Aachen: Schlange stehen bei Diagnose und Gymnastik

Aachen: Schlange stehen bei Diagnose und Gymnastik

Egal, ob es der „Parcours der Wahrnehmung“ bei den Physiotherapeuten des Klinikums und der Praxis Gehrmann ist, das Gespräch mit vier Fachärzten, Infos bei AOK oder die Beratung durch die Podologin: Überall steht eine Schlange interessierter Besucher im Seminarraum der Uniklinik.

Wie bei einer kleinen Messe gibt es verschiedene Informationsstände. Experten und Expertinnen stehen mehr als zwei Stunden für Fragen und Tipps zu Verfügung.

Die 59-jährige Agnes Heinrichs ist mit ihren beiden Schwestern aus Heinsberg gekommen, weil sie vielseitige Beratungsmöglichkeit nutzen möchten. Gerade hat sie einen „Barfußschuh“ probiert, denn sie leidet unter einer großen Hammerzehe und muss beim Schuhkauf auf viele Details achten. „Der Schuh überzeugt mich, denn er hat keine Nähte, die drücken“, sagt Agnes Hinrichs. „Ich habe sogar einen Arztbesuch erspart“, ergänzt ihre Schwester, die sich von Dr. Dariusch Arbab — gleichfalls wegen ihrer Hammerzehe — beraten ließ. Nach Meinung des Arztes reicht eine Nachtschiene, und eine Operation ist vorerst nicht notwendig. „Da bin ich erleichtert“, fügt sie hinzu.

Beim „Parcours der Wahrnehmung“ mit sieben Stationen können die Besucher mit ihren Füßen in eine Wanne mit Watte eintauchen oder Murmeln und Metallstücke ertasten. „Ich bin gekommen, weil ich Übungen für meine Senk-Spreizfüße haben möchte“, erklärt ein Besucher, rollt mit dem Fuß über einen Tennisball und freut sich, dass ihm zwei Übungen genau erklärt und gezeigt werden.

Empfindungsstörungen

Der Podologin Monika Kriescher fällt auf, dass viele Besucher Probleme mit ihren Füßen haben, die auf eine Nervenstörung zurückzuführen sind. „Diese Patienten haben Empfindungsstörungen“, erklärt sie. Nicht immer sind es Patienten mit Diabetes-Typ-2, auch eine zu starke Verhornung kann zu diesen Störungen führen.

„Sie haben mich operiert“, stellt sich einen Patientin strahlend bei Dr. Bernhard Fuß vor, der genau die kleine Narbe inspiziert. „Ist aber alles prima.“ Über 100 Füße hat allein Dr. Alexander Sikorski an diesem Nachmittag in der Hand. Auch den Fuß des jüngsten Besuchers. Der neunjährige Tobias hat seit mehr als einem Jahr Schmerzen im Fuß, vor allem dann, wenn er vom Sport kommt.

„Wir waren schon beim Orthopäden, Osteopathen und Chiropraktiker, doch keiner konnte helfen“, sagt seine Mutter. „Vier Wochen Fuß eingipsen“, meint Dr. Sikorski. Rita Hinrichsmeyer will sich nach einer neuen Therapie für ihren Felsensporn erkundigen. „Nun meint der Arzt hier, dass ich keinen Felsensporn habe“, erzählt sie. Mit dieser Antwort hat sie nicht gerechnet.

Am Stand des Activ Centrum liegen „Aero Stepps“ am Boden. Das ist ein luftgefülltes Trainingsgerät mit Noppen auf der einen Seite. Damit kann man die Fußmuskulatur trainieren und das Gleichgewicht stabilisieren. „Das ist für die gesamte Körperkoordination im Alter besonders wichtig“, erklärt Josef Stepprath, Mitinhaber des Sportstudios.

Das Arztgespräch suchen fast alle Besucher an diesem Nachmittag. Und es stört niemanden, dass alle rundum Wartenden zuschauen und. Für Wolfgang Schulz, der eine „Haglundferse“ hat, steht jetzt bereits fest, dass sich eine Operation bei ihm nicht vermeiden lässt.

(ne)