Rurtalsperre läuft über: Hochwasser erwartet

Rurtalsperre läuft über : Wassermassen fließen in wenigen Stunden auf Jülich zu

Das hat es seit Jahrzehnten nicht gegeben: Die Rurtalsperre in Heimbach wird ab etwa 20 Uhr am Donnerstag kontrolliert überlaufen. Das bringt Gefahren für Anlieger am gesamten Unterlauf mit sich.

Schon in der Nacht zum Donnerstag sorgte der Starkregen für Niederschlagsmengen, die „wir gar nicht mehr messen konnten“, sagte Joachim Reichert am Nachmittag, Vorstand des Wasserbandes Eifel-Rur (WVER). Das ließ die Urft erheblich anschwellen, die wiederum über den Obersee in die Rurtalsperre fließt. Das hat den zweitgrößten deutschen Wasserspeicher an seine Kapazitätsgrenzen gebracht.

Deswegen solle nun im Laufe des Abends und der Nacht „die Hochwasserentlastung der Rurtalsperre anspringen“, wie Joachim Reichert erklärte. Das heißt nichts anderes, als dass die Rurtalsperre kontrolliert überläuft. Bis dahin werden schon die Abgabemenge ab Staubecken Heimbach an die Rur deutlich erhöht, „um Zeit zu gewinnen“ und den Überlauf zu verzögern. So kann der WVER nun alle betroffenen Anlieger informieren.

Die Folgen sind krass, denn sie verschärfen die vorhandene Hochwassersituation vielerorts. Auch wenn die Kall und die Inde inzwischen rückläufige Pegel zeigen, fließen sie immer noch mit erheblichen Mengen über dem Normalmaß in die Rur. Das addiert sich auf und lässt die größen Wassermassen etwa sieben bis zehn Stunden nach dem Überlauf-Start in Jülich erwarten. Nicht auszuschließen ist, dass die Rur in Jülich auch im Bereich Innenstadt über die Ufer tritt. Am Donnerstagnachmittag war das Flussbett im Bereich der Innenstadt gestrichen voll. Möglich ist, dass die Wassermenge am frühen Freitagmorgen noch einmal um bis zu 50 Prozent zunimmt.

WVER-Chef Reichert warnte vor Panikmache: „Hier bricht kein Staudamm.“ Gleichzeitig sagte er, dass rurnahe Anlieger mit „massiven Schwierigkeiten“ und „massiven Schäden“ zu rechnen hätten. Am besten sollten Fahrzeuge an sicheren Stellen untergebracht und Maßnahmen „zum Schutz des Eigentums“ getroffen werden, auch wenn die Zeit mit Stunden knapp ist. Zudem sollen alle Campingplätze in der Nähe der Rur endgültig geräumt werden.

Der Verband informiert nun alle betroffenen Kommunen und ihre Krisenstäbe und bittet die Bevölkerung, auf die speziellen Informationen vor Ort zu achten.