Bonn: Kommunionsstreit endet mit „typisch katholischem” Kompromiss

Bonn : Kommunionsstreit endet mit „typisch katholischem” Kompromiss

Die deutschen Bischöfe haben in ihrem Kommunionsstreit einen Kompromiss erzielt. Sie veröffentlichten am Mittwoch das umstrittene Dokument, das unter bestimmten Bedingungen protestantische Ehepartner zur katholischen Kommunion zulässt. Noch Anfang dieses Monats hatte sich Papst Franziskus gegen eine solche Veröffentlichung ausgesprochen.

Die Bischöfe kommen ihm nun entgegen, indem sie ausdrücklich klarstellen, dass die Orientierungshilfe kein offizieller Beschluss-Text der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) ist. Jeder einzelne Bischof entscheidet selbst, ob er die Handreichung in seiner Diözese in Kraft setzt. Der Kompromiss konnte so auch von den sieben konservativen Bischöfen mitgetragen werden, die sich zuvor unter Federführung des Kölner Kardinals Rainer Woelki beim Papst beschwert hatten.

„Es ist ein typisch katholischer Kompromiss”, sagte der Kirchenrechtsexperte Thomas Schüller der Deutschen Presse-Agentur. Was in Deutschland nun drohe, sei ein Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen. „In der Mehrzahl der Diözesen werden wir die gute Praxis haben, dass Menschen im Einzelfall zugelassen werden können, während das in anderen Diözesen nicht so ist.” Die sieben Konservativen würden den Leitfaden in ihren Diözesen vermutlich nicht mittragen.

Anfang dieses Monats hatte der Papst den Vorstoß der deutschen Bischöfe zunächst noch gestoppt. Franziskus sei der Auffassung, dass die Orientierungshilfe „nicht zur Veröffentlichung reif” sei, hatte der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria, mitgeteilt. In der vergangenen Woche erläuterte der Papst dann aber, er wolle die Bemühungen um die Ökumene keinesfalls bremsen. Wichtig sei ihm, dass der Leitfaden nicht als offizieller Text der Bischofskonferenz verstanden werde. Der Papst befürchtet offenbar, dass dies dann zuviel Gewicht hätte und in die gesamte Weltkirche ausstrahlen würde.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zeigte sich erfreut darüber, dass der Leitfaden nun „nach manchen Wirren und Wegen” doch noch veröffentlicht worden sei. Nicht ohne Süffisanz fügt die EKD hinzu: „Man ist geneigt, von einem kleinen Schritt in der Ökumene, aber einem großen Schritt für die katholische Kirche zu sprechen.” Umgekehrt erlaube es die katholische Kirche ihren Mitgliedern weiterhin nicht, am evangelischen Abendmahl teilzunehmen. Das schmälere aber die neue Regelung nicht, betonte die EKD.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, äußerte sich „sehr erleichtert” über die Veröffentlichung der Handreichung. Er hoffe, dass sich nun möglichst viele Bischöfe daran orientierten. In der Praxis gehen protestantische Ehepartner in der katholischen Messe seit langem mit zur Kommunion. Wegen der vielen konfessionsverschiedenen Ehen ist das Thema in Deutschland, dem Geburtsland der Reformation, besonders präsent.

(dpa)
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