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Köln: Wo Niedecken spielt und Biolek speist: Promi-Tipps für Kölnbesucher

Köln : Wo Niedecken spielt und Biolek speist: Promi-Tipps für Kölnbesucher

Köln ist keine Schönheit wie Hamburg oder München und erst recht keine Weltstadt wie Berlin. Und doch gelten die Kölner als die größten Lokalpatrioten. Karnevalslieder wie „Viva Colonia” und „Hey Kölle - Du bes e Jeföhl” bezeugen das. Um sich den Charme der Millionenstadt zu erschließen, ist man hier mehr noch als an anderen Orten auf die Tipps von Einheimischen angewiesen.

Alfred Biolek (80) erinnert sich noch an die erste Reaktion seiner Mutter, als er ihr Anfang der 70er Jahre erzählte, dass er aus beruflichen Gründen von München nach Köln ziehen werde. „Da ist es doch kein bissele schön!”, warnte sie ihn. Und doch hat sich Biolek von Anfang an wohlgefühlt: „Es ist eine offene Stadt, sie schließt niemanden aus. In München gehört lang nicht jeder mit dazu. In Köln schon.”

Im Weinhaus Secco hat Günter Wallraff seinen 70. Geburtstag gefeiert.
Im Weinhaus Secco hat Günter Wallraff seinen 70. Geburtstag gefeiert. Foto: Weinlokal Secco/Cordelia Dilg

Biolek wohnt im Belgischen Viertel, dem Genießerviertel von Köln voller Restaurants, Straßencafés und origineller kleiner Läden. Der ehemalige „alfredissimo!”-Moderator empfiehlt unter anderem sein Stammlokal „Acht”. Auch die Tapas-Bar „Ouzeria” schätzt er, und seinen Milchkaffee trinkt „Bio” bevorzugt im Café-Restaurant „Stadtgarten”, das er von seiner Wohnung aus sehen kann. Der Stadtgarten ist Kölns älteste Parkanlage voller knorriger Baumriesen.

Alfred Biolek wohnt im Belgischen Viertel, wo es viele Restaurants gibt - sein Stammlokal heißt Acht.
Alfred Biolek wohnt im Belgischen Viertel, wo es viele Restaurants gibt - sein Stammlokal heißt Acht. Foto: Restaurant Acht

Überquert man vom Belgischen Viertel aus die Innere Kanalstraße - eine der berüchtigten Schnellstraßen, die Köln überall durchschneiden - kommt man ins Multikulti-Viertel Ehrenfeld. Es ist schon von weitem an der mächtigen Kuppel der Zentralmoschee zu erkennen. Dies ist die Heimat von Günter Wallraff. Keine hundert Meter von seiner Wohnung entfernt pocht Ehrenfelds Hauptschlagader, die Venloer Straße. Tagsüber droht hier ständig der Verkehrsinfarkt: Autos parken in der zweiten Reihe, Lieferwagen blockieren den Radweg. Doch mitten in diesem Chaos sieht man Cafébesucher seelenruhig am Straßenrand sitzen, Tee trinken und das Gesicht in die Sonne halten. Diese relaxte Grundhaltung ist typisch für Ehrenfeld.

Alfred Biolek schätzt die Tapas-Bar Ouzeria.
Alfred Biolek schätzt die Tapas-Bar Ouzeria. Foto: Gastronomie Ouzeria

Günter Wallraff kennt hier jede Ecke. Da ist die über 40 Jahre alte Taverne „Alekos”, dem Vernehmen nach Kölns ältester Grieche. Da ist die Traditionsgaststätte „Haus Scholzen”, wo man Wochen im Voraus buchen muss. Und da ist das Weinhaus „Secco”, in dem Wallraff seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. „Streng genommen bin ich kein Kölner, sondern Ehrenfelder”, stellt der Enthüllungsjournalist klar. „Hier sind Zugewanderte aus allen möglichen Kulturen. Und: Es gelingt. In den Schulen wachsen die Kinder zusammen auf.”

Günter Wallraff kennt in Ehrenfeld jede Ecke - die Taverne Alekos gilt als ältestes griechisches Restaurant der Stadt.
Günter Wallraff kennt in Ehrenfeld jede Ecke - die Taverne Alekos gilt als ältestes griechisches Restaurant der Stadt. Foto: Taverne Alekos

Was für Wallraff die Venloer Straße, ist für Wolfgang Niedecken (63) die Severinstraße - ein uralter römischer Ausfallweg, der heute das Herz der Kölner Südstadt bildet. In dieser viel besungenen, urkölschen Straße ist für den BAP-Sänger fast jedes Haus mit einer Kindheitserinnerung verknüpft. Vor dem Eckhaus Severinstraße 1 - direkt gegenüber dem mittelalterlichen Stadttor - deutet er auf das Fenster ganz links in der zweiten Etage: „Da bin ich aufgewachsen, ich hatte hinten das letzte Zimmer.” Im Erdgeschoss betrieb sein Vater Josef ein Lebensmittelgeschäft.

