Vorrang für Kreislaufwirtschaft:: Sammeln und Recyceln allein reicht noch nicht aus

Vorrang für Kreislaufwirtschaft: : Sammeln und Recyceln allein reicht noch nicht aus

Als zweite deutsche Stadt nach Freiburg tritt Aachen einer Initiative von mittlerweile 60 europäischen Städten bei, die sich der Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene verpflichten.

Aachen soll zu einem „Vorreiter der Kreislaufwirtschaft“ werden. Um diesen Anspruch Schwarz (oder Blau) auf Weiß festzuhalten, hat Oberbürgermeisterin Sibylle Keupen nun  die „Circular Cities Declaration“ unterzeichnet.

Als zweite deutsche Stadt nach Freiburg tritt Aachen damit einer Initiative von mittlerweile 60 europäischen Städten bei, die sich der Nachhaltigkeit auf kommunaler Ebene verpflichten. Im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung im Krönungssaal des Rathauses, zu der Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft geladen waren, setzte Keupen ihre Unterschrift unter die Erklärung.

Dabei war die Tinte auf dem Papier nur der Höhepunkt eines Abends, der ganz im Zeichen des ökologischen und ökonomischen Umdenkens stand. Schon in ihrem Grußwort zu Beginn sprach die OB von einem „Familientreffen der Nachhaltigkeit“. Sie betonte, dass es einer gemeinsamen Anstrengung aller Akteure bedürfe, um die selbst gesteckten Ziele in Sachen Klimaschutz und Ressourcenschonung zu erreichen. Und versicherte: „Politik und Verwaltung stehen allen Mitwirkenden zur Seite.“

Die Vereinten Nationen warnen davor, dass sich der weltweite Ressourcenverbrauch bis 2060 verdopple, so Keupen. Deshalb gebe es mit Blick auf eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft „überhaupt keine Frage mehr, ob wir das wollen oder nicht“. Umso mehr freute sie sich über die anwesenden „Menschen mit viel Erfahrung, Expertise und Gestaltungswillen. Sie sind das Fundament, um das Aachen von morgen zu bauen.“ Dabei sucht die Stadt auch demonstrativ den Schulterschluss mit den Hochschulen. So richtete etwa  Kathrin Greiff, Nachhaltigkeitsbeauftragte des RWTH-Rektorats, ihr Wort ans Publikum: „Städte sind die Keimzellen der Innovation und des sozioökonomischen Wandels.“ Sie hoffe daher, dass alle Beteiligten „diesem Abend Maßnahmen folgen lassen“.

In einem Impulsvortrag beleuchtete Bernd Friedrich, Leiter des 2020 gegründeten Center for Circular Economy der RWTH, verschiedene Aspekte der Kreislaufwirtschaft. Im Mittelpunkt stehe dabei, sparsam mit verfügbaren Ressourcen umzugehen oder sie mehrfach zu verwenden, um Abfall zu reduzieren. „Sammeln und Recyceln allein reicht jedoch noch nicht. Es braucht ein grundlegendes Neudenken. Wir müssen auch die Nutzungsdauer von Produkten verlängern“, so Friedrich.

Dass sich auch die Verwaltung das Thema längst auf die Fahnen geschrieben hat, verdeutlichte Dr. Maria Vankann. Sie ist die städtische Koordinatorin für Nachhaltigkeit und Klimaschutz und stellte einige Meilensteine der jüngeren Vergangenheit vor. Sie verwies etwa auf den 2009 beschlossenen Luftreinhalteplan oder das Erreichen der Top 3 beim deutschen Nachhaltigkeitspreis 2018. Auch für die Zukunft habe man ambitionierte Ziele, bis 2030 möchte die Stadt klimaneutral werden. Auf dem Weg dahin sollen beispielsweise 50 Prozent des eigenen Strombedarfs durch Solaranlagen auf den Dächern kommunaler Gebäude gedeckt werden.

Im Anschluss an die Vorträge und die Unterzeichnung der Erklärung bestand auf einem „Markt der Möglichkeiten“ die Gelegenheit zum Austausch. An rund 15 Stationen im Saal stellten Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Stadtgesellschaft ihre Projekte vor. Auch die Vernetzung der vielfältigen Nachhaltigkeitsinitiativen war schließlich ein erklärtes Ziel des Abends.