Region: Immer wieder neue Ziele: Aachenerin Vera Niemeyer schwimmt einen Weltrekord

Region: Immer wieder neue Ziele: Aachenerin Vera Niemeyer schwimmt einen Weltrekord

Ein ganzer Tag und eine Nacht — 24 Stunden eben. 24 Stunden lang im Wasser, 24 Stunden, in denen man sich nur auf Armzüge und Beinschläge konzentriert, auf die Atmung. 24 Stunden, in denen man auch gegen sich selbst und den inneren Schweinehund kämpft. 96,3 Kilometer legte Vera Niemeyer in diesen 24 Stunden zurück — das ist Weltrekord und zugleich einen Eintrag ins „Guinnessbuch der Rekorde“ wert.

Doch die 27-Jährige kann auch schneller und kürzer, wurde 2017 Bezirksmeisterin im Becken sowie Bezirks- und NRW-Meisterin im Freiwasser, wo sie auch DM-Silber in ihrer Altersklasse gewann. Damit und vor allem mit konstant guten Leistungen über viele Jahre im Becken hinweg punktete die Aachenerin bei der Wahl zur „Sportlerin des Jahres 2017“.

Ihr persönliches Highlight aus dem Sportjahr 2017? „Die 24 Stunden in Meiningen mit dem Rekord“, sagt Vera Niemeyer wie aus der Pistole geschossen. Doch warum quält man sich 24 Stunden lang im Wasser? „Es geht darum, persönliche Ziele zu erreichen“, erläutert die Psychologie-Studentin. „Ich schwimme seit 18 Jahren, da muss man sich immer wieder neue Ziele setzen, um die Motivation hochzuhalten oder neu zu entfachen.“ Ihre Ziele waren da in den vergangenen Jahren durchaus unterschiedlich.

Ursprünglich waren vor allem die Rückenstrecken die Paradedisziplin der in Würselen lebenden Aachenerin, 2016 konzentrierte sie sich — ebenfalls mit Erfolg — auf die 1500 Meter Freistil und die Wettbewerbe im Freiwasser. 2017 standen nun die 24 Stunden obenan. Ein Jahr zuvor hatte sie bei der Premiere der 24 Stunden in Aachen Blut geleckt. Mit 80 Kilometern unterbot sie beim ersten Versuch den deutschen Rekord gleich um neun Kilometer.

Für 2018 lautet ihr nächstes Ziel: 100 Kilometer in 24 Stunden. „Wie gesagt, man muss sich Ziele stecken“, begegnet Vera Niemeyer dem ungläubigen Kopfschütteln lachend. „In Meiningen hat ja nicht viel gefehlt, 2018 will ich das wieder anpeilen.“ 96,3 Kilometer in 24 Stunden — das ist eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 1:29 Minuten auf 100 Meter. Für weitere 3,7 Kilometer würde sie bei diesem Tempo aber noch rund 45 Minuten länger benötigen.

Was sie so an den 24 Stunden fasziniert? „Es ist ja nicht nur das Ausdauertraining, das ist ein Prozess des Ausprobierens, von der richtigen Technik, der Einteilung bis hin zur Ernährung. Da kommen ganz viele Kleinigkeiten hinzu — das macht Spaß.“

Doch wie übersteht man 24 Stunden im Wasser? „Am Anfang konzentriere ich mich auf meinen Rhythmus, meine Zwischenzeiten, plane, wann ich Nahrung und Getränke zu mir nehme. Das läuft alles nach einem sehr genauen Plan ab“, berichtet sie. Nur einmal stieg sie in Meiningen für gut 20 Minuten aus dem Wasser, ansonsten stoppte sie nur kurz am Beckenrand, um zu trinken und zu essen. „Wenn ich müde werde, beobachte ich die anderen Schwimmer, und dann singe ich im Kopf die Lieder mit, die in der Halle gespielt werden, um wieder gute Laune zu bekommen.“ „Aber“ — auch das gesteht sie sympathisch offen ein — „man muss schon etwas verrückt sein, um 96 Kilometer am Stück zu schwimmen.“ Wer ihr dabei zusehen möchte — am 13. Januar stehen die 24 Stunden in der Aachener Osthalle auf dem Programm.

Seit 18 Jahren hat Niemeyer ihr Herz an den Schwimmsport verloren. Sie begann beim Kohlscheider SV, war schnell erfolgreich. Wegen der besseren Trainingsbedingungen wechselte sie nach Düren, später zum Aachener SV 06. „Da hatte ich meine erfolgreichste Zeit, war unter anderem deutsche Jahrgangsmeisterin“, blickt die 27-Jährige zurück. 2009 ging sie mit einem Sportstipendium in die USA, wo sie ihren Bachelor in Psychologie machte. Ihr Studium setzt sie in Maastricht fort, will es im Sommer 2018 beenden. Inzwischen schwimmt sie — wieder unter Trainer Stefan Zehrer — für die SG Euregio Swim Team, einen Fusionsklub aus Kohlscheid und Herzogenrath.

Vera Niemeyer wird im Rahmen unserer Gala „Menschen 2017“ am 10. Januar in Aachen geehrt.