Vancouver: Mehr als Holzfällersteaks: Ausgefallene Restaurants rund um Vancouver

Vancouver: Mehr als Holzfällersteaks: Ausgefallene Restaurants rund um Vancouver

Kanada ist kein Land für Vegetarier. Wo Eishockeyspieler, Holzfäller und Mountie-Polizisten Nationalsymbole sind, gehört ein Stück Fleisch auf den Teller. Kanadas Küche gilt als deftig, und in den meisten Regionen ist das auch so. Doch in den vergangenen Jahren ist an der Westküste viel passiert.

Und gerade das bei Deutschen so beliebte Vancouver hat sich zum Anziehungspunkt für junge, experimentierfreudige Köche entwickelt.

- „Judas Goat Taberna”: Eines der neuesten Restaurants Vancouvers ist auch eines der kleinsten. Doch die „Judas Goat Taberna” ist längst kein Geheimtipp mehr, zumindest nicht bei den Einheimischen. Gerade 30 Plätze hat das Restaurant, das in einer Seitenstraße im Amüsierviertel Gastown liegt. Es ist kaum größer als eine große Küche. Darin kocht und serviert Nathan Doyle ganz allein. Der 24 Jahre alte Australier kam vor zweieinhalb Jahren nur kurz nach Vancouver - und blieb dort hängen. „Die Stadt ist einfach so weltoffen, so lebendig, so bunt, dass man sich einfach in sie verlieben muss.”

Doyle serviert Thunfischhappen mit Olive, Wachtelei mit Tomatenmarmelade oder Schweinefleischtäschchen mit Chutney. Immer kommt noch ein besonderes Gewürz hinzu, das aus dem Besonderen etwas noch Ungewöhnlicheres macht. Doyle will Vancouver-Küche machen. „Das ist gar nicht so einfach. Durch die Einwanderer haben wir so viele Einflüsse, dass die Küche eine Mischung ist. Sozusagen das Beste von allem.” Auch deutsche Einflüsse sind dabei, vor allem aber asiatische. Kein Wunder - ist Vancouver doch nach San Francisco die zweitgrößte chinesische Stadt außerhalb Chinas.

- „Alta”: Die kanadische Westküste hat eine besondere Cocktail-Kultur. Die Barmixer haben hier Promistatus, und wenn einer die Bar wechselt, gehen die Kunden mit. Deshalb ist Scott Curry auch der heimliche Star des „Alta”. Das Bistro liegt in Whistler, immerhin gute 100 Kilometer von Vancouver entfernt. Doch spätestens seit den olympischen Spielen 2010, bei denen viele Wettkämpfe in dem Örtchen stattfanden, gehört Whistler irgendwie zu Vancouver. Scott nennt sich „Cocktail Technician”. Er mixt Drinks aus nicht ganz gewöhnlichen Zutaten. Im „From the Garden” finden sich Holunder und Limone, aber auch Basilikum und Gurke.

Doch im „Alta” gibt es natürlich auch etwas zu essen. Dem Koch darf der Besucher beim Zubereiten zugucken. Gleich am Eingang werkelt er hinter einer großen Glasscheibe. Erst seit ein paar Monaten betreiben Edward Dangerfield und Eric Griffith, beide um die 30, ihr Lokal mit den 43 Sitzplätzen. Auch die beiden setzen auf lokale Küche, Zutaten aus der Region - und das Internet. „Ich war nie ein Freund der sozialen Netzwerke”, sagt Edward. „Aber seit wir über Twitter zum Beispiel Änderungen auf der Speisekarte vorschlagen, kommen jeden Tag Leute und sagen, sie hätten da was gelesen und wollten das jetzt ausprobieren.”

- „Aura”: Wer von Whistler nach Vancouver mit der Bahn fährt, kann das „Aura” nicht verpassen. Das Restaurant der edlen „Nita Lake Lodge” liegt nur wenige Kilometer außerhalb des Skiorts. Wer hier haltmacht, bekommt Küche vorgesetzt, die kaum lokaler sein kann. Denn was auf den Teller kommt, wächst auf dem Dach. Fast 50 Kräuter und 20 Salate gedeihen im Dachgarten des Hotels.

Der Rest kommt aus der Umgebung: Heilbutt aus dem Pazifik im Westen, Bison aus den Rocky Mountains im Osten. Gerade Bisonfleisch mit seiner ganz leicht süßlichen Note, mit Meerrettich und Tokio Turnip, einer kleinen, zartschmeckenden Rübe, hat das Restaurant bekannt gemacht. Das „Aura” serviert nur Menüs: Drei Gänge kosten 50 Kanadische Dollar (40 Euro), fünf Gänge 70. Teuer, aber beliebt: Zehn-Gänge-Menüs für 125 Dollar, bei der sich die Gäste den ganzen Abend durch die Küche durchprobieren können.

