1. Leben
  2. Reisen

Malé: Malediven: Fragiles Insel-Paradies im Indischen Ozean

Malé : Malediven: Fragiles Insel-Paradies im Indischen Ozean

Es ist 17.00 Uhr Ortszeit. Fütterungszeit. Zehn Stachelrochen warten im seichten, türkisfarbenen Meer am Strand der Malediven-Insel Vabbinfaru im Nord-Malé-Atoll auf ihre tägliche Ration. Die Meeresbiologin Mirta Moraitis watet im knöcheltiefen Wasser zwischen den Rochen und füttert sie mit Tintenfisch und Schalentieren.

Rochen seien sehr scheu und weder aggressiv noch angriffslustig, klärt sie die Gäste des „Banyan Tree”-Resorts und die Besucher vom „Angsana”-Resort auf der Nachbarinsel Uhuru auf. In Gefahrensituationen könnten die Tiere jedoch mit ihrem peitschenähnlichen Schwanz ausschlagen, an dem der oft mit Widerhaken versehene Giftstachel sitze. Besonders aufmerksam sollten Strandspaziergänger sein: Zum Beutefang graben sie Rochen gern im Sand ein.

Die Rochen, die der 37-jährigen Meeresbiologin aus der Hand fressen, werden nicht in einem Becken gehalten, sondern leben frei. „Seitdem wir vor 13 Jahren mit der Rochenfütterung begonnen haben, kommen die Tiere jeden Tag zur selben Zeit aus ihrem eigentlichen Lebensraum in 30 bis 40 Meter Tiefe an den Strand geschwommen, um ihr Abendessen einzunehmen.” Auch wenn es sich nicht um die natürliche Form der Nahrungsaufnahme der Rochen handele, schade das Füttern den Tieren auf keinen Fall, versichert Moraitis. Vor allem würden durch die tägliche Fütterung auch die Gäste über die Lebensweise der Rochen informiert und so über die gefährdete Unterwasserwelt der Malediven aufgeklärt.

Das „Banyan Tree” habe als erstes Ferienresort auf den Malediven ein Marinelabor eingerichtet, sagt Moraitis. So würden neu ankommende Gäste vor der ersten Schnorcheltour im sogenannten Hausriff oder vor einem Tauchgang über das fragile Inselreich mit seinen Atollen, Korallenriffen und Sandbänken aufgeklärt.

Korallen leiden unter Meereserwärmung

Vielen Gäste sei nämlich nicht bewusst, dass Korallen inzwischen zur Tierwelt gezählt werden, sagt die Wissenschaftlerin. Auch die verheerenden Auswirkungen des periodisch auftretenden Wetterphänomens „El Nino” sei kaum mehr im Bewusstsein. 1998 hatte die sich von Südamerika ausbreitende Warmwasserströmung die Meerestemperatur so weit erhöht, dass in tropischen Gewässern eine Korallenbleiche einsetzte. Besonders schlimm habe es die Malediven getroffen: Teilweise seien bis zu 90 Prozent der Korallen abgestorben, sagt Moraitis. In den Tropen genüge eine Meereserwärmung von ein bis zwei Grad, um jahrhundertealte Korallenbänke zu zerstören, führt die Italienerin weiter aus.

Ein Teil der Korallenriffe habe sich inzwischen wieder erholt, aber insgesamt seien die Chancen einer schnellen Regenerierung gering, da es nur wenige Korallenarten gebe, die abgestorbene Korallenskelette wieder besiedeln könnten. Luxus-Resorts wie „Banyan Tree” und „Angsana”, „Baros” und „Huvafen Fushi” sowie das „Four Seasons” züchten Korallen deshalb an auf dem Meeresgrund stehenden Bänken aus Eisenstangen. Außerdem ziehen die Meeresbiologen dieser Häuser Wasserschildkröten auf und versorgen verletzte Tiere.

Mit wenigen Schwimmzügen ist das Riff erreicht

Ungeachtet der Umweltprobleme verspricht die Insel- und Unterwasserwelt der Malediven ein einzigartiges, wundervolles Urlaubserlebnis. Wer mit dem Wasserflugzeug über die aus 1.200 Inseln bestehenden Malediven fliegt, die rund 700 Kilometer westlich der Südspitze Indiens im Indischen Ozean liegen, blickt auf zahllose Inseln, die von einer türkis leuchtenden Lagune und einem schützenden Riff umgeben sind.

Auf vielen solcher Inseln, die in 10 bis 15 Minuten zu Fuß zu umrunden sind, gibt es jeweils ein Luxusresort. Die Hausriffe sind mit wenigen Schwimmzügen zu erreichen. Nur auf Kuda Huraa fährt man zwei Minuten mit dem Boot zur Riffkante.

Auch wenn die Korallen in diesen Riffs nicht mehr ganz so farbenprächtig leuchten, wie in der Zeit vor dem ersten El-Nino-Effekt, bleibt das Schnorcheln und Tauchen in dieser Unterwasserwelt ein unvergleichliches Erlebnis. Die Begegnung mit dem ungefährlichen Grauen Riffhai und dem Schwarzspitzen-Riffhai sowie Meeresschildkröten ist garantiert. Plötzlich findet sich der Schnorchler inmitten eines Schwarms von Blaustreifen-Schnappern. Dann kreuzen der leuchtend rote Juwelen-Zackenbarsch, der grün-gelbe Napoleon-Lippfisch, der vorwitzige Picasso-Drücker und der Kugelkopf-Papageienfisch seinen Weg. Wer die großen Manta-Rochen erleben will, die im Meer majestätisch zu schweben scheinen, muss allerdings weiter raus auf das offene Meer, am besten auf einer Katamaran-Kreuzfahrt.

(Die Recherche wurde von allen genannten Resorts sowie der Fluggesellschaft Oman Air unterstützt.)