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Viele Sehenswürdigkeiten und Kultur für Lissabon Reisende

Viele Sehenswürdigkeiten und Kultur für Lissabon Reisende

Lissabon. Die Bewohner der portugiesischen Hauptstadt sind manchmal ein bisschen traurig. Dabei haben sie eigentlich keinen Grund dafür, denn das am Tejo gelegene Lissabon gehört zu den schönsten Städten Europas.

Doch der Saudade, dieser wehmütigen Grundstimmung, die sich irgendwie bei allen Portugiesen wiederfindet, können auch sie sich nicht entziehen. In Lissabon kann man die Saudade auch hören. Der Fado, übersetzt Schicksal, erzählt von vergangenen Zeiten, von sozialen Problemen und natürlich von unglücklicher Liebe.

Entstanden ist er Anfang des 19. Jahrhunderts in den Armenvierteln der Stadt. Dort sangen in Kneipen und Bordellen neben den Prostituierten vor allem harte Jungs wie Matrosen oder Gauner mit Tätowierungen und Messern am Gürtel die schwermütigen Lieder.

Rund 100 Jahre später hielt der Fado dann auch in bürgerlichen Kreisen Einzug und war gesellschaftlich anerkannt. Doch der Fado ist keine Folklore, er wird immer noch gelebt - und geliebt. Die jungen Fado-Sänger sind Popstars, die 30-jährige Ana Moura stand mit den Rolling Stones auf der Bühne und auch die 35-jährige Mariza füllt bei ihren Konzerten die größten Hallen.

Aber man hört den Fado auch noch an seinem Ursprungsort, in den Straßen der Alfama. Im ältesten Stadtviertel Lissabons klingen die melancholischen Töne aus so manchen Fenstern oder kleinen Restaurants heraus und begleiten den Streifzug durch die engen Gassen. Manche davon sind so schmal, dass man mit ausgebreiteten Armen beinahe die Häuserwände auf beiden Seiten gleichzeitig berühren kann.

Doch so romantisch wie die Alfama für Besucher auch wirkt, für die Bewohner kann das Leben in diesem Viertel beschwerlich sein. Viele der alten Gebäude verfügen nur über einfachste Sanitäranlagen und manche Wohnungen haben nicht mal eine eigene Toilette. Das ist auch eine Auswirkung der Zeiten der Diktatur, als Mieten in den Städten nicht erhöht werden durften - mit der Folge, dass die Gebäude mangels Geld immer mehr verfielen. Erst seit den 1990er Jahren sind moderate Mietsteigerungen erlaubt und heute sieht man vor immer mehr Häusern der Alfama Gerüste stehen.

Man kann sich in dem unübersichtlichen Häuserlabyrinth leicht verlaufen - verloren gehen kann man aber nicht. Wer immer bergab geht, landet irgendwann unweigerlich am Tejo. Doch die meisten zieht es in die umgekehrte Richtung, hinauf zum Castelo de Sao Jorge, der Festung hoch über den Dächern der Alfama. Von den Burgmauern aus bietet sich ein einzigartiger Rundblick über die Altstadt und den träge dahinfließenden Fluss.

Den historischen Kern Lissabons kann man sich eigentlich recht gut zu Fuß erlaufen. Wenn es nur nicht immer bergauf gehen würde. Aber da die Einwohner Lissabons sich schon in früheren Zeiten nicht immer hinaufquälen wollten, haben sie Abhilfe geschaffen. Zum Beispiel mit der Straßenbahnlinie 28, die durch die Altstadt fährt, und der 12, die rund um den Burgberg führt. Oft sitzen Frauen am Steuer, die das kleine Bähnchen so resolut durch die engen Gassen rattern lassen, dass einem Angst und Bange werden kann. Doch sie wissen, was sie tun und die neben den Gleisen parkenden Autos kommen ohne Schrammen davon.

Eine andere Möglichkeit, Höhenunterschiede zu überwinden, sind bekanntlich Aufzüge. Der 45 Meter hohe Elevador de Santa Justa, der den Stadtteil Baixa mit dem höhergelegenen Viertel Chiado verbindet, ist nicht nur praktisch, sondern auch ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Er sieht so aus, als wäre er vom legendären Gustave Eiffel erbaut worden. Doch es war einer seiner Schüler, Raúl Mesnier du Ponsard.

Oben angekommen, liegt genau gegenüber das Castelo Sao Jorge und unterhalb ist das Menschengewimmel auf der Einkaufsstraße Rua Augusta zu sehen. Sie verbindet die beiden beliebtesten Plätze Lissabons miteinander: den Praca do Comercio am Tejo und den Rossio, der ein beliebter Treffpunkt ist. Ältere Herren sitzen diskutierend auf den Bänken, die Cafés sind voll besetzt. Am Verkehr, der ständig um den Platz brandet, stört sich hier niemand.

Wer nicht nur ein Wochenende in Lissabon verbringt, sollte sich auch aus der Stadt herauswagen. Und zum Beispiel den Badeanzug einpacken, in einen Nahverkehrszug steigen und in Richtung Atlantik zu den Stränden der Badeorte Estoril und Cascais fahren. Estoril hat eine lange Tradition als Sommerfrische und Anfang des 20. Jahrhunderts kamen vor allem Reiche hierher.

Das ist noch zu sehen: Villen, Luxushotels und aufwendig gestaltete Parks bestimmen das Bild. Heute hat jedoch das modernere Cascais dem traditionellen Estoril den Rang abgelaufen, wenn es um den nobelsten Wohnort geht. Im ehemaligen Fischerdorf dümpeln teure Jachten neben den kleinen Fischerbooten und moderne Appartementanlagen stehen neben alten Villen.

Märchenhaft wird es im westlich von Lissabon gelegenen Sintra, das ab dem Bahnhof Rossio ebenfalls mit dem Nahverkehrszug zu erreichen ist. Schon auf dem Weg vom Endbahnhof in den Ort fallen zwei riesige Türme ins Auge, die aus einem anderen Land der Dichtung zu kommen scheinen. Doch sie sind ganz real und gehören zum Palacio Nacional de Sintra, dem Königspalast. Ihr Nutzen erschließt sich beim Besuch des Palastes: Es sind zwei überdimensionale Kaminschlote, die in einer ebenso überdimensionalen Küche für den Abzug des Rauchs sorgten.

Das eigentliche Märchenland wartet aber über dem Städtchen: Der Palacio Nacional da Pena sieht aus wie aus einem Disney-Film entsprungen. Überall sind kleine Türmchen, Zinnen und Mäuerchen, alles ist in bunten Farben angemalt. Es erinnert ein bisschen an das Schloss Neuschwanstein, wurde aber rund 30 Jahre früher erbaut. Nicht weniger märchenhaft ist der unter dem Palast liegende Parque da Pena, ein dichter, mit gepflasterten Wegen durchzogener Wald mit kleinen Teichen und Pavillons. Tritt man aus diesem dann heraus, ist die Märchenstunde vorbei und die Realität hat einen wieder.