Heinsberg/Hückelhoven/Geilenkirchen: Sie sind die besten Azubis ihres Fachbereichs in NRW

Heinsberg/Hückelhoven/Geilenkirchen: Sie sind die besten Azubis ihres Fachbereichs in NRW

Eine Ausbildung erfolgreich abzuschließen ist für viele junge Menschen ein wichtiges Etappenziel in ihrer beruflichen Laufbahn. Manchmal gelingt das einzelnen Auszubildenden so gut, dass Ausbilder und Prüfer nur noch staunen können. So war es auch bei Inessa Horst aus Millich und Valerie Horsten aus Randerath. In ihrem jeweiligen Fachgebiet sind sie als beste Auszubildende ihres Jahrgangs in Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden.

Für Inessa Horst war es ein großer Wunsch, eine Ausbildung zu machen. Aber bis dahin war es für sie ein langer Weg. Die 37-Jährige kam mit 20 Jahren aus Kasachstan nach Deutschland, weil ihr Mann Spätaussiedler ist. Dafür hatte sie ihr Psychologiestudium abgebrochen. Sie sprach damals kein Wort Deutsch. Und als ihr Sohn 2003 zur Welt kam, wollte sie zuerst mal für ihn da sein. Als er in die Schule kam, nutze sie die neu gewonnene Zeit, um in der Easy-Apotheke in Ratheim an der Kasse zu arbeiten.

Ausgezeichnete Azubis: Inessa Horst (l.) und Valerie Horsten (r.) wurden nach ihren Ausbildungen zur Pharmazeutisch-Kaufmännischen Angestellten bzw. Zahnmedizinischen Fachangestellte als Beste in NRW geehrt. Foto: Kristina Toussaint, Daniel Gerhards

Das wurde ihr aber nach zwei Jahren zu langweilig. Also bewarb sie sich dort um eine Ausbildungsstelle als Pharmazeutisch-Kaufmannische Angestellte. Fortan kümmerte sie sich um das Sortiment der Apotheke, um die Beziehungen zu Pharma-Firmen und die Präsentation der einzelnen Produkte. „Pharmazeutisch-Kaufmännische Angestellte sorgen dafür, dass alles läuft“, sagt sie.

Für sie war es ein großer Schritt, eine Ausbildung zu beginnen. „Ich habe mich lange nicht getraut, weil ich dachte, dass mein Deutsch nicht so gut ist. Und ich war ja auch nicht mehr ganz jung“, sagt sie. In der Ausbildung merkte sie aber schnell, dass alles viel besser funktionierte, als sie vorher gedacht hatte. Am Ende verkürzte sie ihre Ausbildung sogar um ein halbes Jahr und schloss als Beste in NRW ab. „Es ist nie zu spät, etwas anzufangen“, sagt sie. Den Mut, den ersten Schritt zu machen und ihr Leben positiv zu verändern, wünsche sie auch anderen Leuten.

Dabei ist sie froh, dass sie in der Ausbildung gleich viel Verantwortung bekommen habe. „Ich bin dankbar, dass ich in der Ausbildung vieles selber machen durfte. Ich durfte meine Ideen umsetzen“, sagt Inessa Horst. Mit Zahlen umgehen, logisch denken, alle Seiten berücksichtigen und Abläufe optimieren — das liegt ihr.

Außerdem sucht sie immer wieder neue Herausforderungen. Und nach ihrer Ausbildung hat sie gleich eine neue Aufgabe übernommen: Sie wechselte in die Apotheke des Städtischen Krankenhauses Neuss. Und wieder war so vieles neu für sie. „Das kann man nicht mit der Arbeit in einer öffentlichen Apotheke vergleichen“, sagt Inessa Horst. Ihre Kunden sind nun die Stationen, andere Krankenhäuser und Rettungsdienste. Sie arbeitet nun mit riesigen Mengen von Medikamenten und muss manchmal sehr schnell die Bestandteile für Krebsmedikamente besorgen. Dabei wird ihr auch klar, wie auf der Welt doch vieles zusammenhängt. „Als mal ein Werk in China in die Luft geflogen ist, haben wir einen Wirkstoff nicht bekommen, der dort produziert wurde. Dann mussten wir uns um eine Alternative kümmern“, sagt sie. Es gebe eben Hunderte Dinge zu beachten.

