Bornholm: Wandern auf Bornholm: Tierbegegnungen in prächtiger Landschaft

Bornholm : Wandern auf Bornholm: Tierbegegnungen in prächtiger Landschaft

Vor Millionen von Jahren stapften Dinosaurier hier am Strand entlang. Heute wandern Eidechsen und Menschen durch den Sand von Bornholm. Auf der dänischen Ostseeinsel können Urlauber an drei Tagen drei ganz unterschiedliche Landschaften durchstreifen und dabei etlichen Tieren begegnen, ob lebendigen, toten oder solchen aus Stein.

Eine Strandwanderung führt auf die Landzunge von Dueodde im Südosten Bornholms. Ortskenner starten die Halbtagestour am Ende des Fyrvejen, der Straße am Kiefernwäldchen vor dem Strand. Dort steht auch ein besonderes Kiosk. Johnny Jensen, weißhaariger Besitzer des Krølle Bølle Kiosken, empfängt die Besucher mit einem Lächeln. „Das ist schon unsere 27. Saison in Dueodde. Bornholmer Softeis schmeckt jedem”, sagt er.

Vorsicht wildes Tier: Mit etwas Glück kann man auf Bornholm auch Wisente beobachten. Foto: dpa

Dann taucht er den Zipfel aus Sahnevanillemasse in die Lakritzstreusel, eine seltsame Inseldelikatesse. Mit der Waffel in der Hand folgt man nun dem Pfad unter den Kiefern zu einem Steg aus Holzplanken. Der führt bis zum Meer und mitten durch die Dünenlandschaft.

Götterheim: Gudhjem ist eines beliebtesten Ziele von Wanderern auf Bornholm. Foto: dpa

Eidechsen sonnen sich auf diesem 500 Meter langen Holzpfad durch die Sandhügel, Kinder schleppen Plastikbagger. Der Sand wirkt so fein und weiß wie Mehl aus den letzten Bornholmer Windmühlen. Kein Zivilisationsmüll, keine Muscheln. Die Wellen spülen in Dueodde nur Tangbündel ans Ufer. Wanderer stapfen am Meer der Sandlandzunge in Richtung Nordosten, bis zum Örtchen Snogebæk. Markante Schornsteine und Teller mit blanken Gräten verraten die vielen Fischräuchereien.

Was das Meer hergibt: In zahlreichen Räuchereien auf Bornholm werden Fische zubereitet. Foto: dpa

600.000 Urlauber kommen jedes Jahr zwischen Mai und Oktober nach Bornholm. 41.000 Menschen leben auf der 588 Quadratkilometer kleinen Insel, 14.000 davon in Rønne, der Hauptstadt. Wanderer zieht es jedoch zu einer Tagestour in den Norden nach Gudhjem, was übersetzt Götterheim bedeutet. Dort lockt die Steilküste.

Feierabendritual: Lucas Waltoft Schmidt bereitet den Hot Tub für das Bad vor. Foto: dpa

Der Küstenpfad zu den Klippen von Helligdommen beginnt am nordwestlichen Ortsausgang. Der Weg wird bald steiler. Tiefblau leuchtet die Ostsee. Ein paar aufrecht gestellte Felsen bewachen den Wegesrand. Hestestenene heißen sie, Pferdesteine, archäologisch rätselhafte Hinterlassenschaften der Insulaner vor vermutlich zwei Jahrtausenden. Angeblich wurden Pferde über den Rand der Steilküste getrieben, als Kultopfer. Das besagt zumindest die Legende.

Zwei Stunden lang geht es über Stöcke und Steine, durch Matschlöcher und eine Geröllkaskade, Felsenbuchten hinab, Erdstufen hinauf und zu Abgründen hinter morschen Geländern. Das Ziel: Die 20 Meter hohen Helligdomsklipperne gelten als schroffste Steilklippen von Dänemark. Auf die Wiese darüber wurde ein Kunstmuseum gebaut. Die heilige Quelle der Klippen entspringt seit 1993 im Museumsfoyer. Das Rinnsal fließt zwischen Werken von Bornholmer Künstlern Stockwerk für Stockwerk hinunter zum Steinstrand.

Neugierige wandern durchs Museum und dann den Pfad zurück nach Gudhjem. Dort streiten am Abend an der Hafenmole Möwen um Softeiswaffelreste. Neben Fischerbooten rührt Lucas Waltoft Schmidt in einem dampfenden Bottich, seinem Hot Tub. Für den Hafencafébetreiber gehört es zum Feierabendritual. „Mit einem Bier hyggelig im heißen Wasser liegen, aufs Meer schauen. Jeder darf mitmachen!” Hyggelig, gemütlich, ist ein Lieblingswort der Bornholmer.

Am nächsten Morgen geht es entspannt in den Wald im Inselinneren, wo sich Abenteuerliches verbirgt. Am langen Zaun mitten im Wald warnen Schilder vor gehörnten Tieren. Das 38 Quadratkilometer große Forstgebiet um Almindingen bildet den drittgrößten Wald im Königreich Dänemark. 2012 wurden darin sieben Wisente aus einem polnischen Nationalpark angesiedelt. Auf Bornholm darf man das Revier dieser Wildrinder zu Fuß erkunden.

„Man muss den Bisoninstinkt haben! Ich folge meiner Intuition”, sagt Jens Kofoed. Plötzlich verlässt der 62-Jährige die Schneise durch die Fichten und eilt über eine hüfthohe nasse Moorwiese davon. Wisentfans in seiner Obhut folgen mit Vorsicht im Gänsemarsch. Kofoed arbeitet als Naturführer und Hobbypaläozoologe. 2008 fand er am Strand sogar den versteinerten Zahn eines einheimischen Fleischfressers, des Raubsauriers Dromaeosauroides bornholmensis. Aber wo stecken die Waldbewohner mit Hörnern und zotteligem Fell?

Auf den Fichtennadeln am Boden prangt der Verwandte eines Kuhfladens, ein Wisentfladen. „Höchstens einen Tag alt, eine frische Spur”, meint Kofoed. Irgendwo zwischen den eng stehenden Stämmen nagen die Wisente an den Rinden herum. Sie könnten sich in jeder Schattenzone verbergen. Etwas unheimlich ist das schon. Doch die mächtigen Huftiere bleiben unsichtbar. „Es gibt keine Bisongarantie.”

Doch Kofoed hat einen Tipp. Im nahen Naturkundemuseum wartet das Skelett von Muffel, einem der Vorfahren heutiger Wisente. Müde Wanderer können sich dort auf ein Transportband stellen und einfach durch die Bornholmer Erdgeschichte fahren lassen. Wo schon vor 140 Millionen Jahren Dinosaurier ihre Fußstapfen im Sand hinterließen, als die dänische Ostseeinsel noch eine Tropenlagune war.

(dpa)