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Miltenberg: Zwischen Odenwald und Spessart: Miltenberg ist die Perle des Mains

Miltenberg : Zwischen Odenwald und Spessart: Miltenberg ist die Perle des Mains

Lange Zeit lag das mittelalterliche Städtchen Miltenberg in einer Art Dornröschenschlaf. Dann erweckte es vor gut einem Jahrzehnt der Tourismus. Heute schieben sich an manchen Sommertagen Menschenmassen durch die engen Gassen der Stadt am Main.

„Dann ist es richtig voll”, sagt Nadja Schillikowski vom Tourismusamt. Einer der Gründe für die Besucherströme sind die Flusskreuzfahrtschiffe, die hier anlegen. „Im vergangenen Jahr haben Hotelschiffe 356 Mal hier angelegt.”

Werner und Anna Sager, ein Ehepaar aus Salzburg, will während des vierstündigen Landgangs möglichst viel sehen. Zielstrebig steuern sie den historischen Marktplatz, „Schnatterloch” genannt, an. Er gilt mit seinen Fachwerkhäusern und dem vom Bildhauer Michael Junker Ende des 16. Jahrhunderts geschaffenen Marktbrunnen als einer der schönsten in Deutschland.

Schon die Römer bauten hier ein Kastell zur Sicherung des Limes. Im Mittelalter erlangte die Siedlung an der Handelsstraße Nürnberg-Frankfurt große Bedeutung - die Fuhrwerke mussten hier über den Main gebracht werden. So entstand ein Handelsplatz. Weinbau und Weinhandel dominierten das Wirtschaftsleben dieser zwischen Odenwald und Spessart gelegenen Kleinstadt.

Über Miltenberg thront eine kleine Festung, die Mildenburg. „Die erste urkundliche Erwähnung gibt es aus dem Jahr 1226, damals befand sie sich im Besitz der mächtigen Erzbischöfe von Mainz”, ruft die Schweizer Reiseleiterin Susann ihrer Gruppe zu. „Während des Bauernkriegs nahm Reichsritter Götz vor Berlichingen mit seinem Odenwalder Haufen hier Zuflucht.” Heute befindet sich die Burg im Besitz der Stadt und kann, ausgenommen montags, besichtigt werden.

Tagestouristen prägen das Bild der Stadt mit ihren etwa 9500 Einwohnern. Sie staunen über Schaufenster kleiner Läden, die mit ihrer Dekoration schon vor 100 Jahren so ausgesehen haben könnten. Die Besucher kommen nicht nur von den Schiffen. „Viele Fahrradtouristen unterbrechen hier ihre Reise auf dem Mainradweg”, erzählt Nadja Schillikowski. Auf diesem Radweg können sie von Wiesbaden bis nach Bayreuth fahren. Rund 600 Kilometer ist die zu mehr als 90 Prozent asphaltierte Strecke lang.

Liebhaber alter Städtchen bleiben über Nacht in Miltenberg, um die mittelalterliche Atmosphäre zu genießen. Ein paar Hotels in der Altstadt bieten eine überschaubare Zahl von Zimmern, dazu kommen private Vermieter. Als Tipp für Nostalgiker gilt das Gasthaus „Riesen”. Nadja Schillikowski beschreibt es als „älteste Fürstenherberge Deutschlands”. Die Unterkunft wurde schon im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt, 1368 soll Kaiser Karl IV. hier ein paar Tage gewohnt haben.

Die Stadtgeschichte hat aber auch eine dunkle Seite: Das Gebiet um Miltenberg zählte während des Dreißigjährigen Krieges zu den Zentren des Hexenwahns. Auf dem Höhepunkt der Hexenprozesse gerieten 453 Personen unter Verdacht. Über 69 von ihnen fällten die „Gerichte” Todesurteile und schickten sie auf den Scheiterhaufen. Die Annalen der Stadt nennen als Zeit der Hexenjagd die Jahre 1615 bis 1629. Viele Touristen hören die gruseligen Geschichten darüber heute ganz gern.

Tourismusgemeinschaft Miltenberg, Engelplatz 69, 63897 Miltenberg (Tel.: 09371/40 41 19).