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Potsdam: Weihnachtsmärkte in Potsdam: Advent an der Havel

Potsdam : Weihnachtsmärkte in Potsdam: Advent an der Havel

Ein Brandenburger Tor hat Potsdam auch. Es ist sogar etwas älter als das in Berlin. Zu Fuß höchstens zwei Minuten entfernt steht Birgit Ritschel vor der Tourist-Info in der Brandenburger Straße. Die Stadtführerin zeigt Besuchern in der Adventszeit die weihnachtlichen Seiten Potsdams - oder zumindest einige davon.

Denn Brandenburgs Hauptstadt hat auch in dieser Hinsicht viel zu bieten. Einen böhmischen Weihnachtsmarkt gibt es, genau wie einen polnischen und in diesem Jahr auch wieder einen im Holländischen Viertel. Nicht weit von Schloss Sanssouci entfernt erstreckt sich das Weihnachtsdorf auf dem Krongut Bornstedt. Und die Brandenburger Straße wird zusammen mit dem benachbarten Luisenplatz ebenfalls zum Weihnachtsmarkt, der schon am 25. November eröffnet.

Das Brandenburger Tor war ein Auftrag Friedrich des Großen. Er ließ es 1770 in Form eines römischen Triumphbogens bauen. Bis zur Zeit um 1900 verlief dort, wo es steht, die Stadtmauer - heute reicht der Weihnachtsmarkt bis hier an das eine Ende der Brandenburger Straße.

An dem anderen steht die katholische Propsteikirche St. Peter und Paul. Gerade wird dort der Weihnachtsbaum aufgestellt, obwohl es bis Heiligabend noch ein paar Wochen hin sind. Der Tannenbaum wirkt riesig, mehrere Männer ziehen ihn durch das Kirchenschiff in den Altarraum. Allein der Christbaumständer reicht einem Erwachsenen bis an die Hüfte. Auch die Krippe steht dort vorne schon - Potsdam ist in Weihnachtsstimmung, und das spätestens ab dem ersten Advent.

Direkt neben der Kirche liegt der Bassinplatz, wo die Händler auf dem Wochenmarkt sich ebenfalls längst auf Weihnachten eingestellt haben: Tannengrün gibt es gleich an mehreren Ständen und auch schon Wildschwein- oder Entenbraten. Wer noch etwas länger bummeln will, hat auf dem Weihnachtsmarkt in der Brandenburger Straße eine Riesenauswahl an Ständen.

Handgestrickte Wollmützen sind hier gleich neben bunten großformatigen Kunstwerken oder Christbaumschmuck aus dem thüringischen Lauscha zu haben. Glühwein mit Rumkirsche gibt es genauso wie heißen Caipirinha. Marzipankartoffeln und frische Mutzen sind im Angebot oder „ein halber Meter Bratwurst”. An einem Stand werden polnische Spezialitäten verkauft: Bigos zum Beispiel und Krakauer - für alle, die am Nikolauswochenende keine Zeit für den Polnischen Weihnachtsmarkt auf dem Kutschstallhof haben.

Birgit Ritschel zeigt auf ihrer Tour durchs vorweihnachtliche Potsdam aber auch die klassischen Touristenattraktionen der Stadt: die Fachwerkhäuser zum Beispiel, die der Soldatenkönig Friedrich-Wilhelm I. bauen und sein Sohn Friedrich der Große mit schicken Schaufassaden verkleiden ließ, die an Verona, Vicenza oder Paris denken lassen sollten. Potsdam sollte was hermachen.

Zu Zeiten der beiden Preußenkönige war es in der Vorweihnachtszeit allerdings sehr viel unauffälliger und ungemütlicher als heute. „Weihnachtsbäume gab es damals noch nicht”, sagt Ritschel. Die kamen erst gegen Anfang des 19. Jahrhunderts in die Stadt. Und der Soldatenkönig, notorisch knauserig und furchtbar streng, war auch nicht gerade ein Weihnachtsfan - Gottesdienste an den Weihnachtstagen hielt er für Schnickschnack und ließ die Kirchen dann kurzerhand schließen. Der letzte deutsche Kaiser, Wilhelm II., feierte dagegen gerne Weihnachten - und am liebsten in Potsdam. „Immer im Neuen Palais”, erzählt Birgit Ritschel.

Das Holländische Viertel, das schon am Bassinplatz beginnt, gehört zu Potsdams nettesten Ecken, und im Advent wird es hier nochmal stimmungsvoller. Vor allem am 13. und 14. Dezember, wenn das Sinterklaasfest gefeiert wird und dazu auch zahlreiche Händler und Künstler aus den Niederlanden anreisen. Die Backsteinhäuser mit ihren weißen Fensterläden, ansehnlichen Holztüren und geschwungenen Giebeln, sind dafür eine schöne Kulisse.

