Stolberg/Aachen: Schulformen für die Zukunft neu denken

Stolberg/Aachen: Schulformen für die Zukunft neu denken

Als Dr. Sascha Derichs damit begann, im Schulausschuss die Schulentwicklung der kommenden 20 Jahre für die Städteregion zu skizzieren, da wollte er zunächst einmal ein Dankeschön loswerden, ein seltenes Dankeschön.

„Ohne die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Aachen hätten wir den Bildungsbericht in dieser Form nie erstellen können.”

Ist-Zustand dargestellt

Solche Worte sind im kommunalen Zweckverbund in der letzten Zeit nicht gerade häufig ausgesprochen worden; zwischen der kreisfreien Stadt und den anderen neun Kommunen kriselt es ja regelmäßig. Doch zumindest in Sachen Bildungsentwicklung herrscht im Moment Einigkeit. Denn: Es muss etwas getan werden, Grund sind rückläufige Schülerzahlen. Derichs jedenfalls, Leiter des Programms „Lernen vor Ort” im Bildungsbüro der Städteregion, wurde nicht müde zu betonen, dass dieser nun vorliegende erste städteregionale Bildungsbericht „ein erster Schritt ist, um ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen, also den Ist-Zustand darzustellen und mit verschiedenen Indikatoren die zukünftige Entwicklung einigermaßen verlässlich vorherzusagen.”

Schülerrückgang bis 2025

In dem 263 Seiten starken Werk sind verschiedene Bereiche, von der frühkindlichen Bildung bis zu den Hochschulen, untersucht worden. Im Kern ging es um die Entwicklung der Schülerzahlen auf Sekundarschulen im Zeitraum 1999 bis 2011, und welche Prognosen aus ihnen für die kommenden zwei Jahrzehnte abzuleiten sind.

Seit Beginn des neuen Jahrtausends sind demzufolge vor allem die Zahl der Haupt- und Realschüler sowie der Gymnasiasten teilweise deutlich gesunken, einzig die Gesamtschulen in der Städteregion bzw. im ehemaligen Kreis Aachen verzeichneten einen leichten Anstieg oder halten ihre Schülerzahl stabil.

Derichs: „Wenn man allerdings den demografischen Wandel mit einbezieht, der in den kommenden Jahren erst noch auf uns zukommt, dann ist davon auszugehen, dass die Schülerzahlen auch in der Städteregion dramatisch einbrechen.”

Die Zahl der jungen Menschen in Kindergärten, Schulen, Universitäten oder einer Berufsausbildung könnte demzufolge bis 2025 um bis zu 15 Prozent sinken. Derichs: „Klar ist, dass der Handlungsbedarf bei den weiterführenden Schulen enorm ist und später noch größer wird, so dass man sich schon jetzt über die geeigneten Schulformen der Zukunft Gedanken machen muss.” Wie konkret das aussehen soll, darüber wollte er sich noch kein Urteil erlauben.

Denn der Bildungsbericht, und das betont Derichs gleich mehrmals, „soll in erster Linie Zusammenhänge” aufzeigen und „keine Handlungsempfehlungen” aussprechen. Er solle als erste Bestandsaufnahme dienen und den Beteiligten, der regionalen Bildungskonferenz, den Schulträgern, dem Lenkungskreis der Bildungsregion Aachen und dem Bildungsbüro als Orientierung dienen. Dennoch müssten zeitnah Schlüsse gezogen werden.

Arbeit des Bildungsbüros

Stichwort Bildungsbüro: Auf Antrag der FDP-Fraktion wurden Meilensteine und Stationen der acht städteregionalen Handlungsschwerpunkte von 2009 bis 2012 dargestellt: Sie reichen vom Bildungstag 2009 und der ersten Regionalkonferenz „Startklar” 2010 über die Koordination der Schultheatertage (seit 2010) bis hin zur Fortbildung für das „Haus der kleinen Forscher”, der ersten Aachener Ferienakademie (2011), der Begleitung des Übergangs und der Förderung der Jugendpartizipation zum Beispiel in Form von Schülervertretungstagen oder der Werkstatt „Was geht!?”. Hier bekommen junge Menschen Möglichkeiten aufgezeigt, sich nicht nur in der Schule politisch zu engagieren.

So findet unter anderem an diesem Freitag, 15. Juni, im Aachener Eurogress mit „Was geht!?” die zweite städteregionale Werkstatt für Jugendbeteiligung und Jugendpolitik statt. Beginn ist um 9 Uhr. Alle weiterführenden Schulen der Städteregion sind zu der Veranstaltung des Bildungsbüros eingeladen worden.

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