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Überblick: Was Kindern beim Schwimmen lernen wirklich hilft

Wassergewöhnung bis Gold : Überblick: Was Kindern beim Schwimmen lernen wirklich hilft

Schwimmen macht Spaß. Vor allem, wenn es richtig gut klappt. Dafür braucht es Übung und die richtige Technik. Wie Eltern ihre Kinder unterstützen können, zeigt dieser Überblick.

Ganz klar: Wir wollen unsere Kinder vor allen Gefahren schützen. Eltern versuchen, die Risiken so gering wie möglich zu halten. Zum Beispiel, wenn Kinder zum ersten Mal mit Wasser in Berührung kommen und später schwimmen lernen.

Für die Sicherheit der Kinder ist es sehr wichtig, dass sie richtig schwimmen lernen. Eltern können zu Hause wertvolle Vorarbeit leisten und ihr Kind beim Lernen unterstützen. Den Rest überlassen Sie gerne den Schwimmlerhrern. Experten geben Tipps dazu:

1. Wie können Sie Ihre Kinder auf den Schwimmkurs vorbereiten?

Schwimmen lernen fängt lange vor dem Schwimmkurs an, so Franziska Schalm vom Deutschen Schwimmlehrerverbund.

Die Aufgabe der Eltern sei es, ihren Kindern vor dem ersten Kurs Spaß am Wasser und Vertrauen zu diesem Element zu vermitteln.

Damit können Sie schon in den ersten Lebensmonaten des Kindes beginnen - etwa mit einem Babyschwimmenkurs.

Im Schwimmbad und auch daheim können Sie ihre Kleinen mit Übungen spielerisch an das Wasser gewöhnen - dazu einige Anregungen:

  • Spritzen: Plantschen Sie mit Ihrem Kind in der Badewanne und spritzen Sie mit Wasser. „Damit Ihr Kind merkt, das nichts passiert, wenn es Wasser ins Gesicht bekommt“, sagt Achim Wiese von der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). So stärken Sie bei ihrem Nachwuchs das Vertrauen ins Element Wasser. Im Schwimmbad können Sie ihr Kind auf den Beckenrand setzen und kräftig mit den Beinen strampeln lassen - bis das Wasser spritzt.
  • Tauchen: Wenn kein Badeschaum im Wasser der Badewanne ist, können Sie mit ihrem Kind dort kleine Tauchübungen machen. Legen Sie einen Gegenstand auf den Grund der vollen Wanne, und lassen Sie ihn von ihrem Kind hinaufholen.
  • Ausatmen: In Gefahrensituationen halten Kinder vor Schreck die Luft an. Das kann zu einem Krampf der Stimmritzen führen, der es unmöglich macht, um Hilfe zu rufen und zu atmen.

Für die Sicherheit Ihres Kindes ist es daher wichtig, dass sie das Ausatmen lernen. Das können Sie trainieren, indem Ihr Kind Bälle oder Luftballons, die auf der Wasseroberfläche liegen, hin- und herpustet.

  • Blinzeln: Einige Kinder duschen und baden mit Schwimmbrillen. Oft nehmen Eltern auch Eimer oder Schüsseln zu Hilfe, um die Haare zu waschen. Sie wollen verhindern, dass Wasser in die Augen der Kinder kommt und es großes Geschrei gibt.
Beim Planschen lernen Kinder spielerisch den Umgang mit Wasser.
Beim Planschen lernen Kinder spielerisch den Umgang mit Wasser. Foto: Benjamin Nolte/dpa-tmn

Davon rät Franziska Schalm allerdings ab. Kinder sollten sich an das Gefühl von Wasser in den Augen gewöhnen. So lernen sie, dass nichts passiert und einfaches Blinzeln das Wasser aus den Augen treibt. In Gefahrensituationen können sie sich mit offenen Augen im Wasser besser orientieren.

