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Wernigerode: Urlaub für jeden Typ: Konzepthotels

Wernigerode : Urlaub für jeden Typ: Konzepthotels

Die großen Veranstalter auf dem deutschen Reisemarkt investieren seit Jahren in eigene Konzepthotels. Die Marken sollen Urlauber mit Einzigartigkeit überzeugen und gezielt die Bedürfnisse von Familien, Paaren oder Singles befriedigen - es geht um Kundenbindung in einem hart umkämpften Markt, erklärt Prof. Volker Böttcher von der Hochschule Harz in Wernigerode.

„Jeder behauptet, er kann das Gleiche wie der andere, nur noch ein bisschen besser”, sagt der Tourismusexperte. Hier erklären die wichtigsten Veranstalter, was Konzepthotels den Urlaubern ihrer Meinung nach bringen:

Die Allsun-Hotels von Alltourswie wie dieses Haus auf Mallorca sind ganz allgemein für Erwachsene, Familien sowie Sport- und Wellnessbegeisterte konzipiert.
Die Allsun-Hotels von Alltourswie wie dieses Haus auf Mallorca sind ganz allgemein für Erwachsene, Familien sowie Sport- und Wellnessbegeisterte konzipiert. Foto: alltours

Tui:

Das Konzepthotel Sensimar in Punta Cana ist auf kinderlose Paare ausgerichtet.
Das Konzepthotel Sensimar in Punta Cana ist auf kinderlose Paare ausgerichtet. Foto: Tui

Sensimar, Puravida, Viverde oder Best Family heißen die Marken bei Deutschlands größtem Veranstalter. Die Zahl der Konzepthotels soll im Sommer auf mehr als 100 wachsen. Insgesamt gibt es in der Tui-Welt 21 Marken, doch auf lange Sicht sollen nur noch 8 übrig bleiben.

Mit Cooee legt DER Touristik ein neues Motivhotel auf: so kann das Design beispielhaft aussehen.Animation: DER Touristik
Mit Cooee legt DER Touristik ein neues Motivhotel auf: so kann das Design beispielhaft aussehen.Animation: DER Touristik

„Wir versuchen, für die wichtigsten Zielgruppen Konzepte zu finden, die genau auf ihre Wünsche zugeschnitten sind”, sagt Stefanie Schulze zur Wiesch, Marketing-Chefin bei Tui Deutschland. „Ein Allround-Hotel wird den Kundenwünschen nicht mehr gerecht.”

Sensimar etwa ist auf Paare ohne Kinder ausgerichtet. Lärmenden Nachwuchs gibt es in diesen Hotels nicht, das Unterhaltungsprogramm ist dezent.

Und bei Puravida ist vorgeschrieben, dass es einen ruhigeren und einen lebhafteren Pool geben muss. „Es ist schon vorgekommen, dass wir zu einem möglichen Partnerhotel gesagt haben: Ihr müsst einen zweiten Pool bauen”, sagt Schulze zur Wiesch.

„Der Fokus auf eine Gästegruppe heißt auch, ganz bestimmte Dinge wegzulassen”, erklärt die Marketingexpertin. „Früher dachten Hoteliers oft: Viel hilft viel. Das ist ein Trugschluss. So hat man von allem ein bisschen, aber nichts richtig.”

Konzepthotels hätten eine große Relevanz für die Zukunft, weil sie Urlaubern Orientierung bieten, sagt Schulze zur Wiesch.

Und die honorieren die Bemühungen offenbar: In den Konzepthotels des Veranstalters liegt die Zahl der Wiederholer deutlich über dem Tui-Schnitt. Und die Häuser würden im Schnitt besser bewertet.

Thomas Cook:

Eine ähnlich hohe Wichtigkeit räumt Deutschlands zweitgrößter Veranstalter den Konzepthotels ein. 157 sind auf dem deutschen Markt buchbar. Bislang gibt es fünf Marken, von denen Sentido am längsten auf dem Markt und damit am erfolgreichsten ist.

2009 gab es 16 Sentido-Hotels, im Sommer 2015 sollen es 69 sein. Die Hotels richten sich an „anspruchsvolle Paare”, Alleinreisende oder kleine Familien. Sport-, Unterhaltungs- und Wellnessangebote sind wichtige Merkmale.

Die anderen Marken heißen Smartline (Neckermann), Sunconnect, Sunprime und Sunwing.