In der Vorweihnachtszeit wird es schon um halb fünf schwummrig. Laternen und Lichtgirlanden oder hier und da ein leuchtender Herrnhuter Stern an den Giebeln wirken dann umso gemütlicher. Und wer anfängt zu frieren: Im Holländischen Viertel reihen sich Galerien an Kunst- und Antiquitätengeschäfte, Restaurants und Cafés, in denen auch Holländischer Kaffee serviert wird: mit Eierlikör und Sahne. Birgit Ritschel nimmt sich die Zeit für einen Abstecher zu Jan Bouman: Der 1706 in Amsterdam geborene Schiffsbauer war die treibende Kraft hinter der Entwicklung des Viertels.

Als preußischer Oberbaudirektor ließ er ein Haus nach dem anderen hochziehen. „Allein 134 waren es zwischen 1732 und 1738”, erzählt die Stadtführerin. Eines davon in der Mittelstraße trägt heute seinen Namen und ist ein Museum. Ritschel erzählt in der Ausstellung, wie die Holländer in den Zeiten des Soldatenkönigs nach Potsdam kamen. „Es hieß dann bald „Klein Holland an der Havel”.” Im Bouman-Haus zu sehen sind viele Alltagsgegenstände aus dem 18. Jahrhundert: Kessel und Töpfe neben der einfachen Feuerstelle zum Beispiel. Vom 15. November bis zum Jahresende gibt es außerdem die Ausstellung „Sinterklaas & zwarte Piet” zur Tradition des Nikolausfestes in den Niederlanden.

An den heiligen Nikolaus erinnert auch die St. Nikolai-Kirche am Alten Markt, einem weiteren touristischen Hotspot der Stadt. Ritschel öffnet die Tür und geht schon einmal vor. Potsdams evangelische Hauptkirche wurde nach Plänen von Karl-Friedrich Schinkel erbaut, Preußens wichtigstem Architekten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Und sie wirkt auch ausgesprochen klassizistisch mit ihren korinthischen Säulen vor der Fassade und der riesigen Kuppel, die schon von außen Aufsehen erregt und von innen noch mehr Eindruck macht. Der Petersdom in Rom soll da ein Vorbild gewesen sein. Neben der Kanzel hängt bereits ein Adventskranz und hoch über dem Hauptschiff ein Weihnachtsstern. Auch der Tannenbaum steht schon.

Gegenüber der Nikolaikirche steht heute wieder das Stadtschloss. Es stammte ursprünglich aus dem Jahr 1745, wurde aber durch Bombardierung 1945 schwer beschädigt und dann 15 Jahre später gesprengt. Der erste Spatenstich für den Wiederaufbau war im März 2010. Heute ist im Schloss der brandenburgische Landtag untergebracht. Besichtigungen sind möglich - aber dafür bietet sich ein anderer Zeitpunkt als ausgerechnet vor Weihnachten vermutlich eher an.

Jede weihnachtliche Stadtführung endet mit einer „Nascherei”. Zu probieren gibt es dann eine der Spezialitäten, die in Potsdam Tradition haben. Rabiens Baumkuchen zum Beispiel. Rabien war ehemals die Potsdamer Hofkonditorei. Serviert wird der weiß glasierte „König der Kuchen” zum Beispiel im 1878 gegründeten „Café Heider” in der Friedrich-Ebert-Straße.

Für seinen Stollen und seine Dominosteine hat dagegen die „Konditorei Schröter” einen Namen, seit 60 Jahren in der Dortustraße zu Hause. Vater Erich überlässt das Geschäft inzwischen weitgehend seinen beiden Söhnen: Bäckermeister Andreas ist der Experte für Butter-, Mandel- Marzipan- oder Mohnstollen. „Butterstollen ist am beliebtesten”, sagt er. Das Familienrezept ist schon mehrere Generationen alt. „Details sind geheim.” Probieren kann man ihn aber - oder gleich einen ganzen kaufen, falls man ein Stück weihnachtliches Potsdam mit nach Hause nehmen möchte.

Weitere Informationen gibt es bei der Tourist-Info Potsdam, Brandenburger Straße 3, 14467 Potsdam, Telefon: 0331/27 55 88 99, E-Mail: tourismus-service@potsdam.de oder auf der Homepage: www.potsdamtourismus.de.

(dpa)