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Aachen: 1997: Außergewöhnliche Titelkämpfe mit Startern aus Übersee

Aachen : 1997: Außergewöhnliche Titelkämpfe mit Startern aus Übersee

Diese Europameisterschaft dürfte in der langen Historie der insgesamt acht Championate, die bis dato in Aachen stattgefunden hatten, ihresgleichen suchen: Das Zuschauerinteresse? Nennen wir es liebevoll ausbaufähig. Die Spannung bei den Freiluftwettbewerben? Gleich Null. Jubelnde Dressur-Amazonen und enttäuschte Springreiter? Nicht anwesend.

Zu sagen, 200 Starter aus insgesamt 15 Nationen waren angereist, um die Besten ihrer Sportart auf dem Kontinent zu ermitteln, trifft ebenfalls nicht ganz den Kern der Sache, denn bei der EM 1997 waren zwar tatsächlich nur Voltigierer am Start, doch auch Teams aus den USA, Australien und Argentinien durften teilnehmen. So fanden in der Albert-Vahle-Halle so etwas wie offene Europameisterschaften statt. Und nicht der Aachen-Laurensberger Rennverein war Ausrichter dieser Mini-EM, sondern der Reiterverein Gut Hanbruch fungierte als Gastgeber.

Die Spannung schien ebenfalls überschaubar zu sein: Deutschland — genauer das Team aus Neuss-Grimlinghausen — und die Schweiz wechselten sich seit Jahren bei der Titelvergabe ab. Von erbitterter sportlicher Konkurrenz zu sprechen, dürfte den Nagel ebenfalls etwas neben dem Kopf treffen, denn die Teams feuerten sich bei ihren Darbietungen gegenseitig enthusiastisch an. „Greift einer daneben, dann bricht die ganze Figur zusammen“, erläuterte der Präsident des RV Gut Hanbruch, Horst Fischersworring, den Grund für den Zusammenhalt.

Erwartungsgemäß führte nach der ersten Pflicht die Schweiz knapp vor Deutschland, dahinter die Schweden, die mit ihrem Vortrag Erwartungen weckten, die sie bei der zweiten Darbietung allerdings nicht erfüllen konnten. „Da ging nichts mehr“, beschrieb seinerzeit EM-Sprecherin Christine Rick das Malheur. „Die Voltigierer sind sogar mehrfach vom Pferd gefallen.“ So hatte am Ende Deutschland wieder die Nase vorn und verteidigte den Titel.

Überraschendes Silber

Bei den Frauen setzte sich ebenfalls wenig aufsehenerregend Weltmeisterin Tanja Benedetto durch, bei den Männern gewann Vize-Weltmeister Philipp Lehner Gold, da sich der amtierende Weltmeister Christoph Lensing vom aktiven Sport zurückgezogen hatte. Aufregendes ereignete sich jedoch dahinter: Der erst 15-jährige Kai Vorberg, ohne internationale Erfahrung als Ersatzmann gestartet, holte völlig überraschend Silber. Und auch bei den Frauen tauchte ein vielversprechender Name am Voltigier-Horizont auf: Die erst 19-jährige Nadia Zülow war der neuen Titelträgerin bis auf ein Zehntel auf die Pelle gerückt.

Und das Erlebnis für die Zuschauer bei dieser außergewöhnlichen EM? Die Franzosen Aurélien Canonne und Chrystel Lenaers brachten es knapp und international auf den Punkt. Die Atmosphäre? „Typisch deutsch.“ Die Organisation? „Very strict.“ Und das Drumherum? „Ca va bien.“

(rom)