Aachen: Spanier gewinnen den Jugendkarlspreis 2013

Aachen : Spanier gewinnen den Jugendkarlspreis 2013

Er hat nichts erwartet und am Ende stand er als Sieger da. Luis Alvarado Martinez ist der Gewinner des Karlspreises für die Jugend. Sein Land: Spanien. Sein Thema: Europe on Track, was so viel bedeutet wie Europa auf dem richtigen Weg.

„Ich bin sehr glücklich. Es ist schön, dass die harte Arbeit der vergangenen Monate Anerkennung bekommt“, sagt der 19-Jährige schüchtern und grinst, so dass man seine Zahnspange erkennen kann. Alvarado Martinez ist jung — und steht repräsentativ für all die anderen jungen Menschen, die Dienstag in die Aula der RWTH Aachen gekommen sind.

Für das Siegerprojekt Europe on Track sind viele junge Menschen quer durch Europa gereist, waren in 38 Städten unterwegs, Alvarado Martinez war der Koordinator. Sie haben sich gemeinsam Gedanken darüber gemacht, wie ein künftiges Europa aussehen kann. Haben per Videos, Bilder und Blogs miteinander kommuniziert. Das Ergebnis ist ein klares Statement, das Alvarado Martinez direkt an Brüssel und sein europäisches Wirtschaftsprogramm 2020 richtete. „Wir wollen den Politikern zeigen: Schaut, so sieht Europas Jugend die Zukunft. Und das ist, was wir zur Gestaltung dieser Zukunft brauchen.“

Hinter den Teilnehmern liegt eine aufregende Zeit. Erst am Montag kamen sie in Aachen an, um dann direkt vor die Videokamera zu treten. Mit einer kurzen Videobotschaft stellte sich jedes Projekt vor. Um den Gewinn des Jugend-Karlspreises hatten sich 300 Initiativen aus ganz Europa beworben.

27 wurden schließlich — stellvertretend eine für jedes EU-Mitglied — in nationalen Wettbewerben ausgewählt und ins Rennen geschickt. Die Preisträger freuen sich über insgesamt 10.000 Euro. Der zweite Platz ging an Polen. Bei „Discover Europe“ haben Studenten Europa mit der Fotokamera entdeckt. Dritter wurde Estland. „The Story of my Life“ (Geschichte meines Lebens) brachte zwei estnische Seniorengruppen mit einer internationalen Gruppe junger Menschen zusammen. Dabei tauschten die Generationen Lebenserfahrung und Ansichten aus.

Aber die Teilnehmer vereint doch eines: der Glaube an ein gutes, vielleicht sogar besseres Europa. Dass das mehr wert sein kann als jeder Preis, griff Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, schon zu Beginn der Veranstaltung auf. „Ihr seid das Europa des 21. Jahrhunderts. Und wir Politiker brauchen euren Optimismus.“ Er erlebe, dass die Menschen Zweifel an Europa haben. „Der Friede ist noch da, aber die Solidarität lässt nach.“ Da kommt ein solches Projekt aus Spanien gerade recht, weil es Optimismus verbreitet.

Und weil seine Initiatoren — obwohl es in Spanien genug Probleme wie die hohe Jugendarbeitslosigkeit gibt — nicht mit dem Finger auf andere zeigen und sagen: Ihr seid Schuld, holt uns aus der Krise heraus. Im Gegenteil, die jungen Spanier glauben an Europa und bieten mit Europe on Track eine Art Hilfe zur Selbsthilfe. Zum Beispiel, indem man sich selbstständig macht, Unternehmer wird.

In den vergangenen Jahren haben die Menschen viel Vertrauen in Europa verloren. Vielleicht gelingt es den jungen Europäern, dieses Vertrauen wiederherzustellen. Luis Alvarado Martinez ist gewissermaßen on Track, auf dem richtigen Weg.