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Ahlbeck: Über die Grenze: Europas längste Strandpromenade auf Usedom

Ahlbeck : Über die Grenze: Europas längste Strandpromenade auf Usedom

Einst stand hier ein schwer bewachter Grenzzaun. Heute merkt der Besucher nur noch an einer einzigen Sache, ob er sich in Polen oder Deutschland befindet: „In Polen stehen die Papierkörbe auf dem Strand, in Deutschland sieht man sie nicht, weil sie in den Dünen stehen”, erklärt ein Tourist seiner Begleiterin.

Beide Länder verbindet auf der Insel Usedom seit einigen Jahren eine einzige Strandpromenade: Zwölf Kilometer führt sie von Bansin über Heringsdorf und Ahlbeck bis Swinemünde (Swinoujscie). Damit ist sie die längste in ganz Europa.

Eine einzige Strandpromenade verbindet Bansin, Heringsdorf, Ahlbeck und Swinemünde auf Usedom.
Eine einzige Strandpromenade verbindet Bansin, Heringsdorf, Ahlbeck und Swinemünde auf Usedom. Foto: dpa

Ein kleines bisschen Trickserei steckt jedoch bei genauerer Betrachtung hinter diesem Superlativ. Denn im Grunde wurde vor wenigen Jahren lediglich die Kaiserpromenade von Ahlbeck und Heringsdorf sowie die Promenade in Swinemünde mit einem Stück Asphalt verbunden. Das hat wenig von einer Promenade und ist eigentlich mehr ein Waldweg. Vom Strand sieht man nicht viel.

Flanieren in Polen: Auch durch Swinemünde führt die Promenade.
Flanieren in Polen: Auch durch Swinemünde führt die Promenade. Foto: dpa

Doch genau in dem Wald verlief früher die streng gesicherte Grenze zwischen der DDR und Polen. Heute steht auf dem Grenzstreifen ein deutsch-polnisches Tor. Ein Strich auf dem Weg zeigt den Verlauf der Grenze. Genau dort führt ein Holzweg durch die Dünen zu einer rund 400 Quadratmeter großen Aussichtsplattform.

Wo schon der Kaiser flanierte: Die Strandpromenade von Ahlbeck ist gesäumt von Villen in Bäderarchitektur.
Wo schon der Kaiser flanierte: Die Strandpromenade von Ahlbeck ist gesäumt von Villen in Bäderarchitektur. Foto: dpa

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Swinemünde von Deutschland abgetrennt und Polen zugeschlagen. Der Grenzzaun verschwand auch nicht, als 1989/90 der Eiserne Vorhang fiel. Er wurde erst 2007 entfernt, als Polen dem Schengen-Abkommen beitrat.

An vielen Stellen wie hier bei Swinemünde erreichen Besucher von der Promenade aus den Strand.
An vielen Stellen wie hier bei Swinemünde erreichen Besucher von der Promenade aus den Strand. Foto: dpa

Neben den Bauwerken an der Grenze erinnert heute nur ein kleines Schild mitten im Wald an die alte Zeit: „Letztes Restaurant vor Moskau” heißt es darauf ironisch. Ansonsten würde es der Besucher kaum merken, ob er sich jetzt auf polnischer oder deutscher Seite befindet. Hüben wie drüben sind fast alle Schilder entlang der Promenade zweisprachig, Polnisch ist genauso oft zu hören wie Deutsch.

Grenzüberschreitend: Ein Tor in Form einer Klammer verbindet heute die polnische und deutsche Seite der Promenade.
Grenzüberschreitend: Ein Tor in Form einer Klammer verbindet heute die polnische und deutsche Seite der Promenade. Foto: dpa

Egal ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, dem Segway oder auf Inlinern: Die Strandpromenade ist bei Urlaubern beliebt. An Sommertagen kommt es mitunter zu kleinen Fahrradstaus. Trotz ihrer grenzüberschreitenden Geschichte wäre sie aber allein natürlich längst noch keine Sehenswürdigkeit. Doch sie verbindet eben auch vier Orte, die jeder für sich eine Touristenattraktion sind: die drei Kaiserbäder Bansin, Ahlbeck und Heringsdorf auf deutscher Seite und Swinemünde auf polnischer. Da sind die unzähligen Villen im Stil der Bäderarchitektur, die drei Seebrücken, berühmte Hotels und natürlich der Strand, an dem sich schon Kaiser Wilhelm II. die Seeluft um die Nase wehen ließ.

(dpa)