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Köln: 50 Jahre nach erstem Training: erstes Buch über Hennes Weisweiler

Köln : 50 Jahre nach erstem Training: erstes Buch über Hennes Weisweiler

„Es war wunderbar zu Hause — wenn seine Mannschaft gewonnen hatte.“ Fußball war bei den Weisweilers das dominierende Thema, und zum Glück von Gisela Weisweiler waren die von ihrem Mann trainierten Vereine meist erfolgreich. „Bei Niederlagen war es nicht so lustig“, erzählt Hennes Weisweilers Witwe, die bei der Präsentation des Buches über ihren 1983 gestorbenen „Hans“, wie sie ihn meist nannte, noch einmal aus ihrer Heimat Zürich nach Köln gekommen war.

Ist im Haus Töller, eine jener kölschen Kneipen, in denen sich Weisweiler immer so wohl gefühlt hat, eigentlich das zehnte Buch über den legendären Fußball-Trainer vorgestellt worden. Oder schon das elfte, zwölfte? Es ist das erste (!), ziemlich genau 50 Jahre nachdem Weisweiler am 30. April 1964 als Trainer den damaligen Regionalligisten Borussia Mönchengladbach übernommen hatte.

Der Titel ist schlicht. „Hennes Weisweiler“ heißt das Buch, das die Sportjournalisten Kurt Röttgen und Hermann Josef Weskamp geschrieben haben. Aber der Inhalt ist alles andere als schlicht. Das Buch ist eine wunderbare Zeitreise, und all die vielen bekannten Klischees über Weisweiler werden mit feinen Geschichten und Geschitchen unterfüttert. Die Autoren lassen Wegbegleiter zu Wort kommen, und besonders diese Episoden machen die 144 Seiten mit vielen auch privaten Fotos sehr lesenswert.

Etwa wenn sich Kölns Torhüter-Legende Toni Schumacher erinnert: „Mir hat immer imponiert, dass er als Endfünfziger, selbst nach ausgiebigen Feiern, am nächsten Morgen unerschütterlich als Erster auf dem Platz stand. Ob es regnete, fror oder schneite — während sich andere in der warmen Kabine behandeln ließen, leitete der Mann in kurzer Hose und mit rot gefrorenen Oberschenkeln eisern das Training. Irgendwann ergab sich für mich die Gelegenheit, ihn darauf anzusprechen. Er lächelte und schien sogar ein bisschen geschmeichelt: ,Disziplin! Disziplin, Toni! Ich bin och kapott wie sonst was. Aber Disziplin ist in unserem Beruf alles!‘“

Die Bauernschläue

Man fragt sich? Wie käme Hennes Weisweiler, der am 5. Juli 1983 ganz plötzlich mit 63 Jahren nach einem Herzinfarkt gestorben war, in der heutigen Zeit zurecht, in dem die Medien eine ganz andere Rolle spielen? Bestens ist zu vermuten, denn die Cleverness und ja, Bauernschläue dieses Rheinländers würden immer noch prima ankommen. Und eines würde er seinen Spielern mit großer Leidenschaft immer und immer wieder eintrichtern: „Zufriedene Zweite sind ewige Verlierer.“

Verlieren konnte Weisweiler nicht, auf dem Platz nicht und auch nicht bei seinem heiß geliebten Skat. Und der Trainer, der nach seinem Durchbruch in und mit Mönchengladbach noch beim FC Barcelona, dem 1. FC Köln, New York Cosmos sowie dem Grasshopper Club Zürich arbeitete, war bei all seiner sozialen Kompetenz auch ein sturer Mensch. Speziell mit Günter Netzer, dem großen Individualisten aus Borussias Glanzeit in den 1970er Jahren, lieferte er sich manch verbales Scharmützel. Kurt Röttgen schreibt: „Weisweiler hatte keine Strategie für Konfliktlösungen. Er war nicht nachtragend, versöhnte sich gerne wieder, aber dafür brauchte er Vermittlung. Beispielsweise durch Berti Vogts, der als eine Art Parlamentär Frieden stiften sollte, wenn Weisweiler und Netzer mal wieder Sendepause hatten. Diese Gespräche, bei einem Spaziergang zu dritt geführt, waren kabarettreif. Hatte Netzer etwa nach Meinung des Trainers eine Verletzung zu lange auskuriert, sagte Weisweiler zu Vogts: ,Sag deinem Freund, es ist ja toll, dass er sich auch mal wieder beim Training blicken lässt. Und frag ihn, wann er wieder zu spielen gedenkt.‘ Worauf Netzer zu Vogts sagte: ,Sag deinem Trainer, dass meine Verletzung endlich mal ausheilen konnte. Und dass ich in zwei Wochen wieder spielen werde.‘“

Passagen wie diese gibt es viele in dem Buch, in dem auch Erfolgstrainer Jupp Heynckes zu Wort kommt, den Weisweiler geprägt hat wie kein Zweiter. Der Münchner Meistermacher, der bei der Buch-Präsentation ebenfalls zu Gast war, ist sich jedenfalls sicher: „Auch heute wäre Hennes Weisweiler ein großer und charismatischer Trainer wie damals.“