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Aachen: Alemannia: Bei Abstieg wird Verfahren eröffnet

Aachen : Alemannia: Bei Abstieg wird Verfahren eröffnet

Alemannia spielt am Freitag gegen Hansa Rostock, es ist auch ein Spiel gegen die Zeit. Die Mannschaft, die seit Dienstagabend wieder Tabellenletzter ist, muss noch gewaltig punkten, um den Klassenerhalt zu bewerkstelligen. Steht der Abstieg faktisch fest, wird der insolvente Verein beim Amtsgericht die Notbremse ziehen und die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragen.

Vor ein paar Wochen hatte Michael Mönig noch eine andere Idee, er wollte mit dem Sachwalter Rolf-Dieter Mönning den DFB davon überzeugen, dass die Spielordnung für Insolvenzvereine nicht mehr standesgemäß sei. Es müsse einen Unterschied machen, ob ein Verein eine Saison kostspielig, seriös zu Ende spiele und damit den Wettbewerb erhalte oder die Insolvenzeröffnung beantrage und damit sofort als Absteiger feststehe. Dass sie den Verband von ihrer Position überzeugen können, glauben die Juristen inzwischen auch nicht mehr, geht aus internen Gesprächen hervor.

Alemannia Aachen ist seit Dienstagabend wieder Tabellenletzter. Jetzt muss die Mannschaft noch gewaltig punkten, um den Klassenerhalt zu bewerkstelligen. Steht der Abstieg faktisch fest, wird der insolvente Verein beim Amtsgericht die Notbremse ziehen und die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragen. Foto: dpa

Das juristische Problem wäre auch nur dann akut, wenn der Klub den Klassenerhalt in der 3. Liga schaffen würde. Die Zweifel sind größer geworden in den vielen punktlosen letzten Wochen. Der Wind weht aus der Regionalliga.

Münster würde abrutschen

Der Geschäftsführer Mönig hat bei einem Informationsabend bei der Fan IG seine Pläne offenbart, die auch dem DFB bereits vorliegen. Wäre der Abstieg vorzeitig besiegelt, würde er seinem Gläubigerausschuss die sofortige Eröffnung des Insolvenzverfahrens nahe legen. Für den Verein und seinen Geschäftsführer hätte das Vorteile: Er könnte Geld sparen, bekäme mehr Zeit vor Beginn der nächsten Saison, die angestrebte Einigung mit den Gläubigern zu erzielen. Und die Sanierer hätten plötzlich ein schärferes Schwert in der Hand, das ihnen drastischere Möglichkeiten wie Sonderkündigungsrechte ermöglichen würde.

Dieses Szenario hätte auch Auswirkungen an anderen Fußball-Standorten in der Liga. Noch fünf Teams können aktuell auf den Aufstieg in die 2. Liga hoffen.

Wenn Alemannias Verfahren eröffnet wird, steht die Klub sofort als erster Absteiger fest, die Spiele werden aus der Wertung genommen. Die restlichen Partien — der Spielbetrieb bis zum letzten Spieltag ist laut Mönig gesichert — wären nur noch Freundschaftsspiele. Muster ohne Wert. Am gravierendsten wäre ein solcher Schritt für Münster, das gleich sechs gegen Aachen errungene Punkte verlieren und kurz vor Saisonende weit zurückfallen würde. „Darauf kann und darf ich als insolvente Gesellschaft keine Rücksicht nehmen“, urteilt der Anwalt aus Münster. „Ich muss die Interessen des Vereins und der Gläubiger vertreten.“ Würde das Verfahren heute eröffnet, sähe die aktualisierte Tabelle dann so aus:

1. Arminia Bielefeld 32 18 10 4 50:23 63

2. Karlsruher SC 31 18 94 5 1:20 59

3. 1. FC Heidenheim 31 18 58 57:40 58

4. VfL Osnabrück 32 18 68 52:31 57

5. Preußen Münster 31 16 11 44 7:25 53

Dramatische Auswirkungen gebe es auch im Abstiegskampf. Babelsberg würde ebenfalls sechs Punkte verlieren und wäre neben Aachen dann die schlechteste Mannschaft.

Ein weiteres Problem Alemannias: Immer noch hat der Verein keine Spielstätte für die nächste Saison gefunden. „Es geht nur am Tivoli“, sagt Mönig. Ohne die Spielstätte Tivoli sei eine Sanierung nicht machbar. „Sonst kann ich die Gesellschaft nur noch liquidieren.“ Die von ihm selbst ins Spiel gebrachte Alternativen wie Jülich fallen plötzlich „aus Sicherheitsgründen“ aus. Fest steht dagegen, dass Alemannia sich nur an den Unterhaltungskosten des Stadions, etwa an Spieltagen, beteiligen kann. Mehr gibt das Budget nicht her.

„Der Eigentümer muss zuschießen“, sagt Mönig. Das sei der einzige städtische Weg: den Verein so stark und überlebensfähig zu machen, dass er irgendwann wieder auf eigenen Beinen stehen kann. Der Rat der Stadt Aachen entscheidet am 17. April, ob und zu welchen Konditionen er dem Klub den Tivoli zur Verfügung stellt.