Der ökologische Fußabdruck : Nachhaltig reisen

Kaum wurden die Reisewarnungen für Mallorca und andere europäische Ziele aufgehoben, startete ein Run auf Flüge und Pauschalreisen. Die Aussicht endlich einmal wieder dem Alltag zu entfliehen und am Strand zu liegen - und das ohne anschließende Quarantäne oder Testpflicht - ist durchaus verlockend.

Vernünftig ist es sicher nicht, sich direkt in die erste geöffnete Bettenburg zu flüchten. Und das nicht nur, weil die Pandemie noch nicht überstanden ist: Die Art des eigenen Reisens sollte heute jeder einmal auf den Prüfstand stellen.

Der ökologische Fußabdruck

Deutschland konnte 2020 seine Klimaziele einhalten - wider erwarten. Das mag positiv stimmen, doch natürlich bedeutet das keine generelle Trendwende, wenn nach den Beschränkungen alles wieder seinen alten Gang geht. Denn auch wenn es für jeden Einzelnen eine unangenehme Wahrheit ist: ein großer Teil der eingesparten Emissionen des letzten Jahres gehen auf das reduzierte Reiseverhalten der Deutschen zurück. Statt nun nach jeder neuen Freiheit zu greifen und sich am besten gleich doppelt so oft wie sonst dieses Jahr in ein Flugzeug zu setzen, sollten Alternativen erwogen werden. Nur wenn jeder seine CO?-Bilanz dauerhaft senkt, werden auch in Zukunft positive Meldungen in Sachen Klimaziele möglich sein.

Lokal reisen

Vor allem Billigflieger verlocken dazu, weit mehr als nur eine Flugreise pro Jahr zu unternehmen. Shopping in London, ein zweitägiger Sightseeing-Trip nach Barcelona oder für ein Partywochenende nach Ibiza - man muss nicht reich sein, um all das mitzunehmen. Doch auch in der näheren Umgebung gibt es viele Möglichkeiten, um Abwechslung zu erleben. Auch eine Radtour durch die Natur oder ein Kulturausflug in die nächste Großstadt können reizvoll sein und durchaus auch trendy: Staycations sind inzwischen weit mehr als nur eine Notlösung.

Verantwortungsvolle Fernreisen

Das heißt nicht, dass man sich nicht auch mal einen schönen Urlaub gönnen darf, schließlich machen Reiseberichte über Outdoorabenteuer oder Dokumentationen im TV auch wirklich Lust darauf. Wer einige Regeln beachtet, braucht kein schlechtes Gewissen zu haben. Zunächst lassen sich die Emissionen eines Fluges leicht berechnen und über eine CO?-Abgabe kompensieren. Wer weniger Gewicht mitschleppt, hat übrigens einen niedrigeren Verbrauch. Beim Packen sollte man also genau überlegen, was wirklich mit muss. Vor allem Fernreisen sind Luxus - statt mehrmals im Jahr eine Woche weit weg zu fliegen, sollten diese lieber selten stattfinden und dann lieber länger dauern. Bestenfalls profitiert die lokale Bevölkerung von dem Besuch. Bei großen Pauschalreiseanbietern ist dies jedoch meist nicht der Fall. Stattdessen bietet sich die Buchung über kleine Agenturen an, die mit Einheimischen zusammenarbeiten. Das ist nicht nur sozial, sondern ermöglicht auch einen anderen Blick auf das Reiseland. Auch All-inclusive gilt es zu vermeiden. Hierbei landen Unmengen an Lebensmitteln im Müll und oftmals wird lediglich international serviert. Wer stattdessen in ein Restaurant vor Ort geht, erlebt authentische lokale Küche und leistet einen Beitrag zum Einkommen der Menschen des Ziellandes.

Fazit

Nachhaltigkeit sollte nicht beim Reisen aufhören. Schon kleine Veränderungen jedes Einzelnen können in der Summe einen wertvollen Beitrag leisten. Am Ende profitieren alle, wenn Trendmetropolen nicht mehr unter Overtourism ächzen und an Stränden jedes Fleckchen belegt ist.

(vo)