- „Café Medina”: Zurück in Vancouver ist das „Café Medina” ein weiterer Geheimtipp. Es hat nur von 8.00 bis 16.00 Uhr geöffnet. Die Spezialitäten sind Frühstück und Brunch. Der Lavendel-Latte und die Waffeln stehen hoch im Kurs. Für 5 Dollar (4 Euro) gibt es zum Beispiel eine belgische Waffel mit Beilage. Nachteil: Sie sind klein. Vorteil: Die Beilagen sind echte Geschmackserlebnisse. Etwa weiße Schokolade mit Pistazien und Rosenwasser.

„Unser Koch ist sehr viel gereist. Er hat sich von allen Kulturen inspirieren lassen, besonders aber von Nordafrika”, sagt Besitzer Robbie Kane. Der Belgier Nico Schuermans hat in mehreren Sterne-Lokalen gearbeitet und schon für Bill Clinton, Mick Jagger und Prince gekocht. In Vancouver sind in seiner Küche arabische Einflüsse unübersehbar, es gibt aber auch Schweinefleisch. Etwa beim deftigen Cassoulet mit Spiegeleiern, Schinken, zwei verschiedenen Würstchen, gebackenen Bohnen und Brot. Leichter ist zum Beispiel das La Santé mit Ei, Tomate, Avocado und etwas Prosciutto auf Ciabatta. Das am häufigste bestellte Gericht: „Eindeutig das Frikassee”, sagt Kane.

- „Tea House”: Der größte Wettbewerbsvorteil des „Tea House” ist vermutlich die Lage. Das kleine Restaurant liegt im Stanley Park, dem großen Stadtpark von Vancouver. Von der früheren Festung aus bietet sich ein prächtiger Blick auf die Stadt. Die Karte ist ebenso gemischt, wie es die Gäste sind, sagt Managerin Sandy Grant: „Wir haben Hochzeiten, bei denen die Gäste natürlich entsprechend anspruchsvoll sind. Aber es kommen auch die Skater nach einer Tour durch den Park vorbei und wollen einfach nur ein Flatbread.” Die Pizza mit dem dünnen Teig gibt es schon für 10 Dollar (8 Euro).

Im Preis eingeschlossen: Ein Pinte Bier - im Gegensatz zu den Nachbarn in den USA mit 0,57 statt nur 0,47 Litern. Doch die Spezialitäten von Souschef Aron Pakan sind etwas teurer. Der in Europa wenig bekannte, am Nordpazifik aber beliebte Kohlenfisch (Sablefish) ist ebenso dabei wie seine „Stuffed Mushrooms”. Pakan ist ein Tüftler. Das macht sich gerade bei den Desserts bemerkbar. Etwa, wenn er Crème brûlée mit Pistazien zubereitet. Noch raffinierter: Wassermelone mit Salz und Balsamicoessig. Was wie die Idee einer Schwangeren klingt, ist eine überraschende Geschmacksentfaltung im Mund.

- „Raincity Grill”: Der Trend zu lokaler Küche kommt in Vancouver vom „Raincity Grill”. Hier wurde das 100-Meilen-Menü erfunden. In dem Restaurant im trendigen Westend, nur ein paar Schritte vom Strand entfernt, gibt es nichts, was nicht aus dem Umkreis von gut 160 Kilometern kommt. „Das ist nur auf den ersten Blick eine Einschränkung. Tatsächlich bietet die Region so viel, dass wir gar nicht so viel kochen können, wie es von den Zutaten möglich wäre”, beteuert Manager Terry Hayashi. „Im Winter wird es etwas schwieriger, aber die Fülle ist immer noch riesig.”

Und so kommt das meiste aus dem Westen oder Nordosten. Im Westen liegt das Meer, und der „Raincity Grill”, übrigens nach dem nicht immer perfekten Wetter in Vancouver benannt, bietet gerade Heilbutt und Lachs. Eine interessante Spezialität: Salat mit „Sea Asparagus”. Dieser „Seespargel” heißt in Deutschland Queller oder Friesenkraut und gibt dem Salat eine leicht säuerliche Note.

