Städteregion: „Selbstbestimmtes Wohnen“: Komplettumbau nicht immer nötig

Städteregion: „Selbstbestimmtes Wohnen“: Komplettumbau nicht immer nötig

Selbstbestimmtes Wohnen auch mit einer Behinderung? Aber sicher! In der Aachener Nadelfabrik fand jetzt die Fachtagung „Selbstbestimmtes Wohnen - Wohnträume auch inklusiv?!“ statt. Die Veranstaltung mit mehr als 100 Teilnehmern wurde vom Inklusionsamt der Städteregion Aachen ins Leben gerufen.

Amtsleiterin Bettina Herlitzius wies gleich zu Beginn auf die Aktualität des Themas hin: „In der gesamten Städteregion brauchen wir dringend mehr barrierefreie Wohnungen. Eigentlich müsste schon heute jede Neubauwohnung ganz ohne Barrieren gebaut werden.“ Neben Vorträgen gab es auch eine Podiumsdiskussion mit Experten.

Fachreferenten geben Überblick

Fachreferenten gaben zunächst einen Überblick über das breite Themenspektrum „Wohnen“. Architekt und Sachverständiger Frank Opper stellte das Konzept „Design für Alle“ vor. Professor Hildegard Schröteler-von Brandt (Uni Siegen) referierte zu „Wohnen in einer sich verändernden Umgebung“. Silke Gross (Amaryllis eG) präsentierte die Projekte „Generationenwohnen“ und „Villa Emma, selbständiges Wohnen mit Unterstützungsbedarf“.

Bei der anschließenden Podiumsdiskussion, an der unter anderem auch Professor Axel Thomas (GWG Städteregion Aachen GmbH), Professor Peter Rasche (Aachener Haus- und Grundbesitzerverein), Iris Hirsch (Kontakt-, Koordinierungs- und Beratungsangebote Städteregion Aachen, KoKoBe) und Stephan Xhonneux (Pflege- und Wohnberatung, Städteregion Aachen) teilnahmen, wurde deutlich, welche Herausforderungen im Bereich der barrierefreien Wohnungen nach wie vor auf alle Beteiligten aus Politik, Verbände und Verwaltung warten.

Von den Zuschauern wurden mehrfach die zahlreichen baulichen Barrieren thematisiert, die nach wie vor existierten. Auch wurde darauf hingewiesen, dass in der Öffentlichkeit unter Barrierefreiheit häufig ausschließlich „rollstuhlgerecht“ verstanden wird, andere Behinderungsarten aber nicht entsprechend berücksichtigt werden würden.

Stephan Xhonneux betonte, dass nicht immer gleich ein Komplettumbau nötig sei, wenn es aufgrund eines Handicaps um die Umgestaltung der eigenen vier Wände gehe. Kleinere Anpassungen und konkrete Hilfsmittel in der Wohnung könnten ebenfalls große Wirkungen erzielen.

„Die Wohnberatung der Städteregion Aachen steht den Betroffenen hier unterstützend zur Seite“, so Xhonneux. Bettina Herlitzius zog aufgrund der großen Resonanz ein positives Fazit der Fachtagung. „Jeder Mensch mit einer Behinderung soll in einer Wohnung leben können, die seinen individuellen Bedürfnissen entspricht“, sagte sie zum Abschluss. „Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, aber mit allen Beteiligten können wir es schaffen, adäquaten Wohnraum zur Verfügung zu stellen.“

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