„Wir bauen die Marken auf, damit der Kunde sie einmal kennenlernt und im nächsten Jahr wieder bucht”, erklärt Andre Mühlemann, der bei Thomas Cook den Bereich Hotels & Resorts verantwortet.

Dem Urlauber soll durch die Marken garantiert werden, dass er übergreifende Qualitätsstandards bekommt. „Die Gäste reisen und vergleichen die Marken. Deshalb müssen wir immer mehr bieten und weiter an unseren Konzepten arbeiten.”

Dass die Häuser angesichts des Massenmarktes, in dem sich nicht nur Thomas Cook bewegt, nicht zu individuell sein können, räumt auch Mühlemann indirekt ein: „Wir schicken immer sehr viele Menschen in den Urlaub.”

Trotzdem werden auch die Sentido-Hotels immer spezifischer. Hinter dem Label Sentido Adults zum Beispiel verbergen sich kleine Hotels mit maximal 79 Zimmern. Das Versprechen an die Gäste: Ruhe und eine „romantische Zeit zu zweit”.

Alltours:

Vier Konzeptmarken bietet der Veranstalter aus Düsseldorf seinen Kunden:

Die 22 Allsun-Hotels richten sich an Erwachsene, Familien sowie Sport- und Wellnessbegeisterte. „Wie sich diese Gruppen zusammensetzen, ist von Hotel zu Hotel sehr unterschiedlich”, sagt Markus Daldrup, Geschäftsführer Touristik bei Alltours. „Wir haben Familien- aber auch Designhotels unter dieser Marke.” Die Allsun-Häuser betreibt Alltours selbst.

Daneben gibt es noch die Marke Alltoura, die sich an junge Familien und „junggebliebene Gäste” richtet, sowie die Marke Holiday für Familien.

Neu in diesem Sommer ist die Linie Sunline. „Mit diesem Konzept wollen wir höchsten Komfort zu günstigsten Preisen anbieten”, verspricht Daldrup.

Alltours will den Exklusiv-Anteil seiner Hotels in der Zukunft weiter ausbauen. „30 Prozent unserer Gäste auf Mallorca zum Beispiel gehen in ein Allsun-Hotel”, berichtet Daldrup. Urlauber sollen sich an die Marke erinnern und wiederkommen.

„Mit einer Marke geben wir ein Qualitätsversprechen, das der Kunde einfordern kann, egal, ob er auf Mallorca oder Teneriffa Urlaub macht.” Der Markenname soll dem Urlauber - wie bei den anderen Veranstaltern auch - eine klare Orientierung geben: Schau her, hier weißt du, was du bekommst!

DER Touristik:

Beim drittgrößten Veranstalter Deutschlands betont man ebenso die Signalfunktion der Konzeptmarken: „Das gibt dem Kunden Sicherheit”, sagt Rolf-Dieter Maltzahn, Geschäftsführer bei der DER Touristik Köln.

Dass dies vor allem eine Marketing-Maßnahme ist, räumt der Touristiker ein: „Wir bündeln Hotels, die ähnliche Leistungen anbieten, und geben ihnen eine begriffliche Klammer.”

Die Marke Lti bietet Gästen „Häuser mit gehobenem Standard”, Primasol klassischen All-Inclusive-Urlaub für Familien, und Club Calimera typischen Cluburlaub. Sunshine Kids von ITS hat Familien Cluburlaub speziell für Kinder im Angebot.

Mit Cooee ist nun ein neues und exklusives Motivhotel geplant, das die Bedürfnisse „Genießen und Entspannen” bedient und über kostenloses WiFi den Kontakt mit der Heimat sicherstellen soll.

Dass Konzepthotels immer im Spagat zwischen Massengeschmack und Individualbedürfnissen sind, dessen sind sich alle Veranstalter bewusst. Doch die Kunden schätzen das Angebot - deshalb wollen die Unternehmen ihre Marken weiter ausbauen.

Mit der neuen Konkurrenz durch Hotelportale im Internet ist die Strahlkraft der Hotelmarken womöglich sogar noch wichtiger geworden.

Der Urlauber hole sich Tipps im Netz, sagt Rolf-Dieter Maltzahn. „Er sucht nach den goldenen Bewertungssternchen.” Drei Stunden, vier Stunden. Das könne frustrieren. Mit den Konzepthotels hoffen die Veranstalter, den Gästen eine Einordnung zu geben.

(dpa)