Aachen: Der Aachener Karnevalsorden „Wider den tierischen Ernst”

Aachen: Der Aachener Karnevalsorden „Wider den tierischen Ernst”

Der Aachener Orden „Wider den tierischen Ernst” ist der wohl einzige Orden, der nicht für, sondern gegen (wider) etwas verliehen wird. Die karnevalistische Auszeichnung ist gleichzeitig ein bundesweit anerkannter Kulturpreis, der seit 1950 an Persönlichkeiten vergeben wird, die ihr Amt mit „Menschlichkeit und Humor” ausüben.

Im „Handbuch der Kulturpreise” des Bundesinnenministeriums steht nachzulesen: „Die Aachener haben es sich zum Ziel gesetzt, die Politik durch den Humor zu vermenschlichen. Das halten wir für eine kulturelle Tat.”

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs beging ein Brite die „Heldentat”, die später Anlass zur Ordensverleihung wurde: Militärstaatsanwalt James Dugdale gewährte während der britischen Besatzungszeit einem Sünder Haftverschonung, weil er den Rosenmontag für den „höchsten Feiertag” im Rheinland hielt. Das beeindruckte den Elferrat des 1859 gegründeten Aachener Karnevalsvereins derart, dass er beschloss, Dugdale einen Orden zu verleihen. Seitdem zeichnen die Karnevalisten prominente Persönlichkeiten für „Humor und Menschlichkeit im Amt” aus.

Prominente Träger des Ordens sind unter anderen Hans-Dietrich Genscher (FDP), Edmund Stoiber (CSU), Guido Westerwelle (FDP) und Friedrich Merz (CDU). Im vergangenen Jahr wurde der damalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) ausgezeichnet. Nach Überzeugung der Aachener Karnevalisten handelt es sich bei der Ordensverleihung um einen „närrischen Staatsakt”.

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