Aachen: Sind bei Volkszählern auch Rechte dabei?

Aachen: Sind bei Volkszählern auch Rechte dabei?

Man stelle sich vor, es ist Volkszählung, und die Fragen stellt ein Mann von der NPD. Völlig abwegig? Nicht ganz.

Schließlich haben die Ultrarechten nicht nur vor einigen Monaten auch in NRW ihre Anhänger dazu aufgerufen, sich als „Erhebungsberechtigte”, also Interviewer, zu bewerben, sondern geben jetzt auch eine Art Erfolgsmeldung heraus: Rund 20 Mitglieder und Sympathisanten hätten es landesweit geschafft, als „nationale Zensushelfer” angenommen zu werden, teilte die NRW-NPD am Mittwoch mit. Dies würde reichen, „um unsere nationale Marktforschung durchzuführen”, heißt es in der Mitteilung. Noch drastischer hatte seinerzeit der Aufruf in Sachsen geklungen: So könne man auch „Eindrücke von den persönlichen Lebensverhältnissen des einen oder anderen ?Antifaschisten bekommen”, erklärte die dortige NPD.

Beides wäre zweifellos rechtswidrig, betont Rita Klösges vom Presseamt der Stadt Aachen, welche den „Mikrozensus 2011” für die gesamte Städteregion vorbereitet: „Die erhobenen Daten dürfen auf keinen Fall zu anderen Zwecken verwendet oder missbraucht werden.” Dass dies aber schwer zu kontrollieren ist, räumt die Stadtsprecherin auch ein.

Bloß: Große Sorgen muss man wohl trotzdem nicht haben, dass im Mai ein Rechtsradikaler an der Tür klingelt und im öffentlichen Auftrag Privates wissen will. Es sei nichts darüber bekannt, dass NPD-Mitglieder in der Städteregion versucht hätten, sich unter die Interviewer zu mischen, sagt Klösges. Rund 800 Erhebungsberechtigte habe man für die hiesige Befragung von etwa 40.000 Bürgern ausgewählt und zum großen Teil auch schon geschult. Dabei habe man erfahrene Kollegen eingesetzt, die in Gesprächen geprüft hätten, ob die Bewerber vertrauensvoll, verlässlich und verschwiegen seien. Dass das eine rechtsradikale Unterwanderung nicht restlos ausschließt, weiß auch Klösges. „Aber da muss man sich manchmal auch auf das Bauchgefühl verlassen.”

Falls dies im Einzelfall dennoch versagt haben sollte, kann der befragte Bürger aber auch noch selber aktiv werden. Wem der Interviewer verdächtig vorkommt, der kann ihm kurzerhand die Tür weisen, bestätigt Klösges: „Den Fragebogen kann man auch selber ausfüllen und der jeweiligen Erhebungsstelle zuschicken.”

Interviewer gesucht

Noch werden übrigens einige Interviewer gesucht. Interessenten müssen zuverlässig und verschwiegen sein, gute Deutschkenntnisse haben und mindestens 18 Jahre alt sein. Sie können sich bei Jörg Schläger von der Stadt Aachen bewerben, 0241/432-1244, E-Mail: joerg.schlaeger@mail.aachen.de .

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