  • Blubbern und Pusten: Lassen Sie ihr Kind mit einem Strohhalm Blasen in das Wasser pusten. Das trainiert die Atmung, die später wichtig ist, damit sich das Kind nicht verschluckt und lernt ausdauernd zu atmen. Zudem entwickelt ihr Kind so Freude am Wasser.

2. Reicht es, wenn ein Kind das Seepferdchen macht?

„Schwimmen lernen wird häufig mit dem Seepferdchen machen verwechselt“, sagt Achim Wiese. Der Seepferdchen-Kurs sei allerdings nur dazu da, um Kinder an das Wasser zu gewöhnen.

Kinder können den Kurs ab dem dritten Lebensjahr besuchen. Das Seepferdchen-Abzeichen soll eine erste Motivation sein, so Rettungsschwimmer Wiese.

Erst wenn ein Kind das Bronzeabzeichen abgelegt hat, könne es schwimmen.

Vor dem Seepferdchen können Kinder einen Wassergewöhnungskurs besuchen. Dort lernen sie:

  • sich im Wasser wohlzufühlen
  • auf dem Rücken zu treiben
  • sich an spritzendes Wasser zu gewöhnen
  • nicht in Panik zu verfallen, wenn Wasser ins Gesicht spritzt

„Es bringt nichts, wenn das Kind später einen guten Schwimmstil hat, aber in Panik verfällt, wenn Wasser von der Seite spritzt“, sagt Franziska Schalm. Mit der Wassergewöhnung können Sie schon in den ersten Lebensmonaten Ihres Kindes beginnen.

Dazu können Sie Babyschwimmkurse besuchen oder allein mit Ihrem Kind Zeit im Schwimmbad verbringen. Die DLRG rät von Kursen ab, in denen Kindern ins Wasser geworfen werden - also mit Erschrecken oder Angst gearbeitet wird.

Nächster Schritt: Einen Schwimmkurs besuchen

Erst nach dem Seepferdchen-Kurs können Kinder einen Schwimmkursbesuchen. Ab dem fünften Lebensjahr sind sie motorisch in der Lage, die Schwimmbewegungen zu lernen.

Franziska Schalm rät dazu, dem Kind vor dem Eintritt in den Schwimmkurs zwei Probestunden zu ermöglichen. Eine Stunde reicht meist nicht aus, da ein Kind meist eine Stunde braucht, um warm zu werden und sich alles in Ruhe anzuschauen. In der zweiten Stunde könnte das Kind dann richtig mitmachen, so Schalm.

Mit Schwimmabzeichen können Kinder ihre Fähigkeiten zeigen.
Mit Schwimmabzeichen können Kinder ihre Fähigkeiten zeigen. Foto: Matthias Balk/dpa/dpa-tmn

Auf den Bronze-Kurs folgen weitere Kurse, die an die weiteren Schwimmabzeichen angepasst sind. Welche Kurse wo angeboten werden, richtet sich nach den Schwimmschulen. Sprechen Sie die Schwimmlehrer an und lassen Sie sich beraten.

Wichtig: Auch Kinder, die das Seepferdchen-Abzeichen erworben haben, sollten Sie intensiv beim Schwimmen beaufsichtigen, rät die DLRG.

3. Welche Schwimmabzeichen gibt es?

Mit den einzelnen Schwimmabzeichen sind unterschiedliche Anforderungen verbunden. Neben theoretischem Wissen etwa zu den Baderegeln oder zur Selbstrettung, müssen Kinder auch praktische Übungen absolvieren. Diese gliedern sich in drei Teile: Springen, Schwimmen und Tauchen.

Eine Übersicht der Anforderungen finden Sie auch bei der DLRG.

4. Wie finden Sie den passenden Schwimmkurs für ihr Kind?

Die DLRG teilt ihre Schwimmkurse nach Abzeichen ein. Welches Kind in welchem Kurs am besten aufgehoben ist, richtet sich nach dessen Können. Es gibt aber auch Ortsvereine, die höhere Abzeichen in Gruppen zusammenfügen.

