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Aachen/Valkenburg: Aachen besteht die Rad-Prüfung

Aachen/Valkenburg : Aachen besteht die Rad-Prüfung

Die junge Dame, Cynthia, trug ihr Lächeln mit Fassung. Kein Wetter eigentlich zum Lächeln. Regen. Heftiger Regen. Eine Schärpe, so eine, wie sie jeder „Miss XY” umgehängt wird, trug sie auch auf der Bühne vor dem Aachener Rathaus, auf der jene Radprofis vorgestellt wurden, die sich anschließend auf die dritte Etappe der niederländischen Rundfahrt „Ster Elektrotoer” über 194 Kilometer von Aachen nach Valkenburg begaben.

Sie, die blonde Schönheit, werde am berüchtigten Cauberg dann nachmittags auch die Blumen bei der Siegerehrung überreichen, erfahren ein paar Hundert Radsport-Fans, die das Spektakel am Start verfolgen, über Mikrofon. Im Hintergrund haben sich in den Wochen der Vorbereitung eine Menge Zahnräder ineinander gedreht, um das Ereignis auf die Beine zu stellen.

„Wir wollen uns als Radsportstadt einen Namen machen”, sagte Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden im Vorfeld der Rundfahrt, deren Organisatoren Aachen einen Etappenstart angeboten hatten. Immerhin geht es für die Stadt darum, 2008 oder 2009 eine Etappe der Tour de France hierher zu holen. OB-Referent Uwe Brandt, der das Teilstück am Donnerstag als Koordinator betreute, spricht von der Erfahrung, „die wir mit solchen Großereignissen im Radsport sammeln möchten”.

Nun ist die „Ster Elektrotoer” (Kategorie 2.1) nicht in einem Atemzug mit der Frankreich-Rundfahrt zu nennen. Organisatorisch allerdings steckt eine ziemlich heftige, ähnlich aufwändige Arbeit dahinter. Und am Donnerstag zeigte sich, dass alle Beteiligten ihre Hausaufgaben gemacht haben.

Mit 70 bis 80 Personen sind Polizei, Verwaltung und Ordnungskräfte an diesem Tag im Einsatz, schätzt Brandt. Dies, für eigentlich nur „ein paar sportliche Minuten” auf deutschem Boden. Denn das Peloton mit über 150 Profis, 54 Begleitfahrzeugen, 17 Teamwagen, 18 Bussen, weiteren Jury- und Organisationsfahrzeugen verlässt Aachen nach der neutralen Startphase über Jakob- und Vaalserstraße nach Vaals. Bis dort und im weiteren Verlauf sichern Polizeikräder die Strecke kurzzeitig ab.

Polizeihauptkommissat Herbert Neuß aus Aachen ist mit sieben Motorrad-Kollegen im Einsatz, sein niederländischer Kollege Brigadier Dolf Gerards mit 13 Krädern. Vor und hinter dem Peloton sichern Beamte der niederländischen Autobahnpolzei die Kolonne ab. „Wir haben ja große Erfahrung mit solchen Einsätzen in Holland”, sagt Gerards und nennt die Zusammenarbeit perfekt. Aachen hat am Donnerstag eine Rad-Prüfung bestanden.

Im Rathaus gibt Eric van Kessel, einer der Direktoren der Rundfahrt Auskunft über ein ganz anderes, akutes Problem: „Der Tagessieger, der Gesamtführende und weitere vier bis sechs ausgeloste Radprofis müssen täglich im Ziel zur Dopingkontrolle.” Und er sagt zur Situation im Radsport: „Es ist nicht zwölf, es ist fünf nach zwölf.”

Und weil Robert Förster ein Anstellter von Hans-Michael Holczer ist, dem in Dopingfragen völlig humorlosen Manager des Teams Gerolsteiner, weiß der Tageszweite vom Mittwoch auch, was die Uhr geschlagen hat. Zur (juristisch umstrittenen) bevorstehenden Unterschrift aller Profis unter die Anti-Doping-Deklaration sagt Förster, der sich Hoffnungen auf die Tour de France-Teilnahme macht, eine Minute vor dem Start: „Diese Deklaration ist ein Muss. Sonst ist dem Sport nicht mehr zu helfen.”

Im Ziel in Valkenburg, auf dem berühmt-berüchtigen Cauberg, war Cynthia dann wieder zur Stelle. Alleine der 22-jährige Paul Martens von der „Zweitliga”-Equipe Skil-Shimano durfte sich dreimal mit ihr fotografieren lassen. Küßchen linke, Küßchen rechts, Küßchen links. Martens hatte auf dieser Etappe ein wahres Kunststück fertig gebracht: Er gewann erstens dieses das dritte Teilstück der Rundfahrt, streifte sich zweitens gleichzeitig das Grüne Punktetrikot des besten Sprinters über und setzte drittens noch eins drauf: Martens entriss dem Russen Mikhail Ignatiev (Team Tinkoff) das Gelbe Trikot des Gesamtführenden, das er am Freitag auf der Ardennenetappe von Verviers nach La Gileppe trägt. „Meine Mannschaft wird alles tun, damit ich es nicht mehr ausziehe”, sagte er auf dem Podest.