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Tichaja Buchta: Nationalpark Russische Arktis will sich weiter für Touristen öffnen

Tichaja Buchta : Nationalpark Russische Arktis will sich weiter für Touristen öffnen

Russland will seinen Teil der Arktis trotz zunehmender wirtschaftlicher und militärischer Aktivitäten weiter für den Öko-Tourismus öffnen. Die Zahl von derzeit etwa 1000 Besuchern pro Jahr solle verfünffacht werden, sagt der Nationalparkwächter Iwan Misin in der legendären früheren Polarforscherstation Tichaja Buchta (Stille Bucht) auf der Hooker-Insel in Franz-Josef-Land.

Wegen der Gefahr durch Eisbären sind Misin und seine Kollegen bewaffnet, wenn sie Besucher in kleinen Gruppen auf den Inseln des Archipels auf Exkursionen begleiten. An vielen Stellen von Franz-Josef-Land sind die Umweltsünden aus Sowjetzeiten unübersehbar. Tausende Fässer und anderer Schrott - Hinterlassenschaften von Forschungsstationen und Militärbasen - liegen hier noch herum. Auch in der Teplitz-Bucht auf der Rudolf-Insel sind die Spuren sichtbar.

Die ehemalige sowjetische Wetterstation in der Teplitz-Bucht auf Franz-Josef-Land. Größere Orte gibt es in der Ödnis der arktischen Natur nicht.
Die ehemalige sowjetische Wetterstation in der Teplitz-Bucht auf Franz-Josef-Land. Größere Orte gibt es in der Ödnis der arktischen Natur nicht. Foto: Ulf Mauder/dpa

Der 2009 gegründete Nationalpark Russische Arktis soll das Umweltbewusstsein in Russland schärfen. „Es ist schon einiges erreicht, etwa die Hälfte der rostigen Treibstofffässer ist abtransportiert”, sagt Misin. Außer Zehntausenden Fässern seien viele Tonnen anderer Schrott und Sprengstoff sowie verunreinigter Boden in dem Naturschutzgebiet abgetragen worden.

Relikte der sowjetischen Vergangenheit: In der Tichja Buchta (Stille Bucht) unterhielten die Kommunisten einst ihre größte Polarstation, die heute ein Freiluftmuseum ist.
Relikte der sowjetischen Vergangenheit: In der Tichja Buchta (Stille Bucht) unterhielten die Kommunisten einst ihre größte Polarstation, die heute ein Freiluftmuseum ist. Foto: Ulf Mauder/dpa

Zugänglich ist der entlegene Nationalpark für Touristen vor allem mit Kreuzfahrt- und Expeditionsschiffen. Eine eigene Flotte haben die Ranger nicht. Der Nationalpark soll künftig als Rückzugsgebiet für Eisbären, Walrosse und Vögel sowie als besonderer Schutzraum für die empfindlichen arktischen Pflanzen dienen.

Die rauen Gezeiten haben diese Felsen auf der Insel Champ rund geschliffen - wie Kanonenkugeln liegen sie in der Landschaft. Ein bisschen passt das: Franz-Josef-Land wurde lange vom Militär genutzt.
Die rauen Gezeiten haben diese Felsen auf der Insel Champ rund geschliffen - wie Kanonenkugeln liegen sie in der Landschaft. Ein bisschen passt das: Franz-Josef-Land wurde lange vom Militär genutzt. Foto: Ulf Mauder/dpa

Zu den Sensationen des Archipels zählen etwa der Vogelfelsen Rubini und die runden Kalkformationen auf der Insel Champ, die wie riesige Kanonenkugeln in der kargen Landschaft liegen. Erhalten bleiben sollen zudem frühere Siedlungen mit ihren Häusern und Baracken aus verwittertem Holz. Ein Denkmal auf der Jackson-Insel erinnert an den Norweger Fridtjof Nansen, der hier 1895 überwinterte.

„Es entsteht ein Freiluftmuseum, in dem wir zeigen, wie die Menschen unter schwierigsten Bedingungen überlebten”, sagt der Historiker Jewgeni Jermolow in der Tichaja Buchta. „Hier wurden auch Kinder geboren, es wurde unterrichtet und Theater gespielt.” Jermolow verbringt immer wieder ganze Monate im Sommer auf dem Archipel, um das Leben von damals nachzuzeichnen.

(dpa)