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Wittenbergen: Schlafen wie das Jesuskind: In Heuherbergen geht es rustikal zu

Wittenbergen : Schlafen wie das Jesuskind: In Heuherbergen geht es rustikal zu

Sollte Jesus als Baby wirklich in einem Stall auf Heu geschlummert haben, wie es zur Weihnachtszeit erzählt wird: Der kleine Messias muss mit einem gesunden Schlaf gesegnet gewesen sein. Eine Nacht neben Tieren ist auch eine Nacht voller Geräusche, das wird an diesem Dezemberabend in der Heuherberge im „Friesengestüt Alt Wittenbergen” in Schleswig-Holstein deutlich. Zu hören sind: malmende Kaugeräusche, ab und zu ein kräftiges Schnauben oder ein anhaltendes Schlürfen. „Aber es ist sehr gemütlich. Vor allem schön weich”, sagt Katharina Pahl.

Mit ihrem Schlafsack hat sie eben ihren Schlafplatz bezogen: Eine leere Pferdebox, aufgefüllt mit Heu und Roggenstroh. Immerhin hängen vor den Fenstern Vorhänge und es gibt einen Stuhl. Mehr erinnert allerdings nicht an ein Hotel. Muss es auch nicht: Pahl und einer Handvoll weiterer Gäste geht es an diesem Tag eher um das Abenteuer, weniger um sorgsam arrangierte Kissenberge.

Schlafen in einer Heuherberge ist vielleicht eine der rustikalsten Arten, Urlaub zu machen. Aber es gibt die Nachfrage. Nicht zuletzt in Zeiten, in denen das Landleben wieder mehr Beachtung findet. Zeitschriften und Fernsehsendungen widmen sich dem Thema, Entschleunigung ist Trend-Begriff. Urlaub auf dem Bauernhof, zu dem Heuherbergen zählen, gilt nicht mehr unbedingt als muffig.

Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft für Urlaub auf dem Bauernhof und Landtourismus in Deutschland ist das Interesse der Bundesbürger an Landurlaub in den vergangenen Jahren erkennbar gestiegen - zurzeit mache es rund fünf Prozent aller Ferienreisen aus. Eine Analyse des Bundeslandwirtschaftsministeriums ermittelte die Zahl von 4,5 Millionen Deutschen, die im Zeitraum von Mai/Juni 2010 bis April/Mai 2011 Urlaub auf einem Bauernhof machten.

„Die Heuherberge ist bei uns zentraler Bestandteil. Pferde sind mehr Hobby, damit verdient man nichts”, sagt Karsten Walther. Der 47-Jährige besitzt das Gestüt, trägt Hut mit Krempe und steht vor seiner Pferdekoppel. Es ist schon dunkel - sehr dunkel. Hamburg ist ausreichend weit weg, ein Nachthimmel über dem Anwesen ist tatsächlich noch ein schwarzer Nachthimmel. Und still ist es auch. „Hier ist keine Autobahn in der Nähe”, sagt Walther sichtlich stolz.

Die Heuherberge ist vor allem ein Sommer-Geschäft. Dann kommen Schulklassen oder Wanderer - ab 15 Euro pro Nacht mit Frühstück. Aber auch im Winter gab es nun Anfragen, daher hat Walther die Pferdeboxen für Gäste geöffnet. Unterschied zum Sommer: Es muss direkt neben den Tieren geschlafen werden. Im Sommer bleiben sie nachts draußen.

„Wir sind froh, mal aus dem Alltag rauszukommen”, sagt Jim Liebich. Seine Mutter ist Reitlehrerin und hat ihn und zwei seiner Freunde überredet, mal eine Nacht im Heu zu verbringen. Nun sind es etwas mehr als sechs Grad Celsius, der Handyempfang ist schlecht, und die von Arthrose gebeutelte Stute Leyka schnauft neben dem Schlafplatz. Der Untergrund ist allerdings angenehm weich und passt sich mit der Zeit dem Rücken an. Und es fühlt sich wärmer an als erwartet. Kurzum: Es lässt sich schon schlafen im Heu.

Zumindest wenn man die Tipps von Gestütsbesitzer Walther beherzigt. Er rät davon ab, sich zu nahe an die Boxen mit den Pferden zu legen. Oder wie er es formuliert: „Sie haben keine eigene Toilette.” Auch das ruhige Landleben hat eben seine Gefahren.

(dpa)