1. Specials
  2. Unicef

Katja Riemann, Sabine Christiansen, Christian Schneider: „Einer beeindruckenden Aufgabe verschrieben“

Katja Riemann, Sabine Christiansen, Christian Schneider : „Einer beeindruckenden Aufgabe verschrieben“

Zum 25-jährigen Bestehen unserer Hilfsaktion haben uns die Schauspielerin Katja Riemann, die TV-Moderatorin Sabine Christiansen und der Geschäftsführer von Unicef Deutschland geschrieben.

Katja Riemann, Schauspielerin:

Wenn ich an Manfred Kutsch denke, kommen mir diverse Begegnungen in den Sinn: die beeindruckende Ausstellung „Andere Kinderwelten“ in Aachen, Treffen im Unicef-Headquarter Köln, die Fotos seiner Frau Silke und die Artikel von Reisen, die Dringlichkeit zu berichten und die nicht versiegende Verwunderung in seinen Augen über das, was die beiden erlebten.

25 Jahre Partnerschaft zwischen der Aachener Zeitung und dem Kinderhilfswerk, das ist einen Tusch wert, einen Tanz, eine Feier – und auf jeden Fall eine Beglückwünschung. Bleibt die Frage, wie geht es weiter? Die Antwort ist so kurz wie schlicht: Es geht weiter.

Humanitäre arbeiten letztlich auf das Ziel hin, eines Tages arbeitslos zu werden. Das wäre was: Die Vorstellung, dass die 30 Artikel der Allgemeinen Menschenrechtserklärung in allen Ländern Einzug und Durchführung fänden. Bis es so weit ist, werden sie begleitet von Unterstützern und Berichterstattern, die ihre Arbeit multiplizieren, sichtbar machen und somit Licht auf Umstände geworfen wird, die keine Überschneidungsmenge haben mit westeuropäischem Alltag.

Dass die Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten sich dieser Aufgabe verschrieben haben, ist beeindruckend. Herzlichen Glückwunsch!

 Die Fernsehmoderatorin, Journalistin und Produzentin Sabine Christiansen ist Unicef-Botschafterin.
Die Fernsehmoderatorin, Journalistin und Produzentin Sabine Christiansen ist Unicef-Botschafterin. Foto: imago stock&people

Sabine Christiansen, Moderatorin und Journalistin:

Nachrichten sind eine flüchtige Ware. Unglücke, Katastrophen, Bilder von Opfern des Krieges in Syrien, einer Explosion im Libanon, aus Flüchtlingscamps wie Moria, von verhungernden Kindern im Jemen, hierzulande Schicksale schrecklicher häuslicher Gewalt oder Pädophilie – alles flimmert für wenige Minuten Sendezeit über die Bildschirme. Aus den Augen, aus dem Sinn. Ein Druck auf die Fernbedienung und das Elend ist weg, noch bevor es uns so richtig berühren kann. Online muss ich es gar nicht erst an mich heranlassen, Social Media sortiert vor. Dann kann man sich die Welt bauen, wie sie einem gefällt. Wen interessieren noch die Schicksale hinter den Kurzmeldungen? (...)

Manfred Kutsch und ich haben uns nach vielen Katastrophen in Afrika, Haiti oder dem Tsunami in Asien getroffen: ich als Unicef-Botschafterin, er als ein besonderer Mensch in mehrfacher Mission. Erstens: als einer der engagiertesten Menschen, die ich kenne. Er diskutiert nicht in Talkrunden, er fährt los – und das zumeist mit seiner Frau Silke. Zweitens: Im Gepäck hat er eine einmalig engagierte Leserschaft, die das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen seit Jahrzehnten mit großer Anteilnahme und entsprechenden Spenden unterstützt. Drittens: Er schaut und fragt vor Ort, wo das Geld eingesetzt worden ist und macht es transparent.

Die Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten und ihre Leser sind durch Manfred Kutsch eine besondere Beziehung eingegangen. Ich danke den Menschen dieser wunderbaren Stadt, der Redaktion und Manfred persönlich für dieses große Engagement – ganz im Sinne der Unicef-Idee.

Unicef wirkt global, lebt aber vom regionalen Handeln in zweierlei Hinsicht. Wir sind eine Organisation mit Tausenden von freiwilligen Helfern in Deutschland, von Klein- wie Großspendern, von ideellen Unterstützern. Genauso geben wir das Geld auch aus. Nicht als Füllhorn, sondern in den Notgebieten über viele regionale Organisationen, die Bildung, Gesundheit und Förderung der Kinder sicherstellen. Unsere Kollegen bleiben in mehr als 140 Ländern dieser Welt, auch wenn keine Kameras mehr über ihre Arbeit berichten.

Sie retten jeden Tag Kinderleben, und keiner weiß es. Sie arbeiten und unterstützen mutige Männer und Frauen, die vor Ort gegen Unterdrückung und Armut, Vergewaltigungen von Mädchen oder die Rekrutierung von Kindersoldaten kämpfen, gegen Prostitution von Minderjährigen oder Kinderarbeit in Bergwerken oder sklavenähnlichen Abhängigkeiten. 73 Millionen Kinder werden in den sogenannten „schlimmsten Formen der Kinderarbeit“ ausgebeutet! Corona verstärkt diese Zahl, da die Eltern vielfach im Lockdown sitzen und Schulen geschlossen sind.