Vielseitiger als man denkt ist auch der Job der Zahnmedizinischen Fachangestellten. Dass manche den Job von Valerie Horsten als „Zahnarzthelferin“ abtun, ist kein Wunder, schließlich schließen viele Patienten möglichst schnell die Augen, wenn sie auf dem Behandlungsstuhl mit zig Instrumenten auf ihren Mund zusteuert. Valerie Horsten kann das Desinteresse aber nicht verstehen: Schon von klein auf hat die Zahnarztpraxis sie fasziniert. Anfang des Jahres hat sie ihre zweijährige Lehre abgeschlossen. Valerie Horsten ist die erste, die in der Gemeinschaftspraxis von Jan Saxe und Kathrin Bongartz in Geilenkirchen ausgebildet wurde — und hat die Ausbildung gleich als Landesbeste ihres Fachs abgeschlossen.

Ihre Praxis wird aber wohl bald auf sie verzichten müssen: Die 24-Jährige hofft auf einen Studienplatz für Zahnmedizin. „Ich bin ein Fan der Oralchirurgie“, sagt Valerie Horsten. „Anders als in vielen anderen Praxen hatte ich das Glück, hier auch in diesen Bereich hineinschauen zu können.“ Weisheitszahn- oder Paradontitisbehandlungen und das Setzen von Zahnimplantaten kennt sie bereits. Da müsse man viel planen, koordinieren und vorbereiten. „Es macht mir Spaß, viel zu organisieren und den Überblick zu haben“, sagt sie. In Zukunft würde sie aber gern „auf die andere Seite des Stuhls“ wechseln und die Behandlungen als Ärztin ausführen.

Auch wenn man bei der Zahnärztekammer Nordrhein aktuell noch keine großen Nachwuchssorgen habe, mache sich der Fachkräftemangel auch in den Zahnarztpraxen bemerkbar, sagt Ausbildungsleiterin Liane Wittke. Was viele abschrecke, sei die nicht unbedingt überragende Bezahlung. „In der Berufstätigkeit nach der Ausbildung ist die Bezahlung oft leistungsabhängig.“

Valerie Horsten plant, sich in der Zeit bis zum Studienbeginn neben ihrer Arbeit in der Praxis zur Dentalhygienikerin fortzubilden. Aufgrund ihrer guten Leistungen hat sie von der Zahnärztekammer ein Stipendium erhalten. Für ihr herausragendes Ergebnis in der Abschlussprüfung hat sie aber nicht viel pauken müssen, sagt Horsten. „Wenn ich mich für etwas interessiere, fällt mir das Lernen relativ leicht. Ich habe viel Fachliches freiwillig gelesen.“ Belohnt wurde das mit einem sehr guten Ergebnis in der schriftlichen und sagenhaften 98 Prozent in der mündlichen Prüfung.

In der (Zahnarzt-)Praxis zählt aber nicht allein die Theorie: „Man muss mit Patienten umgehen können, die Schmerzen haben, und mit einem Team auf kleinstem Raum zusammenarbeiten“, sagt Wittke. „Es ist einfach wichtig, mit den Menschen zu sprechen“, meint auch Horsten. Besonders Kinder seien oft nervös, ließen sich von ihr aber meist gut beruhigen.

Am liebsten möchte Horsten in Aachen studieren. Sie wohnt in Randerath in einer Wohnung im Haus der Eltern, wo ihre Husky-Dame Nuka einen großen Garten zum Toben hat.