Aachen: Solidarische Grüße aus Aachen: Polnische Arbeiter kämpfen gegen LG

Aachen : Solidarische Grüße aus Aachen: Polnische Arbeiter kämpfen gegen LG

Den Karlspreis nehmen die ehemaligen Mitarbeiter der LG.Philips Glasfabrik in Aachen, organisiert in der Orga LG.Philips, zum Anlass, solidarische Grüße an ihre Kollegen in Biskupice Podgorne in Polen zu senden.

Mitunterzeichnet ist das Schreiben von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung Aachen-Stadt, die die immer noch um ihr Geld und Recht kämpfenden Beschäftigten der Glasfabrik unterstützt. Diese war, wie berichtet, am 27. Januar 2006 insolvent gemeldet worden, 380 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. „Während die Mutter Philips ihrer sozialen Verantwortung zum Teil gerecht wurde, weigerte sich LG, die von den Mitarbeitern vertraglich zur Sicherung des Standortes erbrachten Leistungen bis heute zu erstatten.”

Insgesamt acht Millionen Euro waren durch Mehrarbeit, Gehaltskürzungen oder Kürzungen des Weihnachtsgelds als Arbeitnehmerkredit aufgebracht worden.

„Eure Streikaktion und Euer Widerstand ist eine richtige und wichtige Antwort auf das Agieren des LG-Konzerns”, heißt es in der Grußbotschaft. Bereits drei Wochen nach der Schließung des Aachener Werks hätten die Arbeiten für die neue Fabrik in Polen, in dem LCD-Bildschirme gefertigt werden, begonnen, nachdem LG kostengünstig Land sowie Steuerbefreiungen vom polnischen Staat erhalten habe, außerdem seien 100 Millionen Euro aus Brüssel für das Projekt in der Nähe von Breslau bewilligt worden.

In kurzer Zeit habe es in dem Werk zwei tödliche Arbeitsunfälle gegeben. „Die Beschäftigten beschreiben einen skandalösen Arbeitsschutz; die Löhne schwanken um 1000 Zlotys (ca 250 Euro), und dies bei einem zehnstündigen Arbeitstag”, schreiben KAB-Sekretär Andris Gulbins und Detlef Königs (Orga).

Ende April hätten die Arbeiter beschlossen, sich gegen die Verlängerung der täglichen Arbeitszeit auf zehn Stunden zu wehren, außerdem Schutzkleidung und Pausen zu fordern, 200 seien nach acht Stunden in den Streik getreten und hätten postwendend die Kündigung erhalten. 130 hielten weiter durch. Erhöht werde der Druck dadurch, dass LG.Philips den Antrag gestellt habe, Arbeiter aus Asien zu beschäftigen.

Weiter heißt es: „In Aachen wird in diesen Tagen wieder die Verleihung des Karlspreises vorgenommen und Europa gefeiert. Arbeitnehmer jedoch erfahren, dass sie zu den Verlierern in Europa gehören, denn ihr Recht auf Arbeit und menschenwürdiges Leben und Einkommen steht nicht auf der tagespolitischen Agenda der Europapolitik.”