Kreis Heinsberg: Rund 800 Aktivisten im Klimacamp erwartet

Kreis Heinsberg: Rund 800 Aktivisten im Klimacamp erwartet

Auf den langen Holztischen stehen die Reste vom bio-veganen Brotaufstrich: Tomatenpesto, Kichererbsenpüree und Schokocreme, alles selbst gemacht in der Camp-Küche. Das Frühstück ist beendet. Das Plenum hat begonnen. Es muss besprochen werden, was noch alles aufgebaut, vorbereitet und sortiert werden muss, bevor am Abend das Willkommensplenum im großen Zirkuszelt beginnt.

Beim Klimacamp am Rande des Tagebaus Garzweiler in Erkelenz-Lützerath packt jeder mit an. Das ist auch bei der sechsten Auflage so. Bis zu 800 Teilnehmer werden erwarten, sagt Pia Starke vom Presseteam des Klimacamps. 500 davon haben sich von der Degrowth-Sommerschule angemeldet, mit der das Klimacamp in diesem Jahr zum ersten Mal kooperiert. Alle anderen kommen spontan, ohne Anmeldung.

Für tausend Menschen wäre genug Platz. Denn das Camp ist kurz vor Beginn noch umgezogen. Statt im Laheypark in Erkelenz schlagen die Aktivisten ihre Zelte auf der großen Wiese eines Bauern in Lützerath bei Erkelenz auf. Der Weg dorthin ist von der Autobahnausfahrt Mönchengladbach-Wanlo (A61) aus ausgeschildert. Aber natürlich ist es den Veranstaltern lieber, wenn die Aktivisten zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Bus anreisen.

Parkplätze gibt es wenig — und schließlich geht es ihnen ums Klima. Allerdings hängt an der Bushaltestelle Lützerath ein Zettel von West-Verkehr, der die „sehr geehrten Fahrgäste“ darauf hinweist, dass die Haltestelle ab dem 12. August nicht mehr angefahren wird, weil bald die Bagger kommen. Das Klimacamp dauert aber noch bis zum 17. August.

Bis dahin wollen die Aktivisten in Workshops arbeiten und in Zusammenkünften diskutieren. Zum Beispiel über „konkrete Alternativen zum bestehenden Wirtschafts- und Herrschaftssystem“, Klimawandel, Grünes Wachstum, zivilen Ungehorsam. Ist der notwendig oder legitim für den Kampf um Klimagerechtigkeit und Degrowth?

Der Ort, ganz nah am Rand des Tagebaus sei ideal für die Ziele des Klimacamps, sagt Pia Starke. „Hier sieht man ganz konkret, was alles schief läuft. Was für eine Macht große Konzerne haben und was passiert, wenn Profit so viel wichtiger ist als Natur und Mensch.“

Weil die Klimaaktivisten aber nicht nur reden, sondern auch handeln wollen, werden sich einige von ihnen am nächsten Wochenende an der Aktion „Ende Gelände“ beteiligen. Dann sollen die Braunkohlebagger der Tagebaue Inden, Garzweiler und Hambach stillgelegt werden. „Aktiven Widerstand“ nennen die Aktivisten das.