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Unicef-Spendenaktion: Die Impfstoffvergabe „ist einfach nicht fair“

Unicef-Spendenaktion : Die Impfstoffvergabe „ist einfach nicht fair“

Die Corona-Pandemie hat das kleine Land Malawi hart getroffen, auch wenn bislang nur 60.000 Fälle offiziell registriert wurden. Die Impfung in dem ostafrikanischen Land läuft mehr als schleppend. Das liegt einerseits an der Skepsis der Bevölkerung, aber vor allem am fehlenden Impfstoff. Denn Malawi wurde – wie viele andere afrikanische Länder – bei der Verteilung übergangen.

„Ich war zunächst unsicher, ob ich mich impfen lassen soll”, gibt Hollyce Phewa zu. Am Ende aber ist der 30-Jährige hier hingekommen – zur Corona-Impfstelle im Bwaila-Krankenhaus in Lilongwe, der Hauptstadt Malawis. „Letztlich hat mich mein Bruder überzeugt. Er arbeitet in einem Krankenhaus. Ich bin froh, dass jetzt meine geliebten Menschen geschützt sind.“

Die Zeit drängt

Etwa 150 Menschen können hier pro Tag geimpft werden, erklärt David Matseketse, Gesundheitsexperte von Unicef. Und diese Zahl muss auch erreicht werden, wenn die verfügbaren Impfstoffe vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums verbraucht werden sollen. Und das ist Ende des Jahres.

Corona hat das bitterarme Land schwer getroffen. Zwar sind bislang „nur” etwa 62.000 Fälle und 2300 Todesfälle registriert – bei einer Einwohnerzahl von etwa 18 Millionen. Dennoch stand Malawi für einige Wochen quasi still: Schulen waren geschlossen, Märkte eingeschränkt, Jobs sind weggefallen. Die Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie hat der anfälligen Wirtschaft enorm geschadet. Die Spätfolgen wie Preissteigerungen von alltäglichen Produkten brachte die Menschen, die ohnehin in Armut leben, noch mehr in die Bredouille.

 Per Hand werden die Personalien der Menschen aufgenommen, die sich impfen lassen. Derzeit bekommen alls Erwachsenen in Malawi ein Impfangebot.
Per Hand werden die Personalien der Menschen aufgenommen, die sich impfen lassen. Derzeit bekommen alls Erwachsenen in Malawi ein Impfangebot. Foto: Thoko Chikondi

Das Engagement von Unicef

Das Kinderhilfswerk Unicef habe schon in den ersten Wochen der Pandemie mit der Regierung und verschiedenen Ministerien kooperiert und Notfallstrukturen aufgebaut, berichtet Rudolf Schwenk, der das Unicef-Büro in Malawi leitet.

Und das sei eine „Mammutaufgabe”, erklärt David Matseketse. Zunächst einmal musste man sicherstellen, dass überhaupt Impfstoff ankommt und die Logistik der Verteilung planen. Dann habe Unicef die Infrastruktur für das Impfen aufbauen müssen – also zum Beispiel die Aus- und Weiterbildung von Gesundheitspersonal sicherstellen.

Und letztlich musste man eine Kampagne starten, um die Bevölkerung über das Impfen zu informieren. Dies sei die schwierigste Aufgabe gewesen, berichtet Matseketse, weil nur etwa jeder zehnte Mensch in Malawi Zugang zu Strom hat. Auch Radios stehen längst nicht allen Menschen auf dem Land zur Verfügung.

Mit Lautsprechern in die Dörfer

Also setzte das Kinderhilfswerk auf die Mithilfe der lokalen Gemeinschaften in den Dörfern: Sie nutzten Vans mit Lautsprechern, um Botschaften zu vermitteln und Gesprächskreise, um Fragen zu beantworten. Sie wandten sich an religiöse Führer und Dorfoberhäupter, die sich als Vorbilder impfen ließen.