Der Stadtgarten ist Kölns älteste Parkanlage - Alfred Biolek wohnt hier gleich um die Ecke. (ACHTUNG - HANDOUT - Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung der Quelle. Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei.)
Der Stadtgarten ist Kölns älteste Parkanlage - Alfred Biolek wohnt hier gleich um die Ecke. (ACHTUNG - HANDOUT - Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit dem genannten Text und nur bei vollständiger Nennung der Quelle. Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei.) Foto: Stadtgarten Köln/Laurence Vournard

Zwischen den Ständen eines Bauernmarktes schaut er an der spitztürmigen Severinskirche empor, einer der zwölf wunderschönen romanischen Kirchen der Stadt: Dort ist er getauft worden, zur Kommunion gegangen und Messdiener gewesen. Niedecken mag ihn, den „Dorfzustand hier”, der auch für andere Kölner „Veedel” so typisch ist.

Wolfgang Niedecken ist in der Kölner Südstadt aufgewachsen - in der Severinstraße hatte sein Vater ein Lebensmittelgeschäft.
Wolfgang Niedecken ist in der Kölner Südstadt aufgewachsen - in der Severinstraße hatte sein Vater ein Lebensmittelgeschäft. Foto: Christoph Driessen

Die Anfänge von BAP sind mit dem Namen „Chlodwig-Eck” in der Annostraße 1-3 verbunden. Hier gaben sie ihre ersten Konzerte, feierten ihre Plattenerfolge. „Ja”, sagt Niedecken, „ich weiß schon, wo ich hingehör.”

Über den Dächern der Stadt - streng genommen sei er kein Kölner, sagt Günter Wallraff, sondern Ehrenfelder.
Über den Dächern der Stadt - streng genommen sei er kein Kölner, sagt Günter Wallraff, sondern Ehrenfelder. Foto: Christoph Driessen

Viele Köln-Besucher wollen ein richtiges Brauhaus erleben - dafür ist die Kölsch-Stadt schließlich weithin bekannt. Eines der ursprünglichsten ist das „Päffgen” in der Friesenstraße. Dort hatte Alice Schwarzer - Wahl-Kölnerin seit 1976 - ein Erlebnis der besonderen Art mit der französischen Philosophin Simone de Beauvoir: Der Gast aus Paris hatte rheinischen Sauerbraten bestellt, aber nach einer Stunde stand immer noch nichts auf dem Tisch.

An der großen Kuppel der Zentralmoschee ist Kölns Multikulti-Viertel Ehrenfeld schon von weitem zu erkennen.
An der großen Kuppel der Zentralmoschee ist Kölns Multikulti-Viertel Ehrenfeld schon von weitem zu erkennen. Foto: Christoph Driessen

Schwarzer ging in die Küche: „Sagt mal Leute, was ist denn los?” Die Antwort: „Der Koch ist besoffen!” Madame de Beauvoir bekam einen Lachanfall. Und Schwarzer schätzt bis heute „die selbstverständliche Offenheit der Kölner, die Herzlichkeit der Begegnung, die Selbstironie”.

Günter Wallraff kennt in Kölns Stadtteil Ehrenfeld jede Ecke - auch die Traditionsgaststätte Haus Scholzen, wo man lange im Voraus buchen muss, um einen Platz zu bekommen.
Günter Wallraff kennt in Kölns Stadtteil Ehrenfeld jede Ecke - auch die Traditionsgaststätte Haus Scholzen, wo man lange im Voraus buchen muss, um einen Platz zu bekommen. Foto: Christoph Driessen

Nach so viel Kölschem mag einem der Sinn nach einer eher international gefärbten Location stehen. Ideal wäre dann das Kino „Metropolis”, das alle Filme im Original zeigt. Hier trifft sich Kölns beachtliche englischsprachige Exil-Gemeinde. Und vielleicht begegnet man sogar Charlotte Roche (36), die das Kino als gebürtige Britin zu schätzen weiß. Das angrenzende Agnesviertel ist ein Schmuckstück mit vielen Gründerzeitfassaden und urgemütlichen Bars und Cafés.

Alfred Biolek hat sich in Köln von Anfang an wohl gefühlt - er wohnt im Belgischen Viertel und schätzt dort nicht zuletzt die vielen Restaurants und Cafés in der Nähe seiner Wohnung.
Alfred Biolek hat sich in Köln von Anfang an wohl gefühlt - er wohnt im Belgischen Viertel und schätzt dort nicht zuletzt die vielen Restaurants und Cafés in der Nähe seiner Wohnung. Foto: Christoph Driessen/dpa

Die Autorin von „Feuchtgebiete” will jedenfalls nie mehr da weg. Als sie vor einiger Zeit auf dem Amt gefragt wurde, ob ihre Adresse noch stimme, hat sie geantwortet: „Ja. Und das bleibt auch so. Für immer.”

(dpa)