Berlin: „Ritter Merz” als Narrenfänger

Berlin : „Ritter Merz” als Narrenfänger

Dass Friedrich Merz eine ausgesprochen karnevalistische Ader besitzt, wird sicher auch für viele in seiner Partei eine neue Erkenntnis sein. In der CDU wurde der ehemalige Fraktionschef bis dato eher für seine Fähigkeit zum Klartext geschätzt.

Dennoch: Bei der Vorstellung als künftigem Träger des „Ordens wider den tierischen Ernst” stand dem 50-Jährigen am Mittwoch in Berlin die weiß-blau-rot-gelbe Narrenkappe des Aachener Karnevalsvereins schon vorzüglich.

Den in Aachen gebräuchlichen närrischen Gruß „Oche Alaaf” muss Merz ( „Das muss ich mir noch merken” ) bis zu seinem Auftritt in der live übertragenen TV-Sitzung am 11. Februar noch üben. Seit Wochen schon macht sich der Wirtschaftsexperte und Anwalt Gedanken über seine Rede im Narrenkäfig.

Schließlich taucht sein Name sogar im Motto der Sendung auf: „Prinzen, Gaukler, Bänkelsänger - Ritter Merz der Narrenfänger”. Reichlich prominente Vorgänger hat er schon. Sein Rede-Problem: Die einstigen politischen Gegner sind derzeit die Verbündeten. „Alle sind nett zueinander”, klagt er ein wenig in der schon mit Luftschlangen dekorierten Gaststätte mit rheinischem Einschlag.

Folglich müsse man sich „an der eigenen Partei versuchen”, sagt er. Fügt aber sogleich hinzu: „... und an den anderen”. Nach Schluss der Koalitionsverhandlungen hatte Merz noch in Richtung Bundeskanzlerin Angela Merkel gegrollt: „Wir zahlen insgesamt für das Kanzleramt einen verdammt hohen Preis.”

In den vergangenen Wochen hatte sich der am 11.11. und damit dem Starttag des rheinischen Karnevals Geborene jedoch öffentliche Zurückhaltung auferlegt. Der „Große Fritz” schaute sich das Wirken der Groß- Koalitionäre erst einmal nur an. Nicht alles wird ihm, dem Streiter für harte Reformen gefallen. Mit Merkel, seiner alten Rivalin, hat er immerhin inzwischen telefoniert und ihr zur Wahl Glück gewünscht.

Dass der tiefe Riss zwischen beiden damit nun gekittet sei, hoffen einige in der Partei mehr als sie es glauben können. Im Karneval meldet sich Merz nun zurück - zunächst einmal im Kleid des Narren. Dabei macht er schon mal klar, dass für ihn die Zahl der Narren in der Politik „größer als gemeinhin angenommen” sei.

Ob er in seiner Rede denn auch auf die Bundeskanzlerin eingehen werde? „Ja”, sagt er. Er verrät aber nicht, wie. Der Vorsitzende des Karnevalsvereins merkt an, dass es sicher eine „Ode” an Merkel werden dürfte. „Absolut”, murmelt Merz. Aber so recht weiß man nicht, ob er dies wirklich ernst meint - so kurz vor dem Höhepunkt des Karnevals.