- „Grill”: Im Nordwesten von Vancouver liegt Pemberton. Das Örtchen ist für seine Kartoffeln bekannt. Der „Grill” serviert alles vom Bison bis zum Huhn. Gleich dazu: Die passende Wein- oder auch Sektempfehlung - auch alles aus der Region. „Die Weine aus British Columbia sind jung, aber unglaublich gut”, beteuert Jeremy Roncoroni. Der Brite war zehn Jahre Sommelier und führt jetzt das „St. Regis”-Hotel in Vancouver. Neun Jahre hat er in München gearbeitet, im „Vier Jahreszeiten” und im „Bayerischen Hof”. „Da habe ich viele gute Weine geschmeckt und der kanadische muss sich nicht verstecken.” Gerade der Eiswein sei Weltklasse. „Dabei sind viele Güter kaum 30 Jahre alt. Die Kanadier müssen noch lernen, welche für sie die beste Rebsorte ist. Noch gibt es zu viele.”

- „Coast”: Wenn ein Restaurant „Küste” heißt, dann ist die Spezialität klar: Fisch, Muscheln und Austern - alles, was aus dem Meer kommt. „Doch daneben bieten wir auch Sushi oder Chowder”, sagt Restaurantleiter Michael Moore. Gerade Chowder, eine dicke Suppe aus Muscheln oder Fisch, ist beliebt und so nahrhaft, dass ein Teller für viele ein Hauptgericht ist. Das „Coast”, erst zwei Jahre alt, ist gut gefüllt. Vielleicht wegen der VIP-Lounge, in der sich abends die Promis treffen.

- „Ki Modern”: Das Gegenteil zum lauten und geschäftigen „Coast” ist das „Ki Modern”. Das Restaurant gehört Kanadas größtem Restaurantbesitzer. David Aisenstats Vater hat mit einem Steakhaus angefangen, dem Sohn gehören gleich mehrere Ketten. Wer in das Restaurant geht, muss mitten in Vancouver durch einen Bambusgarten gehen und findet sich plötzlich auf einer ruhigen Terrasse. Deftige Westküstenküche wird hier auch serviert, aber die Spezialität ist Sushi.

Info-Kasten: Vancouver

Anreise: Vancouver wird von allen großen Fluggesellschaften angeflogen - aus Deutschland aber nicht direkt. In der Regel müssen Reisende in Toronto, Montreal oder in New York umsteigen.

Reisezeit: In Vancouver ist das ganze Jahr Saison. Im Winter locken Wintersportangebote, im Sommer der Strand, das ganze Jahr die Natur. Der Pazifik mäßigt das Klima, es ist im Winter weder bitterkalt noch im Sommer sehr heiß. Allerdings kann es oft regnen.

Geld: Ein Kanadischer Dollar entspricht rund 80 Cent (Stand: September 2012). Auf alle Preise kommen noch Steuern, in der Regel etwa 10 Prozent. Trinkgelder gibt man wie in den USA: Etwa 15 Prozent.

Informationen: Tourism British Columbia, 510 Burrard Street, 12th floor, CA-Vancouver, British Columbia (Tel.: 001/604/660 28 61).

# dpa-Notizblock

## Internet - [Judas Goat Taberna](http://www.judasgoat.ca/) - [Alta](http://www.altabistro.com/) - [Aura](http://www.nitalakelodge.com) - [Café Medina](http://www.medinacafe.com/) - [Tea House](http://www.vancouverdine.com/teahouse) - [Raincity Grill](http://www.raincitygrill.com/) - [Coast](http://www.glowbalgroup.com/coast/) - [Ki Modern](http://kijapanese.com/)

## Ort - [Judas Goat Taberna](27 Blood Alley, Gastown, Vancouver, British Columbia, Kanada) - [Alta](4319 Main Street, Whistler, British Columbia, Kanada) - [Aura](Nita Lake Lodge2131 Lake Placid Road, Whistler, British Columbia, Kanada) - [Café Medina](556 Beatty Street, Crosstown, Vancouver, British Columbia, Kanada) - [Tea House](Ferguson Point, Stanley Park, Vancouver, British Columbia, Kanada) - [Raincity Grill](1193 Denman Street, Vancouver, British Columbia, Kanada) - [Coast](1054 Alberni Street, Vancouver, British Columbia, Kanada) - [Ki Modern](1121 Alberni Street, Vancouver, British Columbia, Kanada)

Die folgenden Informationen sind nicht zur Veröffentlichung bestimmt

## Ansprechpartner - Eva Brucklacher, Tourism British Columbia, +49 6102 88479150

## dpa-Kontakte - Autor: Chris Melzer, +1 917 971 1960, - Redaktion: Michael Zehender, +49 30 285232978, - Ansprechpartnerin Foto: Andrea Warnecke, +49 30 285232970,

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