Berlin: Schlichter vermittelt bei Reise-Ärger

Berlin: Schlichter vermittelt bei Reise-Ärger

. Die Europäische Union hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit Verordnungen die Rechte von Reisenden zu stärken, beispielsweise im Bereich Transport. Fluggastrechte und Fahrgastrechte bei der Bahn wurden bereits in deutsches Recht umgesetzt.

Für Schiffsreisen ist dies bis Ende des Jahres zu erwarten, für Busreisen die entsprechende Verordnung bei der EU noch in Arbeit. Die besagten Rechte auch durchzusetzen, gelingt Betroffenen jedoch nicht immer. Bahnreisende können in einem solchen Fall Hilfe bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr in Berlin, kurz söp, bekommen, an der sich 120 deutsche Transportunternehmen beteiligen.

„Unsere Aufgabe ist es, den Streit zwischen den Parteien zu schlichten und damit auch die Kundenzufriedenheit wieder herzustellen”, sagt Geschäftsführer Heinz Klewe. Ganz unbürokratisch sollen außergerichtliche Einigungen erzielt werden. Damit die Schlichtungsstelle tätig wird, müssen Betroffene zunächst ihre Ansprüche geltend gemacht und eine abschlägige Antwort erhalten haben. „Um den Fall zu prüfen, benötigen wir dann alle Reisedaten und Unterlagen wie Tickets oder Korrespondenz”, erläutert Klewe.

Genauere Informationen dazu gibt es im Internet unter soep-online.de. Sobald alle Informationen vorliegen, sei innerhalb von drei Monaten mit einem Ergebnis zu rechnen, das der Reisende dann annehmen oder ablehnen könne. „Im Schlichtungsverfahren werden die Interessen beider Parteien abgewägt. Das kann dazu führen, dass eine angebotene Entschädigung geringer ausfällt als gewünscht”, betont der Experte. Es gebe Fälle, die nicht eindeutig zu klären sind und bei denen man sich in der Mitte treffen müsse.

Für Fluggäste kann die söp nur in Einzelfällen aktiv werden: „Die Fluggesellschaften haben sich noch nicht an der Schlichtungsstelle beteiligt. Deshalb können wir Schlichtungsaufträge in der Regel nicht annehmen.” Eine Schlichtungsstelle für Flugpassagiere ist zwar von der Bundesregierung geplant und der Gesetzentwurf dazu auf dem Weg. Vor nächstem Jahr sei mit einer Umsetzung jedoch kaum zu rechnen, lautet die Einschätzung von Klewe. Ob die söp auch diese Aufgabe übernehmen werde, sei noch nicht entschieden.

In die bestehende Lücke sind Dienstleister gesprungen, die sich um die Ansprüche von Flugreisenden - notfalls auch vor Gericht - kümmern. Anders als eine Schlichtungsstelle wollen diese jedoch daran verdienen und fordern einen Prozentsatz der erreichten Entschädigungszahlung. „Gleichzeitig tragen sie aber auch das gesamte Risiko”, sagt Michael Sittig, Jurist bei der Stiftung Warentest in Berlin. Denn bei Misserfolg, beispielsweise einem verlorenen Prozess, entstünden dem Kunden keine Kosten.

Bevor ein Fall angenommen wird, gebe es deshalb eine genaue Prüfung des Sachverhalts. Und bei wenig Aussicht auf Erfolg eine Ablehnung. „Wenn es komplizierter wird, winken die Dienstleister ebenfalls ab. In der Regel übernehmen sie nur die Einforderung der Entschädigungspauschalen bei Verspätungen und Flugausfällen.” Dann aber können die Angebote dieser Unternehmen nach Aussage von Sittig eine Alternative dazu sein, selbst einen Anwalt einzuschalten. Er rät, vor der Auftragserteilung zu prüfen, mit welchen Anwälten zusammengearbeitet wird und ob es nicht doch versteckte Kosten gibt. Das lasse sich relativ leicht mit einem Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen herausfinden.

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