Region: Selbstversuch: Wie Brennball, nur komplizierter und anstrengender

Region : Selbstversuch: Wie Brennball, nur komplizierter und anstrengender

Nach so viel Theorie zum Verein und zum Sport in Deutschland generell braucht es ein bisschen Praxis: Zwei Stunden war ich beim regulären Baseball-Training der Aachener Greyhounds dabei.

„Es ist fast wie Brennball.“ Diesen Satz halte ich mir vor meinem ersten Training immer wieder vor. Gut, es gibt Dutzende Regeln mehr. Der Ball ist deutlich härter (wie ich später noch feststelle) und einen Baseball-Schläger hatte ich beim Brennball auch noch nie in der Hand. Ach ja, und einen Helm braucht es dort in der Regel auch nicht. Einen riesigen Handschuh zum Fangen ebenfalls nicht. Aber ja, sonst ist es fast wie Brennball.

Als absoluter Laie fange ich also an. Natürlich habe ich mir vorher von Coach Sebastian Tausch die Regeln erklären lassen. Der sich, als mein Blick verwirrt-fragend in die Ferne abdriftet, kurzerhand ein Herz fasst und mir das Spielfeld aufzeichnet: eher ein Dreieck, das so aussieht, wie in der Schule rechte Winkel eingezeichnet werden. Neun Spieler pro Mannschaft stehen auf dem Spielfeld, die Defensivmannschaft wirft dem Gegner den Ball zu. Die Offensivmannschaft schlägt den Ball ins Spielfeld. Dann dürfen die Angreifer loslaufen, insgesamt an vier Laufmalen (bases) vorbei. Die Verteidiger versuchen das zu verhindern, indem sie den geschlagenen Ball zum Laufmal werfen, bevor die Angreifer dort sind.

So der grobe Spielablauf. So weit bin ich aber selbstverständlich nicht. Erst einmal geht’s ans Aufwärmen. „Vielleicht das erste und letzte Mal im Training, dass du souverän mitmachen kannst“, denke ich, während ich Arme und Schultern warm mache. Ob das Training sehr anstrengend wird, will ich von Tausch wissen — und noch während ich frage, überlege ich, ob ich wirklich eine Antwort haben will. Ich bin ja jetzt sowieso dabei. Er denkt kurz nach, dann: „Joah, schon.“ Und: „Trinken zwischendurch nicht vergessen.“ Na dann.

Die erste Wurfübung, die erste Hürde: das Anziehen des gigantischen, braunen Handschuhs. Schließlich sitzt er nahezu wie angegossen an meiner linken Hand und wir beginnen mit den ersten Übungen. Um das Ganze ein wenig abzukürzen: Fangen ja, Werfen nein. Nicht besonders überraschend, wenn ich mich an meine Leistungen im Weitwurf während meiner Schulzeit erinnere...

Wobei Sebastian Tausch mir versichert, dass es beim Werfen vor allem auf die richtige Technik ankommt. Bei der Übung stehe ich seitlich zum Trainer, das Gewicht ein wenig auf das hintere Bein verlagert. Der linke Arm ist angewinkelt, der Ellenbogen zeigt zum Ziel, der rechte Arm ist gestreckt, Zeige- und Mittelfinger und Daumen halten den Ball. Klingt einfach, ist es aber nicht. Immerhin: Die meisten Bälle, die Tausch mir zuspielt, landen im Handschuh, die freie rechte Hand schützend davor.

Nur einmal einen Ball treffen!

Die Mannschaft macht derweil komplexere Übungen, die näher am eigentlichen Spiel sind. Zu komplex für mich. Außerdem habe ich noch nie einen Baseball geschlagen. „Machen wir gleich“, kündigt Tausch mir an, während er in einer dieser komplizierten Übungen den Ball mal eben gute 100 Meter über den Platz schlägt. Mehr Respekt habe ich aber vor den Bällen, die ebenfalls mehr als 100 Meter in unsere Richtung zurückgeschlagen werden: Während Tausch mächtig entspannt auf diese Bälle wartet und schon ein bisschen was zur richtigen Körperhaltung erzählt, erwische ich mich dabei, wie ich instinktiv einen Schritt zur Seite hüpfe oder mich vor fliegenden Bällen wegducke. Sieht für einen Außenstehenden bestimmt amüsant aus.

Bevor ich dann endlich auch mal einen Ball schlage, habe ich allerdings mehr Angst davor, keinen einzigen zu treffen, statt selbst von einem getroffen zu werden. Kurz darauf zeigt sich: Beide Ängste haben ihre Daseinsberechtigung.

Also: Der Schläger ist über meiner rechten Schulter, die Hände übereinander am unteren Teil, ich stehe wieder seitlich zum Werfer und schwinge den Schläger in einem hübschen U. Zumindest versuche ich es. Daneben, daneben, daneben und autsch, der Oberarm... Das tut ziemlich weh. Allerdings habe ich noch keinen einzigen Ball getroffen und werde so garantiert nicht vom Platz gehen. Also kurz durchatmen und weiter — und: Meine Ausdauer wird belohnt. „Nicht die Ballerina machen“, ruft Sebastian Tausch mir noch zu, während ich dem Ball beim Schlagen offenbar mit angewinkeltem Bein hinterher schwebe. Und dann das schönste Geräusch der Welt: Ball trifft Aluminium. Ich hab’s geschafft und schaffe es gleich darauf noch einmal — jippieh!

Die Basics habe ich also ausprobiert — und es hat großen Spaß gemacht. Und das, obwohl mir beim Verlassen des Sportplatzes auffällt, dass ich keinen einzigen brennballähnlichen Spielzug gemacht habe. Zumindest nicht bei diesem ersten Training. Vielleicht folgt ja noch eins?

(mec)