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Essen: Motorrad fahren mit Freunden: Immer schön der Reihe nach

Essen : Motorrad fahren mit Freunden: Immer schön der Reihe nach

Einige Dinge machen doppelt so viel Spaß, wenn man sie mit anderen teilt. Motorradfahren zählt dazu. Eine Tour mit Gleichgesinnten ist eine herrliche Sache - wenn alle Fahrer gut vorbereitet sind und sich an ein paar Spielregeln halten. Experten erklären, worauf vor der Abfahrt und unterwegs zu achten ist, damit alles rund lauft und jeder heil wieder nach Hause kommt.

Vor dem Start: Alle Teilnehmer einer Gruppenfahrt sollten wissen, wohin die Reise geht. „Am besten verständigen sie sich schon ein paar Tage im Vorfeld oder auch bei einem gemeinsamen Frühstück vor der Abfahrt über Route und Zwischenziele”, rät Achim Kuschefski vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz). Perfekt vorbereitet ist der Tourguide, der die Truppe konsequent bis zum Ziel anführt. „Das sollte ein routinierter und entspannter Fahrer sein, der ein flüssiges Tempo vorgibt und die Strecke genau kennt.” Verliert der Leitwolf unterwegs die Orientierung, droht Chaos im Rudel.

Die Route: Thomas Caasmann, Motorradexperte bei der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ), warnt vor Gewalttouren. „Erfahrene Fahrer können in der Gruppe bei optimalem Wetter pro Tag um die 700 Kilometer Autobahn oder 400 Kilometer Landstraße bewältigen. Auf kleinen kurvenreichen Straßen sind 250 Kilometer das Maximum”, nennt er Richtwerte. „Bei langen Autobahnetappen darf man zum Beispiel nicht vergessen, dass der Dauerlärm durch den Fahrtwind zusätzlich schlaucht.” Bei Überlandtouren sollten Städte möglichst umfahren werden - so kann die Gruppe leichter zusammenbleiben.

Die richtige Reihenfolge: Der Gruppenführer fährt immer voran und wird nicht überholt. Dahinter schließen sich am besten im Wechsel geübte und weniger gute Fahrer an. „So können sich die schwächeren Teilnehmer von ihrem Vordermann noch etwas abschauen und dazulernen”, erklärt Kuschefski. Die Maschinen mit den stärksten Motoren und besten Fahrern gehören nach hinten. „Denn die Letzten müssen an der Gruppe dranbleiben und deshalb öfters mal aufschließen.” Fünf Maschinen im Verbund sind optimal, mehr als acht sollten es nie sein. „Dann die Truppe lieber teilen”, empfiehlt der ifz-Leiter.

Abstand halten: Auch wenn alle Fahrer dicke Freunde sind, sollten sie bei Gruppentouren auf Distanz gehen. „Zu dichtes Auffahren führt sehr schnell zu Unfällen”, mahnt Kuschefski. Er rät, mit ausreichend Abstand versetzt zum Vordermann zu fahren - „nicht etwa, um mehr Reserven zum Bremsen zu haben, sondern um besser sehen zu können, was sich vor einem auf der Straße abspielt”. Zu zweit nebeneinander auf einer Spur zu fahren, ist verboten.

Locker bleiben: Das Reisetempo muss für alle entspannt sein, auch für die schwächeren Fahrer. „In der Gruppe ist es besonders wichtig, defensiv zu fahren”, betont Caasmann. Autos werden nur überholt, wenn es wirklich nötig und für alle gefahrlos möglich ist. Tabu sind Sperenzchen wie absichtliches Zurückfallenlassen, um danach mit reichlich Gas wieder aufzuschließen. „Das hat nach hinten einen Ziehharmonika-Effekt und macht es den Nachfolgenden schwer, ohne rasen zu müssen den Anschluss zu wahren”, betont Caasmann.

Zeichen setzen: Frühzeitiges Blinken vor einem Richtungswechsel und sanftes Bremsen ist laut Kuschefski für alle in der Gruppe Pflicht. „Sonst kann es passieren, dass die hinteren Fahrer unnötig hart in die Eisen gehen müssen.” Vereinbarte Sonderzeichen helfen, um unterwegs auf Probleme hinzuweisen. So könnte ein Fingerzeig auf die eigene Maschine bedeuten: „Tank fast leer” oder „Technikproblem”. „Auf Schlaglöcher oder andere Hindernisse auf der Straße deutet man besser mit dem Fuß hin”, rät Kuschefski. „In solchen Gefahrensituationen müssen beide Hände am Lenker bleiben.” Blinker oder Bremslicht eignen sich nicht für eine Zeichensprache - das führt laut dem ifz-Experten nur zu Irritationen.

Essen, trinken, tanken: Bei einem Tankstopp sollten immer alle Tourteilnehmer Sprit nachfüllen, um außerplanmäßige Stopps zu vermeiden. Das Gleiche gilt für Verpflegungspausen, die regelmäßig gemacht werden müssen. Denn: „Flüssigkeits- und Nährstoffmangel kann zu einem körperlichen Leistungsabfall und Konzentrationsschwächen führen, was beim Motorradfahren natürlich gefährlich ist”, erklärt Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln. An heißen Sommertagen schwitzen Biker in ihrer Schutzkleidung leicht einen Liter Flüssigkeit pro Stunde aus. „Das muss wieder reinkommen - sonst ist man nach zwei, drei Stunden nicht mehr fahrtauglich.”

Pasta statt Pommes: Das Gehirn braucht Kohlenhydrate, um auf Trab zu bleiben. Beim Mittagessen sind Motorradtourer daher am besten mit Pasta, Risotto oder Püree mit etwas Geflügelfleisch und Gemüse bedient, sagt Froböse. Pizza, Pommes und andere fettige Speisen machen träge - der Körper brauche mehr als doppelt so lange, um sie zu verarbeiten. „Dadurch fällt man ins Mittagsloch.” Gute Getränke für körperlich beanspruchte Biker seien mineralstoffreiches Wasser und Apfelschorle. „Oder auch alkoholfreies Bier am Bikertreff.”

(dpa)