Sie sorgen sich um Plastik? Dann sollten Sie das wissen

Gesunde Umwelt : Sie sorgen sich um Plastik? Dann sollten Sie das wissen

Wie schädlich ist Plastik für mich und die Umwelt? Und was darf ich noch verwenden? Das Thema Kunststoff wirft viele Fragen auf. Hier lesen Sie alles, was Sie wissen müssen.

Fast überall wird heutzutage Plastik verwendet. Viel davon landet im Müll. Bestenfalls wird das Plastik recycelt, schlimmstenfalls landet es in der Natur, im Meer oder in Drittländern. Hier sind neun Fragen, die Sie sich schon immer über Plastik gestellt haben.

Wo verbrauchen wir am meisten Plastik?

Mit Abstand am meisten Plastik wird in Deutschland für Verpackungen verwendet. Die machen 33 Prozent des Gesamtverbrauchs aus, noch vor dem Bauwesen und elektronischen Geräten. Das berichtet der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in seiner Broschüre „Achtung Plastik! Chemikalien in Plastik“. Vieles ist mittlerweile in Plastik verpackt. Egal ob die Gurke im Supermarkt, das neue Shirt aus dem Internet oder die Medikamente aus der Apotheke. Unverpackt-Läden versuchen, diesem negativen Trend entgegen zu wirken.

Wie viel Plastik verbrauchen wir?

In Deutschland werden laut Umweltbundesamt jedes Jahr rund 18,7 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle verbraucht. Davon bestehen rund 17 Prozent aus Kunststoff. Die Hälfte davon wird wiederverwertet. Die andere Hälfte wird verbrannt oder in Drittländer verschickt.

Wie viele Kaffeebecher landen im Plastikmüll?

In Deutschland landen jedes Jahr rund 2,8 Milliarden Coffee-To-Go Becher im Mülleimer. Das sind rund 7,6 Millionen pro Tag, 320.000 pro Stunde und knapp 34 Einwegbecher pro Person jährlich. Das geht aus Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe hervor. Nicht nur, dass die Becher die Mülleimer und Straßen verschmutzen, auch die dafür verwendeten Ressourcen könnten besser genutzt werden. Denn für die Herstellung wird viel Holz, Wasser und Energie benötigt. Die jährlich verwendete Energie für die Herstellung der Kaffeebecher könnte schon eine Kleinstadt mit Energie versorgen, sagt die Deutsche Umwelthilfe.

Welche Auswirkungen hat Plastik auf den Menschen?

Viele Chemikalien, die zur Herstellung von Kunststoffen eingesetzt werden, sind giftig und gesundheitsschädlich, wie der BUND berichtet. Besonders die Zusatzstoffe sind gefährlich: sie sind nicht fest im Plastik gebunden und können mit der Zeit entweichen. Diese Zusatzstoffe enthalten Substanzen, die ins Hormonsystem eingreifen. Und das kann Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Verbraucher sollten auf die Angaben auf einem Produkt achten.

Rolf Buschmann, Experte für Plastik beim BUND, unterstreicht das: «Oft ist nicht der Kunststoff selbst schädlich, sondern die darin enthaltenen Zusatzstoffe und Weichmacher.» Seiner Einschätzung nach sind Lebensmittelverpackungen in Deutschland aber relativ sicher.

Welche Plastikprodukte werden verboten?

Die Europäische Union hat im März 2019 dafür gestimmt, bestimmte Einweg-Plastikprodukte ab 2021 zu verbieten. Davon sind nur Produkte betroffen, die leicht ersetzbar sind und zu über 70 Prozent des im Meer schwimmenden Plastiks ausmachen. Dazu zählen Wattestäbchen, Teller, Besteck und Strohhalme aus Plastik.

Was ist mit recyceltem Kunststoff?

Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe befürwortet recycelten Kunststoff. Hier können sich Verbraucher an Siegeln orientieren: Mit dem Blauen Engel werden Verpackungen ausgezeichnet, die einen Recycling-Anteil von mindestens 80 Prozent haben.

Der Naturschutzbund Deutschland setzt sich dafür ein, noch mehr Kunststoff zu recyceln und fordert mehr Einsatz für den Umweltschutz. Auf seiner Website gibt es auch weitere Informationen zum Kunststoff-Recycling.

Was ist mit Plastik-Alternativen wie Bambus?

Bambus-Alternativen werden gern als ökologisch bessere Alternativen verkauft. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sind sie dennoch nicht die beste Wahl. Zwar bestehen diese Mehrwegbecher oder Brotzeitboxen aus einem nachwachsenden Rohstoff, aber nur zum Teil.

Daneben werden auch Kunststoffe wie Melaminharze verarbeitet, die gesundheitlich bedenklich sind. Wird das Geschirr stark erhitzt, was beim Einfüllen von heißen Getränken in einen Mehrwegbecher vorkommt, können sich die Kunststoffe lösen und in die Lebensmittel übergehen.

Wie kann ich Plastik entsorgen?

In Deutschland gibt es für die Plastikentsorgung den gelben Sack. Aber nicht alles, was aus Plastik ist, gehört hinein. Zahnbürsten und Kugelschreiber gehören zum Beispiel in den Restmüll und große Kunststoffprodukte in den Restmüll oder den Wertstoffhof.

In den gelben Sack dürfen Sie alle Verpackungen aus Kunststoff werfen. Laut dem Entsorger-Unternehmen Grüner Punkt gehören dazu Folien, Plastiktüten, Shampooflaschen, Coffee-To-Go-Becher, Tetrapacks und Nudeltüten.

Wenn Sie Bio-Plastik verwenden, sollten Sie sich vorher genau informieren, ob Ihr kommunaler Entsorger diese als Plastik- oder Bio-Müll verarbeitet.

Wie kann ich Plastik einsparen?

Um im Alltag weniger Plastik zu verbrauchen, gibt es viele Möglichkeiten. Beim Einkaufen etwa einen Stoffbeutel verwenden. Glas statt Plastik zu verwenden ist ebenfalls ein gutes Motto. Verbraucher können im Bad recht einfach bei der Grundausstattung auf Plastik verzichten. Unsere Volontärin Anke Capellmann hat im Selbstversuch getestet, ob sie es schafft, sieben Tage ohne Plastik auszukommen.

Der Plastikatlas - Daten und Fakten zu einer Welt voller Kunststoff

Achtung Plastik! - Chemikalien in Plastik

Abschlussbericht Verpackungsabfälle 2017 des Umweltbundesamtes

Coffe to go-Einwegbecher - Umweltauswirkungen und Alternativen

Recycling-Tipps vom Nabu

Übersicht zum Thema Plastik der Deutschen Umwelthilfe

Kurzübersicht zu Bio-Kunststoffen der Zeitschrift Ökotest

Ideensammlung und Mitmachaktion zum Plastikverzicht des BUND

(dpa)