Ein Kurs endet mit einem Abzeichen - es ist aber keine Pflicht, das Schwimmabzeichen abzulegen.

Im Schnitt gibt es 15 Schwimmeinheiten. Laut DLRG brauchen die meisten Kinder so lange, um schwimmen zu lernen.

Entspannt bleiben:

Von dieser Zahl sollten Sie sich frei machen, rät auch Franziska Schwalm. „Wenn ein Kind ein Jahr braucht, um Schwimmen zu lernen, dann ist das so. Jedes Kind braucht so lange, wie es eben braucht“, sagt sie.

Tipp: Vermeiden Sie, Druck auf das Kind auszuüben.

Bei der Suche nach einen Schwimmkurs, sollten Eltern nach einer kleinen Gruppe Ausschau halten, rät Franziska Schalm. So könne der Schwimmlehrer viel besser auf das Kind eingehen.

Bei der DLRG werden zehn Vorschulkinder zwei Schwimmlehrern zugeteilt. Im Grundschulalter können es dann bis zu 15 Kindern sein.

In den Schwimmkursen werden die Lehrer häufig von jungen DLRG-Mitgliedern unterstützt, die sich einbringen wollen.

Neben den Verbänden gibt es auch zahlreiche private Schwimmschulen. Die Lehrer sollten qualifiziert sein. Schalm erklärt, worauf Sie achten können - und was die Lehrer haben sollten:

  • einen aktuellen Rettungsschwimmerschein
  • am besten einen pädagogischen Hintergrund
  • Grundausbildung: Deutscher Schwimmlehrerverband oder DLRG

Wichtig ist auch, dass Sie sich bei der Suche nach dem richtigen Schwimmkurs nicht von falschen Versprechungen ködern lassen.

„Es gibt immer wieder Kurse auf dem Markt mit Seepferdchen-Garantie“, so Schalm. Die Bei diesen Gruppen sei meist zu viel Druck. Außerdem habe jedes Kind sein eigenes Tempo.

Tipp: Schwimmkurse in ihrer Nähe finden Sie etwa über die DLRG und auf den Homepages vieler Städte und Gemeinden.

Übrigens: Beim Unterricht sei wichtig, dass die Schwimmlehrer mit den Kindern im Wasser sind, um sie individuell betreuen. „Ansagen vom Beckenrand schaffen kein Vertrauensverhältnis“, sagt Schalm.

Nch dem Schwimmkurs gilt: Dranbleiben und immer wieder üben sei wichtig, so Andreas Kalbitz, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft „Mehr Sicherheit für Kinder“.

Es sei sehr wichtig, dass Eltern das Können ihres Kindes ehrlich einschätzen. „Fragen Sie sich: Ist mein Kind ein guter oder nicht so guter Schwimmer? Wo hat es Schwächen?“, sagt Kalbitz. Braucht es unter Umständen weitere Kurse, Tipps oder Hilfestellungen?

Auch beim Schwimmunterricht gilt: Übung macht den Meister.
Auch beim Schwimmunterricht gilt: Übung macht den Meister. Foto: Benjamin Nolte/dpa-tmn

Übrigens: Auch Baderegeln sind Thema im Schwimmkurs. Hier erklärt die DLRG die wichtigsten Baderegeln anschaulich für Kinder - etwa Regel Nummer 1: „Gehe nur zum Baden, wenn Du Dich wohl fühlst!“

5. Schwimmkurs: Wie unterstützen Sie ihr Kind am besten?

Tipps von den Profis, was Sie besser vermeiden sollten und wie Sie ihr Kind bestmöglich beim Schwimmen lernen unterstützen können:

