Waldenrath: Schon 1815 hatte Waldenrath eine Orgel

Waldenrath: Schon 1815 hatte Waldenrath eine Orgel

Aus Anlass der Orgelweihe hat der Rendant der Pfarrgemeinde St. Nikolaus Waldenrath, Heinz Cleef, eine Festschrift erstellt.

Diese geht bis ins Jahr 1786 zurück, als Pfarrer Heinrich Josef von den Hoff in Waldenrath eine neue Kirche erbaute, weil die alte zu klein und baufällig war, aber den 1738 errichteten Kirchturm stehen ließ. Für 1815 ist in dieser Kirche eine Orgel nachgewiesen, die von dem auch als Organist tätigen Lehrer Conzen gespielt wurde.

Bei seinen Recherchen stützt sich Cleef auf die Heimatkalender des Jahrgangs 1930, auf das Archiv der Stadt Heinsberg und auf das Waldenrather Pfarrarchiv.

1853 wurde die Orgelbühne erhöht und vergrößert. Die wertvolle Orgelbrüstung stammte aus dem adeligen Frauenstift Heinsberg. Im selben Jahr wurde vom Heinsberger Orgelbauer Koulen für 858 Taler, 11 Silbergroschen und 8 Pfennige die Orgel um vier Register erweitert, umgebaut und restauriert, sodass der Musikdirektor Tößler „dasselbe für ganz gut befunden” hat.

1854 konnten nach der Umgestaltung zwölf neue Plätze auf dem Orgelgelass öffentlich verpachtet werden. „Die sämtlichen Sitze und Kniebänke waren nur für Mannspersonen bestimmt, die unter der Orgel auch für Frauenzimmer.”

Bald wurde auch diese Kirche wieder zu klein. 1899/1900 wurde dann eine neue Kirche im neugotischen Stil errichtet, die im Sommer 1900 von dem Kölner Weihbischof Dr. Fischer konsekriert wurde.

Die bisherige Orgel blieb offenbar weiter in Gebrauch, heißt es doch im Pfarrarchiv: Kirche Waldenrath lieferte ein Orgelgehäuse für 1950 RM, das um das alte Spielwerk und die Pfeifen errichtet wurde.

1926 wurde von dem Orgelbauer Josef Koulen aus Hünshoven die Orgel mit einer elektrischen Windmaschine ausgestattet und für 795 Mark Reinigungs- und Reparaturarbeiten ausgeführt.

Im Zweiten Weltkrieg Kirche total zerstört

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche total zerstört. Bei einem Bombenangriff am 28. Oktober 1944 stürzte der 400 Jahre alte Turm ein. Unter den Trümmern lag auch die aus der napoleonischen Zeit stammende Orgel.

Am 8. April 1948 wurde mit den Wiederaufbauarbeiten begonnen unter großen finanziellen Opfern und mit viel Hand- und Spanndiensten seitens der Bevölkerung. Der Kirchenchor errichtete in Eigenleistung die Orgelbühne und spendete 900 Mark.

1952 wurde der Turm mit der Kriegergedächtniskapelle gebaut. Der Kirchenchor verschaffte sich für seinen Teil des Wiederaufbaus die Gelder durch Konzerte, Operettenaufführungen, Theaterabende und Dreikönigssingen.

Abschnitt für Abschnitt wurde das Gotteshaus wieder erstellt. Für die Begleitung der Gesänge diente zunächst ein Harmonium. Erst 1956 wurde eine neue Orgel gebaut. Die Aachener Firma Bach erstellte die Einzelteile in der Werkstatt und setzte sie in nur 14 Tagen zusammen.

Statt der vorgesehenen 20 Register begnügte man sich mit zehn. Sie beschränkten sich auf Manual und Pedal. Beim Primizamt des heimischen Neupriesters Heinz von den Driesch verschönerte die Orgel erstmals den Gottesdienst.

Auch wenn damals wegen der Registerwahl und der zusätzlichen modernen Hilfsmittel die Rede von den „mannigfaltigsten Klangfarben” war, sollte man an der Orgel nur kurze Zeit Freude haben, da sich die Schäden und Reparaturkosten häuften und sich immer mehr der Wunsch nach einem neuen Instrument durchsetzte.

Heute spricht der Rendant von einem Glücksfall, praktisch ein Luxusinstrument zum Standard-Preis erworben zu haben, das zudem so gediegen ist, dass bei etwas Pflege das Instrument Generationen überdauern könne. Dafür stünden die solide Mechanik und der massive Eichenkörper.

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