Aachen: Jugendkarlspreis: Mut zu drängenden Fragen ausgezeichnet

Aachen: Jugendkarlspreis: Mut zu drängenden Fragen ausgezeichnet

Im Schatten des „großen“ Karlspreises müssen sich Guis-cardo Urso, Charikleia Blougoura und Tillmann Heidelk nicht verstecken. Das bewiesen die jungen Preisträger bei der neunten Verleihung des Europäischen Jugendkarlspreises, die am Dienstagabend besonders feierlich ausfiel.

Weil der Karlspreis an Papst Franziskus im Vatikan verliehen wird, zog die Preisverleihung des „kleinen Bruders“ von der Aula der RWTH in den historischen Krönungssaal des Aachener Rathauses. Ein Ort, an dem sich die jungen Europäer nicht nur nach Ansicht von Michael Jansen mit stolzer Brust behaupten konnten. „Die europäische Jugend ist endlich dort angekommen, wo sie hingehört“, sagte der Vorsitzende der Karlspreisstiftung weiter.

Denn in Zeiten, in denen die Mächtigen Europas von einer Krisensitzung zur nächsten hetzen, in denen die Globalisierung von vielen als bedrohlich und der Nationalismus als vermeintlich sicherer Rückzugsort empfunden wird, muss gerade auch die junge Generation den Geist Europas aufrechterhalten. „Sie kämpfen für Europa, und das in stürmischen Zeiten“, sagte EU-Parlamentspräsident und Karlspreisträger von 2015, Martin Schulz.

So ist es nur folgerichtig, dass sich der Sieger des Europäischen Jugendkarlspreises einer der drängendsten Fragen Europas widmet: der Flüchtlingskrise. Die italienische Jugendinitiative mit dem Namen Integreat entstand als Reaktion auf die größte Herausforderung, vor der Europa nach Ansicht von Martin Schulz steht.

Hunderte Freiwillige aus ganz Europa unterstützen verschiedene Organisationen bei ihrer Integrationsarbeit, und zwar dort, wo es besonders wichtig ist: vor Ort bei den Menschen, mit dem Ziel, voneinander zu lernen. Guiscardo Urso brachte als Vertreter von Integreat das Anliegen der Freiwilligen auf den Punkt: „Interkulturelle Verständigung ist der Schlüssel, um Konflikte zu vermeiden.“

Solidarität und Humanität in schwierigen Zeiten, das war das bestimmende Thema des Abends. Der Appell von Martin Schulz an die Anwesenden war deutlich: „Es ist höchste Zeit, dass wir uns als überzeugte Europäer erheben und für unser Europa kämpfen.“ Auch wenn einige Spitzenpolitiker Europas sie anscheinend mitunter vergessen hätten, so zeige das Engagement und die Energie zahlreicher junger Menschen, dass die Werte Europas nach wie vor Gültigkeit haben.

Sei es im Rahmen von Ursos Initiative Integreat oder in denen seiner Mitstreiter Charikleia Blougoura und Tillmann Heidelk, die den zweiten und dritten Platz des Jugendkarlspreises mit ihren Projekten aus Griechenland und Großbritannien belegen. Schulz‘ Prognose war am Dienstag angesichts der mehr als 320 Projekte, die sich um den Jugendkarlspreis beworben hatten, eindeutig: „Beim Gedanken um die Zukunft Europas ist mir nicht bange.“ Auch wenn das Echo der Aachener bei der anschließenden Feier auf dem Markplatz verhalten blieb: Die Wertschätzung und Aufmerksamkeit für ihre kreativen Projekte war den jungen Menschen zumindest im Krönungsaal sicher.

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