„Eigentlich sind die Menschen in Malawi Impfungen gegenüber sehr aufgeschlossen”, stellt Rudolf Schwenk klar. Doch als in Europa die Impfskeptiker lauter wurden und auch Fehlinformationen nach Afrika überschwappten, wurden die Menschen unsicher. „Das war absolut kontraproduktiv.“

Falschmeldungen entgegenwirken

 Hier am Bwaila Krankenhaus können pro Tag etwa 150 Dosen verimpft werden.
Hier am Bwaila Krankenhaus können pro Tag etwa 150 Dosen verimpft werden. Foto: Thoko Chikondi

Als erstes ließ sich der malawische Präsident Lazarus Chakwera öffentlichkeitswirksam das Vakzin verabreichen. Danach waren zunächst Menschen aus dem Gesundheitssektor, Lehrer, Soldaten und Sozialarbeiter dran. Mittlerweile bekommen alle volljährigen Malawier ein Impfangebot.

Nach wie vor sei die Lieferung der Impfstoffe eine große Herausforderung, sagt Schwenk: Insgesamt sind erst drei Prozent aller Menschen in Malawi geimpft. Von einer Herdenimmunität ist man zwar noch weit entfernt, es entspricht aber in etwa dem Durchschnitt auf dem afrikanischen Kontinent.

Der vergessene Kontinent

„Covax“, die internationale Initiative für gleichmäßigen und gerechten Zugang zum Covid-Impfstoff, habe Malawi zugesichert, zunächst Impfstoffe für 20 Prozent der Bevölkerung zu liefern. Und „tatsächlich kamen recht bald 360.000 Dosen – aber danach lange nichts mehr”, erinnert sich Schwenk. Anfang 2021 herrschte global eine riesige Nachfrage nach den Vakzinen, die zunächst nicht gestillt werden konnte. Irgendwann erhielt Malawi auch Impfspenden: „Das Problem ist aber, dass das relativ kleine Mengen sind, und die Impfstoffe zum Teil wenige Wochen später ablaufen”, sagt Schwenk.

 Der 30-jährige Hollyce Phewa hat seine zweite Impfdosis bekommen. Er will jetzt auch andere überzeugen, sich impfen zu lassen.
Der 30-jährige Hollyce Phewa hat seine zweite Impfdosis bekommen. Er will jetzt auch andere überzeugen, sich impfen zu lassen. Foto: Thoko Chikondi

Der Leiter des Unicef-Büros findet klare Worte: „Bevor hier annähernd eine kritische Masse geimpft ist, gehen im Westen schon die Booster-Dosen los. Das ist einfach nicht fair.”

Tatsächlich ist Malawi wie viele andere afrikanische Staaten bei der Vergabe von Impfstoff mehr oder weniger übergangen worden. Sieben Milliarden Impfdosen seien bislang weltweit verabreicht worden, aber nur 0,4 Prozent davon in Ländern mit niedrigen Einkommen, erklärte Tedros Adhanom Ghebreyesus, Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Nur 15 Prozent der zugesagten Impfstoffmenge sei bislang tatsächlich nach Afrika geliefert worden.

Dennoch gehe Gesundheitsexperte David Matseketse noch jeden Tag gern zur Arbeit, weil er sieht, dass die Impfungen etwas bringen: „Wir hatten große Angst, dass Corona ähnlich wie HIV viele Kinder als Waisen zurücklässt. Wenn die Eltern durch ihre Impfung jetzt die Corona-Infektion überleben, dann motiviert es mich, jeden Tag weiter mein Bestes zu geben.”

Für die kommenden Wochen ist eine Impfstofflieferung von bis zu 700.000 Dosen angekündigt – deshalb ist jetzt Eile geboten, damit auch genug Impfwillige dem Ruf folgen und keine Impfdosen verfallen. Dazu wird auch Hollyce Phewa beitragen: Er will dafür sorgen, dass sich sein Umfeld ebenfalls vor dem Virus schützt: „Jeder sollte sich impfen lassen“.

Zu wenig Impfstoff und Skepsis in der Bevölkerung: Unicef kämpft in der Corona-Pandemie an vielen Fronten und nimmt eine besondere Rolle ein. Unter den Folgen des Virus leiden auch die Kinder, die monatelang die Schule nicht besuchen konnten und jetzt mehr denn je von Armut gefährdet sind. Mit einer Spende von 132 Euro finanzieren Sie beispielsweise drei Sets an Ausrüstung zum Infektionsschutz für Gesundheitshelfer: „Malawi: Gebt den Kindern eine Zukunft!