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Aachen: Professor Lutz Eckstein: „Ein Auto, das Unfallgegner abstößt”

Aachen : Professor Lutz Eckstein: „Ein Auto, das Unfallgegner abstößt”

Am liebsten würde Professor Lutz Eckstein (43) den Kindern im Hörsaal Audimax der Reihe nach alle Herren vorstellen, die in der Automobilgeschichte einen Namen haben. „Herr Otto, Herr Diesel, Herr Daimler”, zählt der Leiter des Instituts für Kraftfahrzeuge (ika) der RWTH Aachen drei Tage vor der Kinderuni drei Erfinder auf, die er in seinem Vortrag nur kurz nennen kann oder gar auslassen muss.

Dafür reicht eine Dreiviertelstunde Kinderuni nicht aus. Doch was am Ende der Vorlesung zählt, ist nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft. Schließlich sitzen vor ihm in den Reihen die Ingenieure von morgen. „Ich möchte bewusst machen, dass eigentlich jedes Kind Ingenieur werden kann, wenn es von Technik fasziniert ist”, sagt Eckstein. Über Ingenieure von gestern, heute und morgen sprach er vorab im Interview.

Was unterscheidet den Ingenieur von heute von dem vor 50 Jahren, Herr Professor Eckstein?

Eckstein: Vor 50 Jahren hat sich ein Ingenieur primär mit der Mechanik auseinandergesetzt. Die Elek-trik spielte eine untergeordnete Rolle und die Informatik kam gar nicht vor. Wenn man sich einen alten VW Käfer anschaut, beschränkt sich die Elektrik auf die Beleuchtung und den Anlasser. Das ist heute ganz anders geworden. Heute wirken mehrere Disziplinen zusammen: Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik. Zwar muss nicht jeder Ingenieur alles können, aber man muss zumindest verstehen, was die anderen Felder bedeuten und wie andere Disziplinen denken.

Früher konnte sich ein Ingenieur also auf weniger Tätigkeiten beschränken. Sind die alten Ingenieure die besseren Zeichner?

Eckstein: Das Kraftfahrzeug hatte eine erheblich geringere Komplexität. Das Zeichnen und Skizzieren spielte damals eine größere Rolle. Und auch das räumliche Denken. Ein guter Konstrukteur musste früher ein ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen haben. Heute wird dies durch Computerprogramme deutlich erleichtert. Dennoch muss man diese Fähigkeiten des Skizzierens stärker fördern, denn es wird effizienter, je besser man sich etwas räumlich vorstellen kann.

Wie sieht denn der Ingenieur von morgen aus?

Eckstein: Ein Ingenieur muss neugierig sein und offen für andere Disziplinen. Er sollte kreativ sein und Dinge aus unterschiedlichen Wissensbereichen verbinden. Und er sollte kommunikativ sein. Das Kraftfahrzeug ist heute so komplex, das kann man nicht mehr wie damals Ferdinand Porsche alleine bauen. Er kam mit einer kleinen Mannschaft aus. Heute ist die Fahrzeugentwicklung eine hochkomplexe Angelegenheit, die fordert viel Teamfähigkeit. Das sieht man allein an der Summe: Die Entwicklung eines neuen Fahrzeugs kostet etwa 1,5 Milliarden Euro.

Gibt es ein Detail, das Ihrem Auto fehlt, ein Detail, das Sie als Ingenieur gerne entwickeln würden?

Eckstein: Richtig fehlen? Nein so richtig fehlen nicht. Aber ich wünsche mir schon bestimmte Eigenschaften für mein Auto: Nämlich dass es Unfälle vermeidet, potenzielle Unfallgegner wie magnetisch abstößt. Eine Million Verkehrstote weltweit sind zu viel. Und ein Auto sollte emissionsfrei sein. Man könnte selbst beitragen zum Vortrieb, auch wenn das gerne belächelt wird.

Also etwa die Energie nutzen, die die Sportler im Fitnessstudio erzeugen, wenn Sie in die Pedale treten?

Eckstein: Ganz genau. Es ist paradox, dass man abends ins Fitnessstudio geht und morgens ins Auto steigt. Da könnte der Mensch auf dem Hinweg zur Arbeit elektrisch angetrieben fahren, damit er seinen Anzug nicht verschwitzt. Aber auf dem Rückweg könnte er selbst in die Pedale seines Kleinstfahrzeugs treten und hätte seinen Workout gehabt, wenn er zu Hause ankommt.

Gibt es noch ein Detail, das an Ihrem Auto in Zukunft nicht fehlen darf?

Eckstein: Das Fahrerlebnis muss erhalten bleiben. Es muss weiter Spaß machen zu fahren, es kann nicht sein, dass uns die Kontrolle über das Fahrzeug entzogen wird.

Wird sich das Elektroauto durchsetzen?

Eckstein: In den Innenstädten wird es eine große Rolle spielen, vor allem Elektroroller und elektrische Fahrräder wird man viel sehen und elektrische Busse. Die Elektro-Autos in den Ballungszentren werden vorwiegend Plug-in-Hybride sein, also Fahrzeuge, die 30 bis 40 Kilometer elektrisch fahren können, aber auch geeignet sind, um auf längeren Strecken mit alternativen Kraftstoffen zu fahren. In 20 bis 30 Jahren werden wir um eine Fußgängerzone herum eine Zone haben, in der man nur elektrisch fahren darf. Vielleicht wird es eine Gewichtsbeschränkung geben. Die EU hat bereits neue Fahrzeugklassen definiert, die in einer „400-Kilogramm-Zone” fahren könnten.

Liebe Kinder, für das abgelaufene Semester der Kinderuni verlosen wir drei Familienpakete für das Aquana Freizeitbad in Würselen. Ein Paket beinhaltet einen Tageseintritt in das Freizeitbad für zwei Erwachsene und zwei Kinder. Zusätzlich verlosen wir zwei Buchgutscheine im Wert von jeweils 20 Euro.

Teilnehmen kann jeder, der drei Teilnahmetempel in seinem Kinderuni-Ausweis hat. Bitte sendet die abgestempelten Ausweise des abgelaufenen Semesters bis zum 8. Juni 2012 an: Zeitungsverlag Aachen GmbH, Stichwort: Kinderuni Verlosung, Dresdener Straße 3, 52068 Aachen.

Nähere Informationen über die Teilnahmebedingungen zum neuen Kinderunisemester findet ihr unter www.az-web.de, www.an-online.de oder werktags von 8 und 18 Uhr telefonisch unter der Rufnummer 0241/5101722.