Köln: 1. FC Köln: Im Gespräch mit Yannick Gerhardt

Köln: 1. FC Köln: Im Gespräch mit Yannick Gerhardt

Yannick Gerhardt — den Namen kannten bis zum Sommer nur die deutschen Fußball-Talentscouts. Das hat sich in den vergangenen Monaten drastisch geändert. Der 19-Jährige aus Kreuzau ist Stammspieler beim 1. FC Köln, dem Tabellenführer der Zweiten Liga.

Gerhardt spielt häufiger als beispielsweise Rückkehrer und Ex-Nationalspieler Patrick Helmes. Trotzdem hat sich im Leben des FC-Senkrechtstarters nicht viel geändert. Im Interview mit Guido Jansen sagt er, dass er zu Hause immer noch sein Zimmer aufräumen muss...

Zwei Geschwister im Geißbock-Trikot: Anna und Yannick Gerhardt spielen beide für den 1. FC Köln und in den jeweiligen deutschen Jugend-Nationalmannschaften. Foto: Keldenich

Sind Sie FC-Fan?

Gerhardt: Auf jeden Fall. Ich lebe in Kreuzau, das gehört zum Rheinland. Ich spiele seit zehn Jahren für den FC. Ich kann mir das gar nicht anders vorstellen. Ich war schon als Kind sehr oft im Stadion.

Wie fühlt es sich an, dass Sie nicht mehr auf der Tribüne, sondern auf dem Rasen stehen?

Gerhardt: Da bekommst du einfach Gänsehaut. Ich habe früher oft davon geträumt, dass es irgendwann mal so weit ist, dass ich auf dem Rasen stehe und 50000 Menschen meinen Namen rufen. Das war Wahnsinn, als ich mein erstes Tor geschossen habe (1. September beim 4:1-Heimsieg gegen Erzgebirge Aue, d. Red). Und dann war das auch noch so ein sehenswertes Tor. Den Moment werde ich sicher nicht so schnell vergessen.

Leben Sie jetzt den Traum Fußballprofi?

Gerhardt: Ich hatte ehrlich gesagt noch nicht wirklich Zeit, viel darüber nachzudenken. Es ging alles sehr schnell in den letzten Wochen. Ich genieße momentan einfach jedes Spiel.

Sind Sie sich der Tatsache bewusst, dass die meisten Talente den Sprung ins Profigeschäft nicht schaffen?

Gerhardt: Ja, das weiß ich. Ich bin dem Verein sehr dankbar für diese Chance. Und ich bin froh, dass ich bisher einer von den Fußballern bin, die kein großes Verletzungspech haben.

Und warum sind Sie so gut, dass Sie den Sprung schaffen und Stammspieler beim Tabellenführer der Zweiten Liga sind, während namhafte Spieler wie Patrick Helmes oder Slawomir Peszko deutlich weniger zum Einsatz kommen?

Gerhardt: Es ist nicht mein Ding, über meine Stärken zu reden. Das sollen andere machen. Ich versuche einfach, das umzusetzen, was die Trainer von mir fordern. Und ich gehe immer mit vollem Einsatz an die Sache.

Seit ein paar Wochen gibt es einen Eintrag bei dem Internet-Nachschlagewerk Wikipedia über Sie, bei transfermarkt.de sind Sie mit einem Marktwert von 700000 Euro aufgeführt. Sind das Zeichen dafür, dass sich in Ihrem Leben viel verändert hat?

Gerhardt: Für mich ist das alles noch gar nicht wirklich greifbar. Persönlich hat sich für mich ja nichts verändert. Ich wohne bei meinen Eltern, ich muss mein Zimmer aufräumen. Ich spiele jetzt nur für die Erste Mannschaft. Und ehrlich gesagt bin ich froh, wenn zu Hause nicht ständig über Fußball gesprochen wird.

Dabei bleibt das nicht aus. Ihre Schwester spielt ebenfalls für die Junioren-Nationalmannschaft und den 1. FC Köln.

Gerhardt: Ja, ich bin unheimlich stolz auf sie. Sie will genau den gleichen Weg gehen wie ich. Sie hat viel Ehrgeiz. Da habe ich großen Respekt vor.

Wann hatten Sie das erste Mal das Gefühl, dass es klappen könnte mit dem Profi-Geschäft?

Gerhardt: Als ich in die U18-Nationalmannschaft berufen worden bin. Und als wir 2011 mit der U17 des FC Meister geworden sind. Da wurde es immer mehr zu meinem Ziel, Profi zu werden. Als ich im ersten Jahr A-Jugend war, haben mir die Verantwortlichen bereits einen Profivertrag in Aussicht gestellt. Ich habe das zweite Jahr trotzdem komplett bei der A-Jugend gespielt. Mir war es wichtig, das Abitur (am Stiftischen Gymnasium Düren, d. Red) zu machen. Das wäre als Profispieler nicht möglich gewesen.

Haben Sie trotz des Erfolgs einen Plan B?

Gerhardt: Ja, ich will ab dem Sommersemester ein Fernstudium beginnen. Sport und Betriebswirtschaftslehre — die Richtung interessiert mich.

Wie lautet das nächste Kapitel in Ihrem Traum? Aufstieg? Schließlich ist der FC souverän Tabellenführer.

Gerhardt: Ich habe schon genügend Ansporn. Ich bin froh, dass ich überhaupt mit dem FC in der Zweiten Liga spielen darf. Aber klar: Die Chance, dass wir aufsteigen können, ist natürlich im Moment das i-Tüpfelchen.