeitet hat.“ Manuel Konate-Lueken und Arda Nebi werden verabschiedet, obwohl sie in der Rückrunde ein bisschen Werbung für sich machen konnten. Severin Buchta kam in der Winterpause, wurde kaum eingesetzt und kehrt zum Karlsruher SC zurück. Tobias Lippold sucht ebenso wie Emre Yesilova nach einem Jahr einen anderen Arbeitgeber. Gleich zwei Torhüter gehen von Bord: Akif Sahin und Patrick Nettekoven verlassen den Verein, der auch einen neuen Torwarttrainer anstellen muss.

Und dann wartet das Finale

Alle Spieler haben ihre Einsätze gehabt, Karim Kucharzik, der wegen seiner Verletzungen meist nur Zuschauer war, allerdings nur acht Minuten. Auch der 20-Jährige verlässt den Verein nach vier Jahren. Die Mannschaft geht wieder einmal auseinander, ein paar Fragezeichen bleiben, und das wichtigste Spiel der Saison steht noch an. An Motivation werde es bei niemanden mangeln, verspricht Mohr. „Seit dem Bundesliga-Aufstieg haben wir keinen Pokal mehr stemmen dürfen. Das wird nach so langer Zeit noch mal fällig“, sagt der gebürtige Aachener. „Wir wollen gegen Viktoria Köln zeigen, was wir können.“

Mögliche Aufstellung: Nettekoven — Lippold, Hackenberg, Damaschek, Winter — Bösing, Pütz, Kühnel, Mickels — Nebi, Torunarigha

Schiedsrichter: Mario Heller (Köln)

Bilanz: 1 Spiel/1 Sieg/2:0 Tore

Internet: Liveticker und Spielbericht ab ca 18 Uhr unter an-online.de und az-web.de

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