Ich habe selbst oft erlebt, dass unsere Hilfe zum politischen Spielball wird. Sei es, als wir in Kuwait saßen und auf das Signal aus dem Irak warteten, hineinfahren zu können mit Wasser und medizinischer Hilfe. Sei es, als ich nach Besuchen bei israelischen Opfern von Anschlägen in den Gazastreifen wollte, um die furchtbare Situation der Kinder dort zu sehen – wir wurden bis auf das Äußerste daran gehindert, hinein zu gehen, haben uns aber nicht abschrecken lassen.

Es gibt kein feindliches Kind, ist unser wichtigster Leitsatz, seitdem bei Gründung von Unicef beschlossen wurde, auch den Kindern im Nachkriegsdeutschland zu helfen.

Alle Kinder auf diesem Planeten haben unsere Hilfe und Ihre Unterstützung verdient, damit sie eine bessere Welt von morgen bauen können.

 Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland.
Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland. Foto: imago/Metodi Popow/imago stock&people

Christian Schneider, Geschäftsführer Unicef Deutschland:

25 Jahre – das ist bei einem Ehepaar die Silberhochzeit. Dass aber eine Partnerschaft zwischen einem Kinderhilfswerk und einem Zeitungsverlag so lange besteht, ist in unserer schnelllebigen, krisengeschüttelten Zeit mit all ihrem Wandel und ihren Verunsicherungen für uns alle bei Unicef absolut einzigartig. (...) Aus der Idee wurde eine unvergleichliche Serie von Berichten und Fotos, über ein Vierteljahrhundert eine Dokumentation der Kindheit in jenen Teilen der Welt, in denen Kinder sehr dringend darauf angewiesen sind, dass sie auf unserer Landkarte stattfinden. Nein, die Aktionen in Aachen waren immer mehr als Dokumentation. Sie waren von Beginn an Appell, Alarm – der Wunsch des Verlages, mit jeder Zeile und jedem Bild Hilfe zu mobilisieren unter den mitfühlenden Leserinnen und Lesern in der Region.

Und Sie, liebe Leserinnen und Leser, öffneten Ihr Herz immer wieder in diesen 25 Jahren. Fast zehn Millionen Euro haben Sie seit dem Start für die Unicef-Hilfe in 22 Ländern gespendet – ein unglaublicher Betrag und ein beispielloses Engagement, das schon so unendlich viel für Kinder in Not bewirkt hat!

Persönlich durfte ich fast von Beginn an miterleben, wie die Zeitung, ihr Reporter, das ganze Team dahinter Jahr für Jahr mit einer besonderen Kombination aus starken Geschichten und der Glaubwürdigkeit einer großen Regionalzeitung ihre Aktion gestaltet und immer weiter entwickelt haben, um erfolgreich für Kinder zu sein. Es tat uns bei Unicef in all diesen Jahren gut, mit der Chefredaktion und dem Ihnen allen so vertrauten Reporter Manfred Kutsch Partner an der Seite zu wissen, die wirklich wissen wollten, wo es brennt, wo die Hilfe aus Aachen besonders wichtig und wirksam wäre. Und es geht mir wie vielen von Ihnen, dass die buchstäblich eindringlichen Fotos von Silke Fock-Kutsch mich oft sehr lange begleiten, anrühren, auch weiter anspornen in unserer Arbeit.

Nichts interessiert Menschen eigentlich mehr als das, was sich direkt vor ihrer Haustür abspielt. Als regionales Medienunternehmen berichten die Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten unabhängig und professionell über das, was die Menschen hier in der Stadt und der Region bewegt. Aber: Das Medienhaus Aachen wollte immer mehr sein als ein reines Wirtschaftsunternehmen und hat seine gesellschaftliche Verantwortung glaubhaft und beständig wahrgenommen – für die Menschen vor Ort genauso wie für die Kinder in Kriegs- und Krisengebieten.

Angesichts der dramatischen Lage der Kinder in vielen Regionen der Welt werde ich oft gefragt, ob Spenden überhaupt Sinn macht. Die beste Antwort geben mir die Mädchen und Jungen, die ich gerade in den Krisengebieten treffen darf. Ihre Stärke, ihr Optimismus und ihre Lebensfreude trotz unglaublich trostloser Situationen zeigen: Spenden können nicht die tief sitzende Armut, Ungerechtigkeit und Kriege stoppen. Aber sie machen einen großen Unterschied und lindern die dramatischen Folgen für Kinder. Oft genug machen sie ihr Überleben erst möglich. (...)

Nur wenn jedes Kind gerechte Chancen hat, wird eine bessere, friedlichere Welt für uns alle möglich. Nachhaltige Veränderungen in Gang zu bringen, das schaffen wir jedoch nur gemeinsam – mit so großartigen Partnern wie dem Medienhaus Aachen. Meinen herzlichen Dank, dass Sie uns all die Jahre zur Seite stehen! Wir freuen uns darauf, auch in Zukunft viel mit den Aachenerinnen und Aachenern für Kinder zu bewegen. Danke!