Städteregion: Rettungswache: Noch viele offene Fragen

Städteregion: Rettungswache: Noch viele offene Fragen

Die Überlegungen zum Bau einer neuen Rettungswache der Städteregion in Würselen gibt es schon seit mehreren Jahren. Die Politik hatte mit der Verabschiedung des aktuellen Rettungsdienstbedarfsplanes, der am 1. Januar 2014 in Kraft getreten ist, die Notwendigkeit eines solchen Baus auch förmlich anerkannt.

Die Grundsatzentscheidung, diesen nun auch zu realisieren, hat sie allerdings jetzt verweigert — zumindest vorerst. Denn zu viele offene Fragen blieben nach übereinstimmender Meinung der Fraktionen, nachdem die Verwaltung im Ausschuss für Rettungswesen erstmals eine konkrete Planung vorgestellt hatte.

Größtes Manko aus Sicht der Politik sind die Kosten. War das Gesamtinvestitionsvolumen ursprünglich einmal mit 2,6 Millionen Euro beziffert worden, so rechnet das zuständige Fachamt für Immobilienmanagement jetzt mit vier Millionen Euro. „In der ersten Schätzung war das Grundstück noch nicht berücksichtigt. Außerdem war die Grundfläche kleiner veranschlagt“, gab Dirk Rehschuh zu bedenken.

Erhebliche Kostensteigerungen seien zudem mit dem Bau eines Notstromaggregats, den verschärften gesetzlichen Vorgaben für die Lüftungsanlage und den veränderten Anforderungen im Sanitärbereich verbunden, ergänzte Marlis Cremer, Leiterin des Amtes für Rettungswesen und Bevölkerungsschutz.

Die Mitglieder des Ausschusses aber stellten diese Ausführungen nicht zufrieden. „Die Fragen und Antworten stimmen nicht überein“, monierte Gerhard Neitzke für die SPD und erhielt dafür kollektive Zustimmung. „Diese Veränderungen machen in der Summe doch niemals 1,4 Millionen Euro aus.“

Skepsis machte sich auch hinsichtlich des gewählten Standortes breit. Die Rettungswache soll am Mauerfeldchen, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Personalparkplatz des Medizinischen Zentrums, entstehen.

„Wir stehen mit dem MZ in Verkaufsverhandlungen“, bestätigte Dirk Rehschuh. Dass das Grundstück geschätzte 300.000 Euro kosten soll, beunruhigte die Ausschussmitglieder allerdings weniger. Vielmehr äußerten sie die Sorge, dass auf der ohnehin schon viel befahrenen Straße ein Verkehrskollaps drohen und damit der Rettungsdienst in seiner Arbeit behindert werden könnte. „Da geht es um Menschenleben“, mahnte Marc Peters (Grüne).

„Wir haben darüber 2014 teilweise schon sehr intensiv diskutiert“, versuchte Dezernent Gregor Jansen zu beschwichtigen und verwies auf ein Verkehrsgutachten, das die Machbarkeit bestätige. Allerdings pflichtete der Dezernent seinem Kollegen Rehschuh bei, der feststellte: „Die Situation ist schwierig. Es gibt im Mauerfeldchen einen Knotenpunkt, der entweder umgebaut oder aufgerüstet werden muss.“ Doch auch diese Aussage sorgte für viele fragende Blicke.

Klarheit und Einigkeit herrschte immerhin in der Einschätzung, dass es eine neue Rettungswache im Würselener Zentrum geben müsse. „Aktuell haben wir nur Behelfssituationen“, konstatierte Marlis Cremer. So seien beispielsweise für den Rettungswagen und sein Personal Räumlichkeiten des städteregionalen DRK-Kreisverbandes angemietet worden, der Krankentransport ist derweil in Bardenberg stationiert und der Verstärkungswagen samt Besatzung beim Malteser Hilfsdienst auf der Aachener Hüls untergebracht. „Wir brauchen aber eine Rettungswache für die adäquate Unterbringung aller Fahrzeugbesatzungen und Fahrzeuge“, so Cremer.

Ob es den von der Verwaltung gewünschten Grundsatzbeschluss doch noch vor der Sommerpause geben wird, dürfte vom Votum des Bauausschusses abhängen. Er kommt am nächsten Donnerstag zusammen und soll als Entscheidungsgrundlage eine ergänzende Vorlage erhalten, in der Antworten auf die vielen offenen Fragen zu finden sein werden.

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