Städteregion: Schulden machen krank und andersrum

Städteregion: Schulden machen krank und andersrum

Zwischen Krankheit und Verschuldung besteht für die Betroffenen oft eine fatale Wechselwirkung: Wer schwer krank ist, verschuldet sich schneller, wer verschuldet ist, wird schneller krank. In der bundesweiten Aktionswoche „Schulden machen krank, Krankheit macht Schulden“ haben der Arbeitskreis der freien Wohlfahrtspflege in der Städteregion und die nordrhein-westfälische Verbraucherzentrale auf diesen Teufelskreis aufmerksam.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind Krankheit, Sucht oder Unfall für jeden siebten Betroffenen der Hauptauslöser der Überschuldung. Die Gründe dafür sind vielfältig. Behandlungskosten und Arbeitsausfall sind da nur die offensichtlichsten.

Häufig nimmt die Krankheit die Aufmerksamkeit der betroffenen Person wie auch die ihres Umfeldes so sehr in Anspruch, dass anderen Verpflichtungen nicht mehr in vollem Umfang nachgegangen werden kann. „Und wenn man ein drückendes Gebirge von Schulden im Nacken hat, dann ist es schwer, das restliche Leben zu regeln“, weiß Verbraucherberaterin Ulrike Ermert.

Nicht mehr getilgte Kredite, ungelesene Rechnungen und viele andere Dinge sorgen dann neben der Krankheit dafür, dass das Leben weiter aus den Fugen gerät. Auch die Schulden selbst wirken sich negativ auf die Gesundheit aus. Neben der hohen psychischen Belastung klagen signifikant mehr Schuldner über körperliche Leiden als der Rest der Bevölkerung. Petra Kogel vom Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) berichtet, dass in diesem Wechselspiel zwischen Schuld und Krankheit ganz verschiedene Unterstützungssysteme ineinandergreifen müssen.

„Schuldnerberatung ist umfassend: Wo kommt das Problem her, und wo wollen wir hin?“, umreißt ihre Kollegin Carmen Rosendahl-Küpper die Problemlage. Die Vernetzung der unterschiedlichen Angebote funktioniere aber immer besser. Da alles im Leben mit Finanzen zusammenhänge, heiße Schuldnerberatung, dem Leben insgesamt wieder eine Basis zu geben, unterstreicht Martina Breidt (SKF), die Bedeutung.

Eine sehr hohe Schamschwelle, die Angst vor Vorwürfen und Verlustängste halten Betroffene jedoch häufig davon ab, sich Hilfe zu suchen. „Sie haben doch nichts mehr. Was sollte man ihnen wegnehmen?“, zeigt Familienhelferin Ilse Köhler (Con Social) auf.

Angst vor Verlust der Kinder

Gerade in ihrer Berufspraxis kommen Ängste vor dem Verlust der Kinder hinzu. Doch ist die erste Angst genommen, sinke die Belastung deutlich. Nach Abschluss der Beratung klagt nur noch ein geringer Prozentsatz der Betroffenen über erhebliche Belastungen.

Im Arbeitskreis Schuldnerberatung ist man vom nachhaltigen Erfolg des Hilfsangebotes überzeugt. Einmal erfolgreich entschuldete Personen kommen demnach nicht mehr zurück in die Beratung. Aber auch Menschen, für die eine Entschuldung nicht möglich ist, kann langfristig geholfen werden. „Man kann ein gesünderes Leben mit den Schulden leben“, ist Ulrike Ermert sicher. Wichtig sei es, möglichst frühzeitig eine Beratung zu suchen, damit der Schuldenberg erst gar nicht zu einer zu großen Belastung für das eigene Leben und die Gesundheit werden kann.

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