  • Profis überlassen: Besser nicht dem eigenen Kind das Schwimmen beibringen, rät Schalm. Denn falsch eingeübte Bewegungen können sie nur schwer wieder korrigieren.
  • Zeit geben: Keinen Druck auf das Kind ausüben, was die Schnelligkeit des Erfolgs angeht. „Wenn ein Kind ein Jahr braucht, um Schwimmen zu lernen, dann ist das so. Jedes Kind braucht so lange, wie es eben braucht“, sagt Schalm.
  • Konzentration: Natürlich ist es spannend und süß, das eigene Kind schwimmen zu sehen. Doch Wiese rät dazu, das Kind bei dem ersten Schwimmkurs, wie der Wassergewöhnung und dem Seepferdchenkurs, mit dem Schwimmlehrer allein zu lassen. „Stellen Sie sich nicht an den Beckenrand oder an die Fensterscheibe. Das lenkt das Kind nur ab.“
  • Behutsam vorgehen: Nach ersten Schwimmerfolgen sollten Sie ihr Kind nicht überfordern. „Man kann bei Kindern viel kaputt machen, wenn man zum Beispiel sagt: 'Komm wir gehen jetzt einmal ins große Schwimmbecken', aber das Kind ist noch nicht so weit“, so Wiese.
  • Nicht ängstigen: Machen Sie Ihrem Kind keine Angst vor tiefem Wasser und vermeiden Sie Sätze wie: Pass auf, da ist es tief. „Warum muss man Angst haben, wenn das Wasser tief ist? Deshalb lernt ein Kind ja schwimmen“, sagt Wiese.

Achtung: Kleinkinder, die nicht schwimmen können, können schon in geringen Tiefen ertrinken. Ein ein Meter tiefes Wasserbecken ist genauso gefährlich wie fünf Meter tiefes Becken.

Denn: „Wenn kleine Kinder mit dem Kopf unter Wasser geraten, verlieren sie ganz schnell die Orientierung und unternehmen keine Selbstrettungsversuche“, warnt Andreas Kalbitz.

6. Ist mein Kind mit Schwimmflügeln sicher?

Eltern sollten sich nicht auf Schwimmflügel verlassen. Kann ein Kind nicht schwimmen, ist es nur im Beisein von Schwimmern sicher, so Schalm.

Oft sei es besser, wenn Kinder sich ohne Hilfsmittel im Wasser bewegen. Hilfsmittel können eine falsche Sicherheit vorgaukeln und das Kind daran hindern, ein Gefühl für das Wasser zu bekommen.

Vor allem für Kinder über drei Jahren seien Schwimmflügel ungeeignet, da der Körperschwerpunkt eines Kindes in diesem Alter in der Körpermitte liege - mit Schwimmflügeln kann das Kind nicht in die richtige Schwimmposition finden.

Schwimmflügel können eine falsche Sicherheit vorgaukeln.
Schwimmflügel können eine falsche Sicherheit vorgaukeln. Foto: Florian Schuh/dpa-tmn

Für ältere Kinder eignen sich Schwimmbretter und Schwimmnudeln.

7. Reicht es, wenn ein Kind in der Schule schwimmen lernt?

Kinder sollten vor der Einschulung einen Schwimmkurs besuchen, rät Achim Wiese. Die Lehrer könnten in den seltensten Fällen allen Schülern im Schwimmunterricht gerecht werden, so Franziska Schalm.

Außerdem habe der Schwimmunterricht in den Schulen nicht mehr die Priorität, so wie es früher einmal war. Das heißt, der Umfang der Stunden hat in den vergangenen Jahren abgenommen.

Auch der psychische Druck ist nicht zu unterschätzen: Schwimmen zu lernen oder dazu zu stehen, nicht schwimmen zu können, würde mit zunehmendem Alter schwerer, weiß Wiese. Die Scham, sich als Nichtschwimmer zu outen, steige im Teenageralter.

Nicht schwimmen zu können, kann zu Ausgrenzung führen: „Schwimmen ist auch Teilhabe. Das Freibad ist ja nicht nur Freibad. Es ist eine Sozial- und Bildungsstätte. Dort trifft man sich mit Freunden, um Spaß zu haben“, erklärt Wiese.

Je früher Kinder also Freude am Wasser und am Schwimmen entwickeln, desto besser.

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(dpa)