Grevenbroich/Stommeln: Vier Pfoten auf Reisen

Grevenbroich/Stommeln: Vier Pfoten auf Reisen

Viele Hundebesitzer wollen sich auch im Urlaub nicht von ihrem Liebling trennen und nehmen Betty, Baffie oder Lerry einfach mit auf die Reise. Doch solche Urlaubsgemeinschaften sollte man sich gut überlegen - und entsprechend vorbereiten.

„Grundsätzlich steht einer Urlaubsreise mit Hund nichts im Weg”, schildert Udo Kopernik vom Verband für das Deutsche Hundewesen in Dortmund seine Erfahrungen. „Allerdings muss man bereits vor Antritt der Reise die entsprechenden Vorbereitungen treffen.

Neben Einreisebestimmungen, EU-Heimtierausweis und der Art der Anreise gibt es einiges zu bedenken.” Die wichtigste Frage lautet: Ist ein Vierbeiner im Urlaubsquartier überhaupt gerne gesehen? Hunde müssen zwar keine Koffer packen - aber dennoch benötigen sie einige wichtige Utensilien, wenn es auf die Reise geht. Futter- und Wassernäpfe gehören zum Reiseequipment. Auch das Lieblingsspielzeug sowie eine weiche Hundedecke sollten keinesfalls fehlen. Abhängig vom Ziel der Reise sollte man außerdem daran denken, Hundefutter mitzunehmen. Oft ist die gewohnte Futtersorte am Urlaubsort nicht erhältlich oder wird für einen horrenden Preis angeboten.

Wie für den menschlichen Urlauber empfehlen Fachleute für reisende Tiere eine entsprechende Apotheke. Dort hinein gehören Medikamente, die der Hund akut einnehmen muss, außerdem Wunddesinfektionsmittel, Wundspray, Mull, eine Zeckenzange, Beruhigungsmittel für anstrengende Reisen sowie Heilsalbe für rissige Pfoten. „Zusätzlich sollte man sich beim Tierarzt erkundigen, welche besondere Vorsorgemaßnahmen sich für das ausgeguckte Ferienziel empfehlen, wie beispielsweise eine Zeckenprophylaxe”, sagt Jana Malinowski von der Tierklinik in Stommeln.

In manchen Ländern ist es Pflicht, Hunden in öffentlichen Verkehrsmitteln und auf Fährschiffen Leine und Maulkorb anzulegen. Wenn man ein solches Ziel ansteuert, dürfen Halsband, Leine und Maulkorb im Reisegepäck also nicht fehlen. In jedem Fall sollte man sich rechtzeitig vor Reisebeginn erkundigen, welche Impfungen und Papiere nötig sind und was man als Hundebesitzer jenseits der Grenzen beachten muss - sowohl am eigentlichen Urlaubsdomizil als auch in einem Transitland.

Autofahren macht wohl den meisten Hunden Spaß. „Allerdings gibt es Hunde, die Autofahren überhaupt nicht mögen”, weiß der Grevenbroicher Hundetrainer Oliver de Vries. Er empfiehlt, diese Tiere während der Urlaubszeit lieber daheim in einer Pflegefamilie oder Hundepension unterzubringen. Zumeist aber gewöhnt sich ein Hund ans Autofahren - mitunter nach ein bisschen Training. „Unternehmen Sie anfangs nur kurze Fahrten, dann kann sich das Tier auf die noch ungewohnte Umgebung einstellen”, rät de Vries.

Vor einer langen Fahrt sollte immer Zeit für einen Spaziergang mit dem Hund sein, damit er sich entleeren kann. Zudem sollte man darauf achten, dass sich das Tier vor der Fahrt nicht unkontrolliert „den Bauch vollschlägt”. Ein voller Magen kann bei einem reisenden Hund Übelkeit verursachen und einen unangenehmen Brechreiz auslösen. Um Übelkeit zu vermeiden, sollte der Hund während der letzten Stunden vor der Abreise nichts mehr zu fressen bekommen.

Besonders achten muss man bei Autoreisen auf die Sicherung des Hundes. Zur Auswahl stehen Hundereiseboxen, in denen der Hund bei entsprechender Platzierung und Sicherung am besten geschützt ist, oder ein Sicherheitsgurt, der am Rücksitz montiert und am Brustgeschirr befestigt wird. Wer seinen Fahrtgenossen mit dem Halsband sichert, begeht einen folgenschweren Fehler: „Schon bei einer kräftigen Bremsung wird der Hund gewürgt, im schlimmsten Fall droht ein Genickbruch”, warnt Hundekenner Kopernik, der selbst immer wieder mit seinen drei Pyrenäen-Hütehunden mit dem Auto unterwegs ist.

Da Hunde nicht schwitzen, müsse man sie bei Autoreisen auch vor der Sonne schützen. „Die hinteren Seitenscheiben des Fahrzeugs können beispielsweise mit einem leicht zu installierenden Sonnenschutz versehen werden. Auch ein feuchtes Handtuch, das man einfach für wenige Minuten auf den Hundekörper legt, kann hilfreich sein”, sagt Kopernik.

Bei großer Hitze muss man zudem auf eine regelmäßige Versorgung mit frischem Trinkwasser achten, und die vierbeinigen Urlaubsbegleiter sollten niemals allein im Auto zurückgelassen werden.

Während der Urlaubsfahrt mit Hund sind Pausen wichtig. „Ungefähr alle zwei Stunden sollte man einen kleinen Auslauf unternehmen”, legt Tierärztin Malinowski den menschlichen Reiseleitern ans Herz. Ein Rat, den Autofahrer übrigens auch ohne Hund beherzigen sollten. Bei der Ruhepause auf einem Rastplatz sollte das Tier stets angeleint sein. Denn auch wenn der Hund ansonsten auf das leiseste Kommando hört, kann es passieren, dass er verunsichert auf die ungewohnte Umgebung, den Reisestress und unbekannte Geräusche reagiert.

Am Urlaubsziel sollte der Hund langsam an die neue Umgebung gewöhnt werden. Dabei helfen beispielsweise ausgedehnte Spaziergänge. „Man sollte seinen Hund niemals gleich allein lassen”, betont Tiermedizinerin.

Die Einreisebestimmungen

Über die Einreisemodalitäten für den Urlaubsort kann man sich bei seinem Tierarzt informieren. Innerhalb der EU müssen Hunde durch einen unter die Haut implantierten Chip eindeutig identifizierbar sein. Zusätzlich muss der Hundehalter den EU-Heimtierausweis mit sich führen. Auch den stellt der Tierarzt aus.

Diese und weitere Informationen über länderspezifische Einreisemodalitäten finden sich auf der Internetseite des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (bmelv.de) unter der Rubrik „Verbraucherschutz & Informationsrechte” - „Reisen & Verkehr”. Im Bereich „Landwirtschaft & Ländliche Räume” findet man dort auch allgemeine Informationen zur Tiergesundheit.

Schutz vor Sonnenbrand

Auch Hunde können einen Sonnenbrand bekommen. Um dem vorzubeugen, sollte man den Hund auf dem empfindlichen Nasenspiegel mit Sonnencreme eincremen.

Das Fell dient dem Hund als Schutz gegen Hitze. Den Hund deshalb vor einer Reise in den Süden nicht scheren. Eine Ausnahme gilt bei sehr langhaarigen Zotteln, die rasch verfilzen.

Am Strand für einen schattigen Hundeplatz sorgen und ausreichend Trinkwasser dabeihaben.

(Quelle: Jana Malinowski, Tierärztin aus Stommeln)

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