Aachen: Vier Wochen großes Programm zum Karlspreis

Aachen: Vier Wochen großes Programm zum Karlspreis

Die Zeiten sind wild, aber die Sicherheitslage ist entspannt: Wenn EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am 2. Juni den Karlspreis erhält, kann dies „sehr familiär” vor sich gehen, ohne die fast schon üblichen Bewachungs- und Abschirmmaßnahmen.

So jedenfalls Jürgen Linden, Sprecher des Karlspreisdirektoriums, der am Dienstag allerdings auch darauf hinwies, dass die Auszeichnung seit mehr als 20 Jahren nicht mehr in eine Zeit gefallen sei, die politisch dermaßen aufgeladen, spannungsvoll und unübersichtlich gewesen sei.

Als Beispiele fürs große Durcheinander nannte Linden: das Fortschreiten der Finanzkrise(n) mit dem Aufspannen immer neuer Rettungsschirme und dem Herabstufen der mächtigen USA durch die Rating-Agenturen; die möglichen Folgen der Atomkatastrophe in Japan; die Erhebungen in der arabischen Welt. Und die Tatsache, dass in vielen europäischen Ländern rechtspopulistische Parteien auf dem Vormarsch seien. In dieser schwierigen Gemengelage erwarte der Bürger von der „großen Politik” Antwort auf die Frage, wo das denn alles enden werde - freilich könne auf die Schnelle niemand eine solche Antwort liefern.

Wie gut, dass es auch in diesem Jahr das traditionelle Rahmenprogramm zum Karlspreis gibt, in dessen Verlauf zumindest versucht werden soll, Deutungs- und Lösungsansätze zu liefern. Kein Wunder also, dass zu den Schwerpunkten der insgesamt 40 Veranstaltungen die Themen „Europapolitik” und „Wirtschafts- und Währungsunion gehören”.

„Politische Plattform”

Bei der Präsentation des Programms sagte OB Marcel Philipp, es bilde auch im 20. Jahr seiner Existenz die nicht mehr wegzudenkende „politische Plattform” rund um die eigentliche Preisverleihung, mit vielen Angeboten auch im kulturellen Bereich. Vom 5. Mai bis zum Tage Christi Himmelfahrt folgt ein Termin dem anderen. Gleich der erste Vortrag (am 6. Mai um 18.30 Uhr im Ratssaal) hat es in sich: „Wie stabil ist der Euro?”, fragt Ansgar Beilke, Experte für Internationale Makroökonomie aus Berlin.

Prominente Gastredner

Zu den Gastrednern gehören unter anderem Peer Steinbrück, Alexander Graf Lambsdorff, Hans-Gert Pöttering, Martin Schulz, Günter Verheugen und Adolf Muschg. Natürlich gibt es auch eine Veranstaltungsreihe zum Heimatland Trichets, samt Filmvorführungen sowie musikalischen und literarischen Angeboten. Bernd Vincken, Geschäftsführer der Karlspreisstiftung, pries den Einsatz der Volks- und Raiffeisenbanken, die das ganze Karlspreisgeschehen in vorbildlicher Weise förderten. Dazu gehört auch die Organisation des großen Forums am Vortag der Preisverleihung, das Jahr für Jahr wichtige Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien zum Ratschlag versammelt.

Alle Termine des Rahmenprogramms mit seinen Ausstellungen und Konzerten, Filmen, Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen findet man im Internet unter http://www.aachen.de/karlspreis und in Form einer Broschüre an allen öffentlichen Auslagestellen der Stadt.

Katschhof: Zwei Tage lang geht es rund

Zur festen Tradition am Vorabend der Preisverleihung gehört das Open-Air-Fest auf dem Katschhof. Um 18.30 Uhr geht es am Mittwoch, 1. Juni los, mit von der Partie sind die fünfköpfige A-cappella-Band Mit ohne Alles und Senor Torpedo - die sechs Musiker versprechen auch diesmal wieder die ultimative Party. Gegen 19.30 Uhr wird Preisträger Jean-Claude Trichet zu einer Stippvisite erwartet.

Am nächsten Tag geht es an gleicher Stelle weiter, die musikalischen Darbietungen beginnen gegen 13 Uhr. Mitwirkende sind La Fille du Nord (die belgische Sängerin Romy Conzen), der Chor Scala & Kolacny Brothers, das Ensemble einKlang sowie die Bands The Seed, The Cowbar und Ton. Auch die Showtanzgruppe der KG Eulenspiegel, Crazy Diamonds, hat ihren Auftritt.

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