Aachen: Karlspreisträger Trichet wirbt für Stärkung der europäischen Institutionen

Aachen: Karlspreisträger Trichet wirbt für Stärkung der europäischen Institutionen

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hat sich für eine Stärkung der Europäischen Institutionen ausgesprochen.

„Das bisher Erreichte in der Wirtschafts- und Währungsunion wurde durch die starken Institutionen der Währungsunion ermöglicht”, sagte Trichet am Donnerstag in Aachen. Um allerdings die anstehenden Herausforderungen bewältigen zu können, müssten diese Institutionen mit weiteren Handlungsmöglichkeiten ausgestattet werden. Trichet wurde in Aachen mit dem Internationalen Karlspreis geehrt.

Mit der Auszeichnung werde der Einsatz Trichets für einen stabilen Euro und den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit des Europäischen Binnenmarktes gewürdigt, hieß es zur Begründung.

Der EZB-Präsident wiederholte seine Forderung nach einem verschärften Umgang mit hoch verschuldeten Euro-Ländern. In einem ersten Schritt sollten sie finanziell unterstützt werden, damit sie selbst Korrekturen vornehmen könnten, argumentierte Trichet. So könne ein Übergreifen von Krisen auf andere Länder vermieden werden.

Falls diese Maßnahmen erfolglos blieben, regte Trichet einen direkten Einfluss der Euro-Institutionen auf die Wirtschaftspolitik des betroffenen Landes an, falls sich dessen Wirtschaftspolitik als nachhaltig schädlich erweist. Dies ginge weit über die derzeit geplante Überwachung hinaus, räumte Trichet ein, der sich der politischen Vorbehalte gegen seine Vorschläge wohl bewusst ist. So könne er sich ein Vetorecht der EU-Gremien gegen wichtige Haushaltsentscheidungen des betroffenen Landes vorstellen.